Rohner AG

Undurchsichtiger Deal: Stiftungsaufsicht geht gegen Baselbieter Firma vor

Für dieses Gebäude zahlte die Rohner AG über Jahre dem eigenen Wohlfahrtsfonds zu wenig Miete.

Um die Chemie-Firma Rohner in Pratteln ist seit 2016 nach einer Gasexplosion und den öffentlich gewordenen Liquiditätsproblemen ruhig geworden. Im Hintergrund aber rumorte es weiter. Dies zeigt eine Verfügung der Stiftungsaufsicht beider Basel.

Der Vorgang ist aussergewöhnlich. Die Stiftungsaufsicht beider Basel hat einen amtlichen Verwalter für den Fürsorgefonds der Prattler Rohner AG installiert. Wie die Verfügung zu dieser Massnahme zeigt, hat das gute Gründe. Das Geld der Angestellten sei in Gefahr. Und: Rohner befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit mit der eigenen Vorsorgeeinrichtung, weil Mietzinsen nicht bezahlt wurden.

Rohner produziert in Pratteln Vorprodukte für die Pharmaindustrie und war das letzte Mal anfangs 2016 in den Schlagzeilen. Damals explodierte auf dem Areal ein stinkendes Gas, dessen Geruch bis nach Deutschland getragen wurde. Auch machten erste Meldungen zu Liquiditätsengpässen bei der Firma die Runde. So seien die 13. Monatslöhne des Jahres 2015 zu spät bezahlt worden. Im 2016 liefen gegen die Firma Betreibungen im Umfang von 5,7 Millionen Franken, wie die bz damals recherchierte.

In der Verfügung zum Entscheid der Stiftungsaufsicht einen amtlichen Verwalter einzusetzen, zeigt sich nun, wie Rohner versucht hat, die eigenen finanziellen Probleme mit Vorsorgegeldern zu lösen. Doch der Reihe nach.

Rohner-CEO sitzt in Fonds

Seit den 1970er-Jahren besteht ein Wohlfahrtsfonds für Angestellte der Rohner AG. Diese Stiftung bezweckt die Unterstützung von Mitarbeitern im Falle von Alter, Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit oder besonderen Notlagen. Der Fonds ist also eine Vorsorgeeinrichtung, welche mit Geldern der Firma gespeist wird. Die Rückzahlung dieser Gelder an die Firma ist laut Stiftungsstatuten nicht möglich.

Der Fonds verfügt über flüssige Mittel und Liegenschaften. In diesen Liegenschaften ist Rohner eingemietet, nimmt es aber mit der Miete nicht so genau. Denn Rohner hat 2015 91 902 Franken an Beiträgen und Mietzinsen nicht überwiesen. Die Ausstände wuchsen bis Oktober 2017 auf rund 500 000 Franken an, die Rohner damals der eigenen Wohlfahrtsstiftung schuldete.

Um dieses Problem zu lösen, versuchte der Wohlfahrtsfonds, in dem Daniel Pedrett, der Geschäftsführer von Rohner, den Vorsitz hatte, Gelder an die Firma zurückzuzahlen. Laut der Verfügung der Stiftungsaufsicht mit folgendem Vorgehen: Ein bestelltes Gutachten kam zum Schluss, dass der Wohlfahrtsfonds von Rohner nicht marktkonforme Mietzinsen verlangte, und deshalb 1 Million Franken zurückerstattet werden sollen. Das Gutachten stütze sich auf eine in der jüngeren Vergangenheit vorgenommene Marktpreisschätzung, die allerdings weder zitiert werde, noch vorliege, heisst es in der Verfügung.

Die Stiftungsaufsicht teilte in der Folge mit, dass eine rückwirkende Mietzinsreduktion ein unzulässiger Rückfluss von Geldern der beruflichen Vorsorge sei. Also stoppte sie den Versuch. Doch Rohner versuchte es weiter: Im März 2017 wollte der Stiftungsrat des Wohlfahrtsfonds die Rechnung einer externen Beratung für Rohner begleichen. Kostenpunkt: 170 000 Franken. Die Stiftungsaufsicht untersagte auch diesen Deal.

Ebenfalls im Frühling 2017 wies die Aufsicht darauf hin, dass sie die Bonität von Rohner als kritisch beurteilt. Dies wurde später bestätigt: Im Bericht der Revisionsstelle heisst es, dass Rohner sich noch immer in Liquiditätsschwierigkeiten befinde, und die Hälfte des Aktienkapitals und der gesetzlichen Reserve nicht mehr gedeckt sei. Die Stiftungsaufsicht hatte schon vorher darauf hingewiesen, dass der Fonds die finanziellen Verbindungen mit Rohner minimieren soll.

Im Juni 2017 griff die Stiftungsaufsicht ein und liess mit Roland Sauter einen Unabhängigen in den Stiftungsrat wählen. Er ist auch Vizepräsident der Kader-Sammelstiftung der Kantonalbanken. Sauter mahnte die ausstehenden Mietzinsen an, eine Abzahlungsvereinbarung wurde vereinbart, die aber nur teilweise umgesetzt wurde. Zudem blieben Rohner laut der Verfügung auch 2018 Mietzahlungen in der Höhe von 124 000 Franken an den Wohlfahrtsfonds schuldig. Und von den angehäuften Mietzinsschulden aus den Jahren zuvor, fehlten noch immer 121 000 Franken.

Der Wohlfahrtsfonds hat daraufhin die Firma betrieben, diese machte einen Rechtsvorschlag. Da sich Rohner mit der eigenen Wohlfahrtsstiftung in einem Rechtsstreit befindet und Geschäftsführer Pedrett in beiden Gremien sitzt, kam es zu einem Interessenskonflikt. Die Stiftungsaufsicht suspendierte Pedrett, entzog ihm die Unterschriftsberechtigung und übergab Sauter die amtliche Verwaltung.

Pedrett: «Wir sind schuldenfrei»

Pedrett sagt auf Anfrage, dass seine Firma schuldenfrei sei, nachdem Rohner seine eigenen Gebäude im August an die Hiag verkauft hat. Hiag machte laut der Verfügung auch ein Kaufangebot für die Gebäude in den Händen des Wohlfahrtsfonds. Der Verkauf kam allerdings nicht zustande, weil das Angebot zu tief war.

Zu den Vorkommnissen in der Wohlfahrtsstiftung sagt Pedrett einzig, diese werde bald aufgelöst, weil das Geld an eine Sammelstiftung übergegangen sei. Zu den Mietzinsreduktionen, seiner Absetzung durch die Stiftungsaufsicht, sowie dem Versuch, eine Rechnung von Rohner über den Fonds laufen zu lassen, äussert er sich nicht.

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