Allschwil
Der letzte Gratisparkplatz der Agglomeration ist bald Geschichte

Der Allschwiler Einwohnerrat hat beschlossen, dass die Parkplätze auf den Quartierstrassen nicht mehr gratis sein sollen. Die Gemeinde ist die letzte rund um Basel, in der man noch unbeschränkt auf den Strassen sein Auto abstellen darf.

Michel Ecklin
Merken
Drucken
Teilen
Die Allschwiler Strassenparkplätze sind beliebt bei Arbeitspendlern.

Die Allschwiler Strassenparkplätze sind beliebt bei Arbeitspendlern.

Nicole Nars-Zimmer

Vor fast 30 Jahren begann die Stadt Basel, die weissen Zonen abzuschaffen. Anwohner, Pendler und Besucher brauchen jetzt eine Parkkarte, um ihr Fahrzeug länger als 90 Minuten auf Stadtboden abzustellen.

Damit stieg in den umliegenden Gemeinden der Parkdruck. Nach und nach führten sie vergleichbare Parkraumbewirtschaftungen ein. Inzwischen gelten im Unterbaselbiet fast flächendeckend solche Regelungen, ebenso in Teilen von St.-Louis und Weil am Rhein.

Kosten am Flughafen sparen

Die grosse Ausnahme ist Allschwil. Hier darf man weiterhin gratis parkieren. Da ist es nicht überraschend, dass die Gemeinde zum Gratisparkplatz für die ganze Agglomeration geworden ist. Berufspendler aus dem In- und Ausland lassen ihr Auto dort auf der Strasse stehen, um mit dem Tram nach Basel zu fahren.

Auch um die Parkgebühren am Flughafen zu vermeiden, bietet sich Allschwil an. Und nicht zuletzt stellen Autobesitzer aus Basel-West ihr Fahrzeug gerne kostenlos in der Nachbargemeinde ab. Entsprechend oft beklagen sich Allschwiler Autobesitzer, dass sie selber kaum mehr einen Parkplatz fänden.

Dahinter steckt eine längere Vorgeschichte

Doch damit ist bald Schluss. Vorgestern hat der Allschwiler Einwohnerrat eine eigene Parkraumbewirtschaftung verabschiedet. Neu soll es nur noch blaue Zonen geben. Allschwiler und Angestellte in Allschwiler Betrieben sollen Parkkarten erwerben können, mit denen unbeschränktes Parkieren erlaubt ist.

Ausgenommen sind aus rechtlichen Gründen die Kantonsstrassen. Das Reglement war im Einwohnerrat weitgehend unbestritten – was in der langen Geschichte rund ums Parkieren in Allschwil keine Selbstverständlichkeit ist.

Denn es ist nicht so, dass man sich des Problems nicht schon früher bewusst gewesen wäre. Bereits 1992 und dann wieder 1999 prüfte der Gemeinderat eine Parkraumbewirtschaftung, hielt sie aber beide Male nicht für nötig.

Das Volk sagte 2015 Nein

Nach diversen politischen Vorstössen liess der Gemeinderat 2012 ein Parkraumkonzept erarbeiteten, worauf eine Spezialkommission des Einwohnerrats eine teilweise Einführung beschloss, nur in den Quartieren entlang der Tramlinie 6 und der Buslinie 33 in Neuallschwil.

Der Einwohnerrat war mehrheitlich einverstanden, aber eine Minderheit verlangte eine Volksabstimmung. 2015 sagte das Volk Nein, hauptsächlich, weil die Bewirtschaftung nicht flächendeckend gewesen wäre. Manche befürchteten auch zu viel Bürokratie, andere hätten lieber eine regionale Lösung gehabt.

Die Abfuhr liess die Allschwiler Autofahrer nicht verstummen. Sie beklagten sich weiterhin über von Auswärtigen zugeparkte Strassen. Zeitweise wurde erwogen, das Problem mit erweiterten Zubringerdienstzonen zu lösen, was aber wieder verworfen wurde.

Immer noch kein Tempo 30

2018 schliesslich, unter dem steigenden Leidensdruck der Allschwiler Autofahrer, wagten Einwohnerräte von rechts und links einen neuen Anlauf. Der gemeinsame Vorstoss führte mit einen Umweg über eine Spezialkommission zur Lösung, die der Einwohnerrat am Mittwoch abgesegnet hat.

Damit dürften in etwa einem Jahr die letzten öffentlichen Gratisparkplätze rund um Basel verschwinden. Nur in einem Punkt bleibt Allschwil eine verkehrstechnische Ausnahme in der Agglomeration: Auf den Quartierstrassen gibt es weiterhin kein Tempo 30.