Strafgericht Muttenz

Tödlicher Unfall vor fünf Jahren: Es war wohl Sekundenschlaf

Der Unfall vom 18. November 2010. (Archiv)

Der Unfall vom 18. November 2010. (Archiv)

Vor über fünf Jahren starb bei einer Frontalkollision in Münchenstein eine Frau. Nun wurde der Unfall-Verursacher vor Strafgericht wegen fahrlässiger Tötung verurteilt.

Es war kurz nach zehn Uhr abends an jenem November 2010: Eine 45-jährige Frau war zusammen mit ihrer 17-jährigen Tochter in einem Daewoo von Münchenstein nach Bottmingen unterwegs, in Gegenrichtung fuhr ein damals 20-jähriger Automonteur mit seinem BMW 323i Coupé. Mit 0.27 Promille im Blut und mit mindestens Tempo 91 verlor er auf der Bruderholzstrasse die Kontrolle über sein Fahrzeug und geriet auf die Gegenfahrbahn. Es kam zur Frontalkollision. Die 45-jährige Frau verstarb noch auf der Unfallstelle, sie wurde im Fahrzeug eingeklemmt.

Ihre Tochter sowie ein darauffolgender Fahrzeuglenker wurden ebenfalls verletzt. Der Unfallverursacher hatte selber unglaubliches Glück: Weil er nicht angegurtet war, wurde er aus dem Fahrzeug herausgeschleudert und überlebte den Aufprall mit leichten Verletzungen.

Keine Erinnerung an Unfall

«Ich war etwas müde. An Weiteres kann ich mich nicht erinnern», soll er an jenem Abend der Polizei gesagt haben. «Ja, das war direkt nach dem Unfall. Da war ich noch unter Schock», meinte er am Donnerstag vor dem Strafgericht in Muttenz dazu. Inzwischen betont er, an den Unfall keine Erinnerung mehr zu haben.

Für die technischen Experten war der Fall klar: Die Pneuabriebspuren deuten auf Schleudern und heftige Lenkbewegungen hin, und es gab keine Anzeichen, dass die Spuren von einem anderen Fahrzeug stammen könnten. Auch ein technischer Defekt der beteiligten Fahrzeuge konnte ausgeschlossen werden.

Ausserdem bestätigten mehrere Zeugenaussagen den Ablauf. «Er hat in einer unproblematischen Fahrsituation die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren», sagte Staatsanwältin Fabienne Holland gestern dazu. Sie verlangte eine bedingte Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu 60 Franken, zumal der Fall kurz vor der Verjährung steht.

Unklare Unfallursache

Der Fall ist bereits früher verhandelt worden, doch der Schuldspruch wurde später vom Baselbieter Kantonsgericht kassiert. Der ursprüngliche Strafbefehl warf dem Mann pauschal «Fahrfehler und Unaufmerksamkeit» vor, hier musste die Staatsanwaltschaft detailliert nachbessern. Die unklare Unfallursache blieb dennoch ein Thema. Der Verteidiger argumentierte am Donnerstag, sein Mandant könne auch vom Gegenverkehr geblendet worden sein. «Der Sekundenschlaf ist nicht nachgewiesen. Ein gesunder junger Mann wird von einem Bier nicht so schnell müde», betonte der Verteidiger.

Richter reduziert bedingte Strafe

Einzelrichter André Brunner fällte schliesslich einen Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung und reduzierte die bedingte Geldstrafe auf 80 Tagessätze zu 50 Franken.«Würde ein Abdriften auf die Gegenfahrbahn wegen grossem Blenden zu einem Freispruch führen, dann würde ich mich nicht mehr Strasse getrauen», kommentierte er.

Der Verurteilte muss auch die gesamten Untersuchungskosten von über 30’000 Franken übernehmen, derzeit ist er arbeitslos. Er kann den Schuldspruch noch weiterziehen.

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