Herbsttage

Viel Futter und Auslauf auf Weiden: Milder Herbst erfreut Baselbieter Vieh und Bauern

Auch die Rinder der Betriebszweiggemeinschaft Langjurten geniessen den Spätherbst.

Auch die Rinder der Betriebszweiggemeinschaft Langjurten geniessen den Spätherbst.

Das sonnige Wetter sorgt tagsüber für angenehme Spätherbst-Temperaturen. Die Leute zieht’s hinaus in die Natur. Marschiert man über Weiden und Wiesen, sind die vielen grasenden Kühe mit ihren bimmelnden Glocken nicht zu übersehen und zu überhören. Noch Ende November weidende Kühe? Sind die Jahreszeiten aus dem Tritt geraten?

Beat Kaufmann, der mit Peter Haumüller zusammen in Arisdorf die Betriebszweiggemeinschaft (BZG) Langjurten führt und 130 Kühe hält, sagt: «Es geht sicher zehn Tage länger als früher.» Als er noch im Knabenalter gewesen sei, hätten sie allerspätestens nach dem Sissacher Herbstmarkt Mitte November das Vieh von den Weiden genommen, erzählt der heute 51-jährige Kaufmann.

«Jetzt herrscht bei uns oft grosse Trockenheit im Sommer, was dann zu einer Futterknappheit führen kann.» Dafür wächst im Herbst das Gras länger, wenn es mehr regnet und das Wetter mild bleibt. Somit können die Landwirte ihr Vieh länger im Freien lassen.

Im vergangenen Sommer sei es für sie kritisch gewesen, weil sie schon vom Futtervorrat gebraucht hätten, erklärt Beat Kaufmann. «Wir mussten rund drei Wochen zufüttern, weil es so trocken war und die Weiden fast zur Steppe wurden.» Dank der milden Herbstwochen kann das die BZG Langjurten wieder kompensieren, was sich – trotz Zufüttern im Sommer – auch finanziell etwa die Waage hält.

Klimawandel hat für Bauern gewisse Vorteile

Der Präsident des Bauernverbands beider Basel, Marc Brodbeck, macht für die Wetterex­treme den Klimawandel aus, sieht darin aber auch positive Seiten: längere Vegetationszeit, eis- und schneearme Winter. Winterkulturen wie Weizen und Gersten könne man später säen, wenn der Unkrautdruck nicht mehr so gross sei.

«Diejenigen, die nicht immer stur nach Kalender gehen wie vor 100 Jahren, sehen auch gewisse Vorteile», meint Brodbeck, der ein Hofgut in Buus mit Milchwirtschaft und Ackerbau betreibt. Er besitzt 30 Kühe und 12 Rinder, mit eigener Aufzucht.

Seine Philosophie beim Weiden des Viehs ist: möglichst lange, ohne aber Kulturlandschäden zu verursachen

«Wenn man im Herbst alles runterhobelt, können sich die Pflanzen nicht mehr erholen. Jetzt muss man aufpassen, dass die Grasnarben nicht kaputtgemacht werden», warnt Marc Brodbeck. Für ihn ist jedoch klar: Auch im Winter müssen die Tiere hinaus – so lange wie möglich auf die Weide ist besser als sie tagelang auf dem Laufhof zu lassen.

Dass die Klimaveränderung der Tierhaltung entgegenkommt, daran glaubt er nicht. «Die Futterausfälle wegen Trockenheit sind schon gross.» Entscheidend ist auch die topografische Lage der Weiden. Grundstücke am Südhang sind im Sommer schwierig, wenn alles braun wird. Da dauert es länger, bis das Gras wieder grün ist.

Der Hauptteil der Futterreserve wird im Baselbiet mit dem ersten Grasschnitt im Mai und Juni eingebracht. Danach kommt die sogenannte Sommerdepression, die laut dem Bauernverbandspräsidenten bei uns nicht neu ist. «Sie war in den 1980er-Jahren sehr ausgeprägt, schon damals war im Sommer alles braun», erinnert sich Brodbeck. Aber mit der Hitze in den vergangenen Jahren sei es extremer geworden.

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