Nachfolge gesucht
Baselbieter Finanzkontrolle ist ohne Chef – wer beerbt Roland Winkler?

Der Leiter der Baselbieter Finanzkontrolle, Roland Winkler, hat sich nach 22 Jahren in die Pension verabschiedet. Die Findungskommission, die für einen nahtlosen Übergang hätte sorgen sollen, hat aber noch immer niemanden gefunden.

Michael Nittnaus
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Hinterlässt grosse Fussstapfen: Seit 1996 leitete Roland Winkler die Baselbieter Finanzkontrolle.

Hinterlässt grosse Fussstapfen: Seit 1996 leitete Roland Winkler die Baselbieter Finanzkontrolle.

bz-Archiv/mn

Ohne Roland Winkler wäre die Honorar-Affäre der Baselbieter Regierung Ende 2013 nie ans Licht gekommen. Der Chef der kantonalen Finanzkontrolle stand urplötzlich im Scheinwerferlicht – ohne dass er dieses je gesucht hätte. Durch den von der Finanzkontrolle aufgedeckten Skandal wurde erst wirklich bekannt, wie wichtig die Arbeit dieses Mannes und seines Teams ist. 22 Jahre lang leitet Winkler mittlerweile die unabhängige Revisionsstelle des Kantons. Ein Urgestein. Ende März geht er in Pension. Doch schon jetzt steht die Behörde ohne ihren Kopf da, da er in den Ferien weilt. Morgen wird Winkler offiziell vom Landrat verabschiedet.

So weit läuft alles nach Plan. Doch nur so weit. Schon im Geschäftsbericht der Finanzkontrolle 2016 stand, dass der Landrat eine Findungskommission beauftragt habe, die Nachfolge sicherzustellen: «Die Stelle des Vorstehers wird spätestens per Anfang April 2018 neu besetzt», hiess es da. Das war vor einem Jahr. Recherchen der bz zeigen: Es harzt bei der Suche. So sehr, dass kein nahtloser Übergang mehr möglich ist. Der stellvertretende Leiter Hanspeter Schüpfer führt ad interim. «Vorläufig halte ich die Stellung», sagt er. Von der bz darauf angesprochen, schliesst er aber aus, die Leitung definitiv zu übernehmen. Der einfachste Weg führt also in eine Sackgasse.

Schon über 20 Personen geprüft

«Wieso dauert das so lange?», fragt sich nicht nur Adil Koller. Der Landrat und Präsident der SP Baselland hat vor allem eine Sorge: dass die Finanzkontrolle womöglich nicht mehr all ihren Aufgaben gemäss Finanzkontrollgesetz nachkommen kann. «Gerade bei der Aufklärung der Affäre um die Schwarzarbeitskontrollen der ZAK und ZPK könnte die Finanzkontrolle eine wichtige Rolle übernehmen», sagt Koller. Und auch Felix Keller, als Chef der CVP/BDP-Fraktion Mitglied der Geschäftsleitung des Landrates, sagt: «Wir diskutieren das zurzeit in der Geschäftsleitung. Ich weiss nicht wirklich, weshalb es so schwierig ist, jemanden zu finden, doch wir brauchen bald Klarheit.»

Der Mann, der es wissen muss, ist Klaus Kirchmayr. Der Grünen-Landrat amtet als Präsident der Findungskommission. Er sagt offen: «Wir hätten auch nicht gedacht, dass es so schwierig ist.» Seit Mitte 2017 sei die siebenköpfige Findungskommission an der Arbeit. Keinesfalls habe man die Suche verzögert, so Kirchmayr: «Wir haben sogar extrem viel Zeit investiert. Ich persönlich komme auf über 70 Arbeitsstunden.» Insgesamt hätte man über 20 Personenprofile geprüft.

Noch ein aussichtsreicher Kandidat

Das Problem: «Es gibt nur wenige Spezialisten, die für diesen Job überhaupt infrage kommen.» Gesucht wird ein eidgenössisch diplomierter Wirtschaftsprüfer mit Führungserfahrung, der sich auch in der Verwaltung auskennt. Diese Personen seien auch in der Privatwirtschaft äusserst gesucht. Und das ist die Krux: Der Kanton Baselland kann offenbar nicht mithalten. Kirchmayr: «Wir hatten uns mit einer Person schon geeinigt, als sie in letzter Minute doch wieder absprang. Ihr vorheriger Arbeitgeber hatte nochmals etwas draufgelegt.» Für den Kanton sei es schwierig, hier konkurrenzfähig zu sein. Das macht vorsichtig.

So sagt Kirchmayr zwar, dass man aktuell wieder mit einem Kandidaten in abschliessenden Gesprächen stehe und ein Vorentscheid gefallen sei. Doch noch fehle das definitive Okay zur Bewerbung. Die Geschichte könnte sich also wiederholen. Selbst im besten Fall dauert die Vakanz noch mehrere Monate, muss doch die Finanzkommission den Kandidaten nominieren und der Landrat ihn wählen.

Klar in Abrede stellt Kirchmayr aber, dass die Finanzkontrolle ohne Winkler zurzeit nicht voll handlungsfähig ist: «Es gibt keine personellen Defizite. Winkler selbst hat im letzten halben Jahr noch zwei neue leitende Revisoren angestellt.» Die Finanzkontrolle könne ihre Aufgaben voll erfüllen. Nicht dazu gehört allerdings wohl die ZAK/ZPK-Affäre. «Da die Finanzkontrolle nur Buchungen des Kantons, nicht aber jene von auswärtigen Zulieferern prüfen kann, dürfte eine allfällige Prüfung in diesem Fall eher schwierig werden», sagt Kirchmayr. Der Entscheid liege aber letztlich bei der Finanzkontrolle.

Dem Kanton für einmal nicht aus der Patsche helfen wird Roland Winkler selbst. Nach der Honorar-Affäre 2013 hatte er gesagt, dass er sich vorstellen könne, über das Pensionsalter hinaus weiterzuarbeiten. Kirchmayr: «Ich habe ihn mal informell angefragt, doch Winkler winkte ab.»

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