Auf den ersten Blick hat der Wahlsonntag für die Baselbieter Vertretung im Nationalrat überhaupt keine Veränderung gebracht: Der Landkanton wird seit 2003 (!) und nun auch die kommenden vier Jahre nach der folgenden parteipolitischen Formel vertreten: 2 Sitze für SVP und SP, je ein Sitz für FDP, Grüne und CVP. Daraus lässt sich durchaus auch ein Wunsch nach Stabilität ableiten.

Zwar hat der am Sonntag auf nationaler Ebene feststellbare Rechtsrutsch bei den Wähleranteilen auch im Baselbiet stattgefunden: Die SVP konnte gegenüber 2011 um 2,5 Prozentpunkte auf 29,4 Prozent zulegen, die FDP gar um 4,1 Prozentpunkte auf 15,3 Prozent. Damit wurden zumindest auf bürgerlicher Seite die Ergebnisse der kantonalen Wahlen vom 8. Februar bestätigt. Dass aus den markanten Wählergewinnen kein zusätzlicher Sitz resultierte, ist einfach erklärt: 2011 erreichte die damals völlig desorganisierte FDP nur dank eines Zufallsmehrs überhaupt einen Sitz. Am Sonntag nun hat die Listenverbindung von FDP und SVP die drei Sitze sehr komfortabel erreicht, ja war gar nahe am vierten Mandat. Das lag auch daran, dass sowohl die Liste der SVP, als auch jene der FDP personell stark besetzt und die parteiinterne Konkurrenz sehr gross war. Wichtig ist allerdings die Feststellung, dass FDP und SVP mit ihren Gewinnen erst wieder den Stand von 2007 erreichen, also in erster Linie die Verluste von 2011 kompensieren konnten.

Die Gewinne von FDP und SVP gingen am Sonntag zum grossen Teil auf Kosten von BDP und GLP. Die beiden Mitte-Parteien haben im Baselbiet am Sonntag in weit stärkerem Ausmass Wähler verloren als auf nationaler Ebene: Um minus 3,6 Prozentpunkte auf noch 2,8 Prozent tauchte die BDP, um minus 2,6 Prozentpunkte auf noch 2,4 Prozent die GLP. Unter dem Strich haben die beiden Parteien also jeden zweiten Wähler verloren. Das hat seine Gründe: Beide Parteien vermittelten den Wählerinnen und Wählern nicht den Eindruck, dass sie unverzichtbare Kräfte in der Baselbieter Parteienlandschaft wären: unzuverlässig und sprunghaft in der Bündnispolitik die einen (GLP), personell schwach auf der Brust die anderen (BDP).

Die 2011 unter dem Schlagwort «Starke Mitte» grandios gestarteten Parteien zeichneten zuletzt das Bild eines chaotischen und unberechenbaren Haufens, in welchem sich jeder selber der Nächste ist. Zum desolaten Abschneiden der Mitteparteien passte das enttäuschende Resultat von Hans Furer (GLP) bei den gleichzeitig stattfindenden Ständeratswahlen. Schaffen es die Verantwortlichen von BDP und GLP nicht, bald Gegensteuer zu geben, versinken die beiden Parteien in die Bedeutungslosigkeit. Dass die Idee, zwischen Rot-Grün und dem rechtsbürgerlichen Lager eine starke politische Kraft zu haben, nicht völlig out ist, zeigt das gute Abschneiden der Baselbieter CVP (+0,7 Prozentpunkte auf 8,4 Prozent) und deren wiedergewählten Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, die in Bundesbern in den letzten Jahren einen prononcierten Mitte-Kurs verfolgt hat.

Nach herben Verlusten bei den kantonalen Wahlen auffangen konnten sich am Sonntag hingegen die Grünen: Gegenüber dem guten Resultat aus dem «Fukushima- Jahr» 2011 konnten sie den Wähleranteil um nochmals 0,3 Prozentpunkte auf 12,9 Prozent steigern. Rechnet man die Stimmen der Unterliste Grüne Panther hinzu, resultiert gar ein Wähleranteil von rund 13,5 Prozent. Die Grünen präsentieren sich auffallend robust, trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Neugründung der Grünen-Unabhängigen durch die ehemaligen Grünen Jürg Wiedemann und Esther Maag. Nach den herben Wählerverlusten bei den kantonalen Wahlen im Frühjahr konnte dies nicht unbedingt erwartet werden. Erklärt werden kann es so: Die nach dem Taucher vom 8. Februar als gefährdet apostrophierte Wiederwahl von «Everybody’s Darling» Maya Graf hat im rot-grünen Lager derart stark mobilisiert, dass am Sonntag wohl auch einige SP-Wähler grün einlegten. Zumindest teilweise dürfte dies die Verluste der SP erklären (minus 2,5 Prozentpunkte auf 21,2 Prozent). Die Grünen trumpften zudem mit einer personell ausserordentlich stark besetzten Liste auf: Neben Graf kandidierten zwei Präsidenten grosser Gemeinden, die Parteipräsidentin, der ehemalige Parteipräsident, der Fraktionschef im Landrat sowie eine vielversprechende Jungpolitikerin. Mit anderen Worten: Die Grünen warfen für die Nationalratswahlen alles in die Waagschale, was die Partei an Personal und an Ideen zu bieten hat.

Insgesamt vermag das rot-grüne Lager, das am 8. Februar unter Druck geraten ist, seinen Platz in der Baselbieter Politlandschaft zu behaupten. Ein Zeugnis dafür ist auch die glanzvolle Wiederwahl von SP-Ständerat Claude Janiak. Der bürgerlich geprägte Kanton Baselland präsentiert sich nach dem Wahlsonntag nicht «nur» erstaunlich stabil. Das Resultat lässt sich auch als Korrektur früherer Wahlen lesen – sowie als Absage an Ausreisser und einseitige Machtansprüche. Im Baselbiet hat sich am Sonntag wenig bewegt – und das ist für einmal gut so.