Absturz

Vier Jahre nach tödlichem Absturz: Dittingen wartet immer noch auf Unfallbericht – und wird ungeduldig

Das Foto der Polizei Basel-Landschaft zeigt die Unfallstelle: Eine zerstörte Scheune mitten im Dorf Dittingen (Archivbild)

Das Foto der Polizei Basel-Landschaft zeigt die Unfallstelle: Eine zerstörte Scheune mitten im Dorf Dittingen (Archivbild)

Die Behörden sind noch immer an der Aufarbeitung des tödlichen Absturzes vor vier Jahren. Bei der zuständigen Stelle heisst es, man habe die Prioritäten neu setzen müssen. Von einem Schlussbericht fehlt immer noch jede Spur.

Die Verwunderung ist beim Team der Dittinger Flugtage gross. «Wir hatten kürzlich ein Treffen, an dem wir uns fragten, wieso das so lange dauert», sagt Regina Weibel. Die Präsidentin des Organisationskomitees stellt klar: «Wir würden uns wünschen, dass der Bericht endlich da ist, damit wir mit dem Unfall abschliessen können.» Für alle Beteiligten wäre es gut, wenn Gewissheit über die Gründe für den Absturz herrsche.

Vor fast vier Jahren ereignete sich an den Dittinger Flugtagen ein tödliches Unglück. Im August 2015 kollidierten bei einer Performance der süddeutschen Formation Grasshoppers in der Luft zwei Flugzeuge miteinander. Der Pilot einer der beiden Flieger kam beim Absturz in einen Geräteschuppen mitten im Laufentaler Dorf ums Leben.

Das lange Warten auf den Bericht

Seit dem Unfall wartet man in Dittingen auf die Aufklärung des Absturzes. Bis zum heutigen Tag hat die für die Aufarbeitung von Flugunfällen zuständige Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) den Schlussbericht über das Unglück nicht veröffentlicht. Auf der Homepage der Bundesbehörde lässt sich lediglich ein knapper Vorbericht finden. Mehr als eine sechszeilige Kurzbeschreibung des Unfalls enthält dieser nicht.

Eine Anfrage dieser Zeitung an die Sust vom vergangenen Oktober blieb monatelang unbeantwortet. Im Februar meldete sich der verantwortliche Untersuchungsleiter Michael Flückiger und begründete die lange dauernde Ausarbeitung des Berichtes wie folgt: «Seit dem Unfall der Ju-52 HB-HOT am 4. August 2018 mussten die Prioritäten neu gesetzt werden.» Der Bericht über den Unfall an den Dittinger Flugtagen sei in der abschliessenden Phase der Qualitätsprüfung. «Die involvierten Parteien konnten zum Entwurf des Schlussberichts Stellung nehmen und sind entsprechend über unsere Erkenntnisse orientiert.»

Auch die deutschen Behörden sind involviert

Mittlerweile ist beinahe wieder ein halbes Jahr vergangen und der Bericht noch immer nicht erschienen. Auf erneute Rückfrage an das Sust äussert sich Michael Flückiger zum aktuellen Stand. Der Bericht befinde sich nach der erfolgten Vernehmlassung in der internen Qualitätssicherung. «Wir arbeiten mit Nachdruck an dieser Pendenz», erklärt er. Einen Publikationstermin könne er jedoch nicht nennen. Die Zeitdauer sei «leider lang, lässt sich aber begründen».

Im Untersuchungsteam des Unglücks seien drei Personen beschäftigt gewesen, schreibt der Untersuchungsleiter. Zudem habe die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung einen bevollmächtigten Vertreter ernannt.

Auch wenn sie den Schlussbericht noch nicht kennen, haben die Verantwortlichen der Flugtage bereits Konsequenzen gezogen. Bei den letzten Flugtagen im vergangenen Jahr hat die zuständige Segelfluggruppe die Vorführachsen geändert. Dies soll gemäss OK-Präsidentin Regina Weibel auch im nächsten Jahr so sein.

Die Organisation für die kommende Ausgabe habe begonnen und man sei daran, die nötigen Bewilligungen einzuholen. Waren nach dem Unfall drei Jahre vergangen, bis die Flugtage wieder stattfanden, soll jetzt der gewohnte Turnus von zwei Jahren gelten.

Gemäss den Auskünften der Sust ist davon auszugehen, dass der Bericht bis zu den nächsten Flugtagen vorliegt. Ansonsten wird in Dittingen aus der Verwunderung wohl bald Ärger.

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