Unruhen
Arxhof-Direktor Peter Ulrich: «Vorwürfe sind nicht nachvollziehbar»

Mobbing, Einschüchterungen, Drohungen: Die Vorwürfe von ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern an die Adresse von Arxhof-Direktor Peter Ulrich sind happig. Nun nimmt der Attackierte erstmals Stellung.

Annika Bangerter und Benjamin Wieland
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Ein Drittel der Betreuer hat den Arxhof verlassen.

Ein Drittel der Betreuer hat den Arxhof verlassen.

Kenneth Nars

Der Arxhof sorgt für negative Schlagzeilen: Auf unliebsame Nachfragen reagiere die Direktion mit Einschüchterungen oder Drohungen. Innerhalb des Teams herrsche ein Klima der Angst, schreiben aktuelle und ehemalige Mitarbeitende in einem offenen Brief an die Regierung. Dafür verantwortlich machen sie ihren (früheren) Chef, Peter Ulrich. Nun meldet sich dieser zu Wort.

Der Direktor des Massnahmenzentrums für junge Erwachsene in Niederdorf schreibt auf Anfrage der bz, die gegen ihn gerichteten Vorwürfe seien für ihn «nicht nachvollziehbar». Der Arxhof müsse, auch auf Druck von aussen, geschlossene Plätze anbieten. Bald wird es möglich sein, Klienten einzuschliessen. Das verlangen die zuweisenden Kantone, ebenso das Bundesamt für Justiz. Zudem hat sich die Fallführung geändert. Nun bestimmen die Therapeuten über die Massnahmen, früher war es das gesamte Betreuungsteam.

Detaillierte Planung

Der Systemwechsel sei «in vielen Gesprächen sehr ausführlich begleitet und geplant» worden, sagt Ulrich: «Von unserer Seite her kann ich mir nicht vorstellen, was wir noch zusätzlich hätten machen können.» Es gelte zu akzeptieren, «dass wir nicht alle Mitarbeitende überzeugen konnten». Er könne verstehen, wenn Veränderungen Ängste und Ablehnung auslösen würden, aber: «Die Vehemenz der Reaktion hat mich schon überrascht.»

Rückendeckung erhielt Ulrich bereits vergangene Woche von der Baselbieter Sicherheitsdirektion. Deren Vorsteher, Regierungsrat Isaac Reber (Grüne), wollte auch gestern Montag auf Anfrage nicht auf die Vorwürfe von ehemaligen und aktuellen Arxhof-Mitarbeitern eingehen. Dies, weil die Anschuldigungen anonym erfolgt seien. Reber schreibt: «Geäusserte Kritik nehmen wir immer sehr ernst. Wenn diese aber in anonymer Form kommt, ist eine Diskussion nicht möglich, sodass dieser Brief in erster Linie dem Arxhof schaden wird.»

Gestern traf sich auch die Justiz- und Sicherheitskommission (JSK) des Landrats. Deren Präsident Andreas Dürr (FDP) sagt, dass die Kommission dieses Vorgehen grundsätzlich unterstütze: «Anonymen Vorwürfen gehen auch wir nicht nach.» Die Sicherheitsdirektion hätte die JSK über die Hintergründe informiert. Den Grund für die Kündigungen sieht Dürr im Leitungs- und Systemwechsel.

Er kündigt zwar an, dass die Kommission die «Geschehnisse auf dem Arxhof künftig genauer beobachten» und bei der Sicherheitsdirektion «regelmässig bezüglich des Betriebes und der Umsetzung des Konzeptes» nachfragen werde. Er zeigt sich optimistisch: «Die Sicherheitsdirektion versicherte uns glaubhaft, dass die Geschäftsleitung und das neue Konzept nun funktionieren.»

Nicht ganz so anonym

Ähnlich klingt es bei Reber: Die personelle Situation auf dem Arxhof habe sich «wieder gefestigt», schreibt er. Eine solche Aussage lässt sich nur machen, indem nicht auf den Brief eingegangen wird. Dort steht nämlich, dass «einige Mitarbeiter bereits im Kopf gekündigt» haben und den «Dienst nach Vorschrift machen» würden.

Auch das Argument der Anonymität hapert. Die Verfasser haben zwar den Brief ohne Absender geschickt. Doch sie fordern Reber explizit dazu auf, dass er sich an seinen Generalsekretär Stephan Mathis für weitere Informationen wenden möge. Dieser stand seit mindestens Dezember im Kontakt mit mehreren Mitarbeitenden des Arxhof.

Dieser ist zwar eine Institution des Massnahmevollzugs-Konkordats der Nordwest- und Innerschweiz. Weil die Aufsicht jedoch der Kanton Baselland respektive die Sicherheitsdirektion innehat, wandten sich die Mitarbeitenden an sie. Gegenüber der «Schweiz am Wochenende» sagte Mathis, er sei den Vorwürfen nachgegangen.

Es habe sich dabei gezeigt, dass «ein kleinerer Teil der Mitarbeitenden» mit dem Systemwechsel nicht einverstanden gewesen sei, betont Mathis. Diese haben sich jedoch entschieden, den Arxhof zu verlassen.

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