Wollsammlung
Ambros Zurfluh: «Wolle landet meist im Kehricht»

In der Schweiz wird die meiste Wolle die bei der Schur eines Schafes anfällt weggeworfen. Schafzüchter Ambros Zurfluh will mit einer Sammlung von Wolle dazu beitragen, dass diese weiterverwertet wird.

Michel Ecklin
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Ambros Zurfluh: «Für das Wohl der Tiere müssen die Halter ihre Schafe sowieso scheren.»

Ambros Zurfluh: «Für das Wohl der Tiere müssen die Halter ihre Schafe sowieso scheren.»

Michel Ecklin

Herr Zurfluh, kann ich bei Ihnen meine alten Wollpullover vorbeibringen?

Ambros Zurfluh: Nein, wir sammeln nur Wolle, die Schafhalter von ihren Tieren geschoren haben.

Was passiert mit der gesammelten Wolle?

Die Wolle geht in eine Wäscherei in Deutschland und wird dann an verschiedene Produzenten verteilt, meist in der Schweiz. Aus der qualitativ besten Wolle kann man Bettdecken machen, aus der übrigen gibt es Matratzenvliese, Teppiche, Funktionskleider oder Schallschutzplatten.

Private Firma übernimmt Vertrieb

Wolle direkt von den Schafhaltern zu sammeln und sie den verschiedenen Verwertungsformen zu zuführen: Das ist die Idee von Swisswool, einem Label, das von der Ostschweizer Firma Nawarotec gegründet worden ist. Die Schweizer Wolle soll möglichst wieder auf dem Schweizer Markt verarbeitet werden, nachdem sie extern aufbereitet worden ist. Beim Endverbraucher ist die Wolle als Schweizer Produkt erkennbar, die qualitativ hochstehender sein soll als andere. Swisswool rühmt sich, dass sie mit ihren Verarbeitungsabläufen kaum Wollabfall verursacht. Gesammelt wird nicht nur die Schur von Schafhaltern, sondern auch Wollreste, die als Produktionsabfälle anfallen. Swisswool sammelt pro Jahr rund 450 Tonnen Wolle. (mec)

Wie muss die Wolle beschaffen sein, damit Sie sie annehmen?

Die Schafhalter sollten Wolle mit wenig Dreck möglichst wenig Farben drin liefern. Es sollte auch möglichst wenig Heu und Stroh drin sein, denn trotz Waschen kriegt man das nur schwer raus.

Warum setzen Sie sich für das Sammeln von Wolle ein?

Heute landet die meiste Wolle in der Schweiz im Kehricht. Die Schur eines Schafes kostet fünf bis sechs Franken und ergibt rund zweieinhalb Kilogramm Wolle. Pro Kilo kriegt man aber nur einen Franken. Daher lohnt sich der Verkauf meist nicht. Doch wir wollen verhindern, dass die Wolle weggeschmissen wird. Denn es handelt sich um einen wertvollen Rohstoff. In vielen Produkten ist Wolle drin. Früher gab es die Inlandwollzentrale, die die Wolle abkaufte. Doch die gab vor einigen Jahren aus Kostengründen auf.

Erhalten die Halter Geld, wenn sie bei Ihnen Wolle abgeben?

Ja, bar auf die Hand. Für Biowolle gibt es 1 Franken 30 pro Kilo, für weisse Wolle gibt es einen Franken, für schwarze 70 Rappen und für gemischte Wolle noch 30 Rappen.

Damit bleibt aber der Verkauf unrentabel. Was ist die Motivation eines Schafhalters, seine Wolle trotzdem bei Ihnen abzugeben?

Für das Wohl der Tiere müssen die Halter ihre Schafe sowieso scheren. Wenn sie etwas Geld dafür kriegen, senkt das wenigstens ein bisschen ihre Kosten. Zudem liegt vielen Haltern daran, dass der Rohstoff Wolle nicht im Abfall landet. Schafe zu halten, ist für viele sowieso eine Herzensangelegenheit und kein Geschäft.

Und wie geht das für Sie als Organisator finanziell auf?

Ich kann einer Unterorganisation von Swisswool für den Aufwand eine Rechnung stellen, fürs Sammeln, für die Bewertung der Qualität und fürs Pressen.

Gibt es auch anderswo in der Schweiz solche Sammlungen?

Ja, etwa an 20 Orten. Als Präsident des Schafzüchterverbands bin ich für die Sammlung in Baselland und Umgebung zuständig. Bei den bisherigen zwei Anlässen pro Jahr kamen jeweils rund fünf Tonnen Wolle zusammen.

Samstag, 7. Mai, 8 bis 12 Uhr, Hölstein, Grastrockungsanlage

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