Fredy Schär
«Als ich die Einladung dazu erhielt, war ich total sprachlos»

Fredy Schär darf im Dezember zum ersten mal beim Arosa Humorfestival auftreten und ist überwältigt. Am Anfang seiner Karriere hätte er nie gedacht, dass sein Weg einmal in den Olymp der Comedyszene führt.

Simon Tschopp
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Fredy Schär: «Dass ich heute von meinem neuen Beruf als Komiker leben kann,erfüllt mich mit Stolz.»

Fredy Schär: «Dass ich heute von meinem neuen Beruf als Komiker leben kann,erfüllt mich mit Stolz.»

Sie können im Dezember erstmals beim Arosa Humorfestival auftreten. Wie reagierten Sie, als Sie davon erfuhren?

Fredy Schär: Ich war überwältigt. Zu Beginn meiner Karriere hätte ich nie gedacht, dass mich mein Weg einmal in den Olymp der Comedyszene, ans Arosa Humorfestival, führt. Als ich die Einladung dazu erhielt, war ich total sprachlos. Das Loch in der Wohnzimmerdecke sieht man jetzt noch.

Sie haben sich nicht gefragt: «Weshalb musste es so lange dauern, bis die Organisatoren auf mich aufmerksam wurden?»

Ich musste in all den Jahren als Komiker lernen, dass man trotz vieler Auftritte und gutem Erfolg ohne Beziehungen nicht weit kommt. Ohne einen bekannten Namen und ohne gutes Management ist es schwierig und braucht Glück. Mein Manager, mit dem ich nun seit fünf Jahren zusammenarbeiten darf, hat mir einige Türen geöffnet, und nun hat es erfreulicherweise geklappt. Aber wie bei einem guten Wein musste das alles auch reifen. Nun bin ich hocherfreut. Denn in Arosa zum Handkuss zu kommen, ist nicht einfach. Da stehen die Künstler Schlange.

Stars wie Marco Rima oder Claudio Zuccolini sind in Arosa dabei. Was bedeutet es Ihnen, im Kreis solch prominenter Komiker aufzutreten?

Ein bisschen nervös bin ich schon, aber meine jahrelange Erfahrung wird mir helfen, diesen Auftritt gut zu meistern. Natürlich misst man sich mit solchen Grössen – falle ich ab, oder halte ich mit? Das gehört dazu. Die Situation kenne ich, und doch ist es für mich neu, an so einem Grossanlass aufzutreten. Ich bin schon an Abenden mit
Peach Weber oder Rob Spence zusammen aufgetreten. Interessant ist ebenfalls, diese Künstler in Arosa neben der Bühne als Menschen wie du und ich erleben zu dürfen.

Können Sie mit der Nervosität vor Auftritten gut umgehen?

Inzwischen schon. Selbstverständlich gibt es immer wieder Anlässe, zum Beispiel vor heimischem oder sehr kritischem Publikum, wo ich stets ein wenig nervöser bin. Ein Komiker, der kurz den Faden verliert, kann fürs Publikum aber auch lustig sein. Aber es darf nicht peinlich werden.

Wie werden Sie am Humorfestival das Publikum unterhalten?

Mit meinem Programm «UnverSchä®mt», mit dem ich nun über ein Jahr auf Tournee bin und bereits in Zürich, Basel oder Küssnacht am Rigi spielen durfte. Es beinhaltet Geschichten aus dem Alltag, aus dem Leben ganz allgemein, mit Parodien und Wortspielereien.

Wie entstehen Ihre Programme?

Aus Alltagssituationen. Die neusten Technologien beispielsweise sind dankbar – Computerwelt, Handy und so weiter. Ein Beispiel: Ich sitze vor dem Handy und bin so froh, ein solches zu besitzen. Mir geht durch den Kopf: «Ohni Händy by-n-i am Ändi.» Damit könnte ich mich doch befassen, irgendwo im Programm einbauen und schauen, was dabei herauskommt. Oder etwas, was mich nervt: die heutige Hektik im Strassenverkehr. Dies versuchte ich, in meinem Autofahrer-Lied lustig zu verpacken.

Ist Ihr erlernter Beruf Landwirt auch Ideengeber?

Früher war das vermehrt der Fall, heute eigentlich nicht mehr. Ich fühle mich nicht mehr so sehr als Bauer. Ich habe keine Kühe mehr, und so bin ich für viele kein echter Bauer mehr. Ich betreibe nur noch nebenbei Landwirtschaft, bin quasi Hobby-Bauer.

Hat Sie Ihr bald dreimonatiger
Sohn schon zu Liedern oder Witzen animiert?

Bis jetzt nicht. Aber er inspiriert mich jeden Tag aufs Neue und daraus wird bestimmt mal ein Lied entstehen.

Variieren Sie mit Ihren Programmen während der Auftritte?

Ich erfinde das Rad nicht jedes Mal neu. Ich gehe auf Wünsche ein, die Zeit, die ich zur Verfügung habe, spielt eine Rolle, und ich achte natürlich auf die Reaktionen des Publikums. Meine Auftritte laufen modulartig ab. Ein Automatismus, der funktionieren muss. Flexibilität ist aber auch gefragt.

Früher waren Sie Landwirt, Liedermacher und Comedy war Ihr Hobby. Heute ist es umgekehrt. Sie
haben aus Ihrem Hobby den Beruf, aus Ihrem Beruf das Hobby
gemacht.

Ja, der Wechsel war spannend und toll. Und dass ich heute von meinem neuen Beruf als Komiker leben kann, erfüllt mich mit Stolz.

Von wem erhalten Sie nun Subventionen?

Für gewisse Leistungen in der Landwirtschaft erhalte ich vom Bund in beschränktem Mass Direktzahlungen. Auch als Komiker erhalte ich Direktzahlungen: Meine Zuschauerinnen und Zuschauer zahlen ja ebenfalls direkt mit ihrem Lachen und Applaus. Das ist der schönste Lohn, den es gibt!

Auf Ihrer Homepage findet man eine Galerie mit Fotos, auf denen Sie mit Prominenten abgebildet sind – mit auffallend vielen SVP-Politikern. Zufall oder Absicht?

Ich bin bei der FdP. Will heissen: Fredy der Parteilose. Hinter den erwähnten Fotos steckt keine politische Botschaft. Es kann aber sein, dass Anlässe, bei denen ich auftrete, eher von Bürgerlichen besucht werden. In meinen Programmen bekommen aber Politiker aller Richtungen ihr Fett weg.