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14er fährt nicht nach Salina Raurica – doch die Tramgegner wollen jetzt mehr

Die Tramverlängerung ist an der Urne chancenlos. Das sei als Auftrag zu verstehen, sagt das Nein-Komitee Aapacke Pratteln: Der Souverän wünsche, dass Salina Raurica grün bleibe. Der Prattler Gemeindepräsident sieht das anders.

Benjamin Wieland
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Blick über die Salina-Raurica-Ebene und Pratteln. Im Vordergrund: Die Bauarbeiten für die verlegte Kantonsstrasse.

Blick über die Salina-Raurica-Ebene und Pratteln. Im Vordergrund: Die Bauarbeiten für die verlegte Kantonsstrasse.

bwi

Am Resultat gibt es nichts zu rütteln. Das Baselbieter Stimmvolk will nicht, dass Salina Raurica mit dem Tram erschlossen wird. Es lehnt die Vorlage zum Projektierungskredit und zum vorgezogenen Landerwerb mit fast 58 Prozent Nein-Anteil ab. Alle fünf Bezirke wollen von der Tramverlängerung nichts wissen. Im Bezirk Arlesheim können sich immerhin 46,1 Prozent der Abstimmenden mit dem Projekt anfreunden – im Bezirk Laufen hingegen, dem anderen Extrem, ist der Nein-Anteil mit mehr als Zweidritteln der gültigen Stimmen wuchtig. Selbst Pratteln lehnt als eine der zwei betroffenen Gemeinden die Vorlage klar ab (65,1 % Nein). Augst hingegen sagt, zusammen mit Arlesheim, Giebenach und Münchenstein, Ja.

Die Deutlichkeit des Resultats lässt die Frage aufkommen, ob Kanton und Gemeinden am Willen der Bevölkerung vorbei geplant haben. Denn das Verdikt kann durchaus als Statement dagegen gewertet werden, dass Salina Raurica überhaupt entwickelt werden soll.

Isaac Reber will zuerst die Gründe analysieren

Der Baselbieter Baudirektor Isaac Reber (Grüne) sagt, er stelle eine gewisse «allgemeine Entwicklungsskepsis» fest. Das Nein zur Planung der Tramverlängerung sei «eine verpasste Chance» – denn:

«Wir brauchen Entwicklung in unserem Kanton, um den Wohlstand und die Lebensqualität in der Region zu erhalten.»

Zwar könne es sein, dass auch die Coronakrise eine gewisse Rolle gespielt habe für das deutliche Nein. «Es ist jedoch wenig zielführend», fügt Reber an, «weitere Mutmassungen anzustellen, wie es zu dieser hohen Ablehnung gekommen ist.» Stattdessen werde man das Resultat fundiert analysieren, gemeinsam mit Pratteln und Augst.

Für den Prattler Gemeindepräsidenten Stephan Burgunder (FDP) steht fest: «Wir konnten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger offenbar nicht vom Sinn und Zweck dieser neuen Tramstrecke überzeugen.» Bei den Gegnern könne er vier Motive ausmachen. Es gebe solche, die grundsätzlich gegen die Bebauung von Salina Raurica Ost seien, dann jene, die gegen ÖV-Projekte seien, andere hätten die Kosten gescheut, und nicht zuletzt sei die Linienführung bezweifelt worden. «Wir haben jetzt eine Art Blockade­situation. Nein sagen ist einfach. Aber in welche Richtung es gehen soll, ist nicht klar. Wir müssen unsere Verkehrsprobleme irgendwie lösen. Und was auch fest steht: Pratteln muss sich entwickeln können.»

Pratteln habe andere Flächen, sagt Nein-Komitee

Denise Stöckli von der Aktionsgruppe Aapacke Pratteln will das Resultat nicht als Plebiszit gegen das Tram sehen, sondern als Auftrag, Salina Raurica grün zu behalten. Den Politikerinnen und Politikern bleibe noch etwas Wichtiges mit auf den Weg zu geben, sagt Stöckli:

«Entscheidet über solche Riesenprojekte nicht über die Köpfe der Menschen hinweg.»

In Pratteln gebe es genügend Flächen, die in den nächsten Jahren frei würden. «Es ist schlicht nicht notwendig, Salina Raurica zu überbauen.»

Das Argument wurde bereits aufgegriffen. Die SP Baselland teilte noch am Sonntag mit, der Volkswille sei ernst zu nehmen. Damit Salina Raurica grün bleiben könne, solle der Regierungsrat eine Planungszone erlassen. «So kann der Kanton den Spezialrichtplan komplett überarbeiten.»

Das Komitee Aapacke Pratteln feierte den Abstimmungserfolg in Maisprach.

Das Komitee Aapacke Pratteln feierte den Abstimmungserfolg in Maisprach.

zvg