Volleyball

Timo Lippuner, der Baumeister des Sm’Aesch-Wunders

Trainer mit Leib und Seele: Timo Lippuner gibt den Sm’Aesch-Spielerinnen Anweisungen.

Trainer mit Leib und Seele: Timo Lippuner gibt den Sm’Aesch-Spielerinnen Anweisungen.

Der Nationalliga-A-Verein hat den Vertrag mit Chefcoach Timo Lippuner bis 2018 verlängert.

Wenn man nachfragt, was der Berufswunsch von Volleyballtrainer Timo Lippuner in dessen Jugend gewesen ist und dann die Antwort «Lokführer» bekommt, wundert man sich nicht mehr, dass der 35-jährige Solothurner seit fast zwanzig Jahren wie ein TGV durch den Volleyballsport rast. Von einer Handball und Volleyball spielenden Mutter zusammen mit Zwillingsbruder Johny an einem 11.11. ohne jegliche Affinität zur närrischen Jahreszeit auf die Welt gebracht, war schon bald einmal klar, dass der kleine Timo entweder als Sportler oder als Musiker die Welt erobern würde.

Damals als C-Junior des Fussball-Clubs Deitingen oder Klarinettist im Musikverein und später als Sportschütze, Inline-Skater oder Schwimmer, überall stellte der Kanti-Schüler und spätere Wirtschafts-Gymnasiast seinen Mann. Das Volleyball-Debüt erlebte er indes erst mit 18 Jahren beim damaligen KV Solothurn, bei welchem er als Mittelblocker agierte. Doch schon sehr bald war ihm dies zu wenig. Er übernahm das Präsidentenamt, spielte in der ersten Mannschaft und trainierte nebenbei auch gleich noch das aufstrebende Damenteam.

Der Retter vor dem Abstieg

Etwa zeitgleich besuchte er im Jahr 1999 zwischen Weihnachten und Neujahr das Top-Volley-Turnier in der Basler St. Jakobshalle, wo ihn das damalige Spitzenteam vom BTV Luzern so begeisterte, dass er fortan alle Spiele der Luzernerinnen verfolgte und damit indirekt seine Trainerlaufbahn lancierte. Nach vier Jahren als Assistent beim B-Ligisten Münchenbuchsee wechselte er im Zuge des EM-Projekts «Schweizer Frauen-Nationalmannschaft» als Co-Trainer zu Volero Zürich. Als Inhaber des Trainer-A-Diploms wurde er von Volero-Präsident Stav Jacobi in der Saison 2013/14 ins Baselbiet entsandt, wo er seinen heutigen Arbeitgeber Sm’Aesch Pfeffingen vor dem Absturz in die Bedeutungslosigkeit der Nationalliga B bewahrte. Fast logisch, dass das Birstaler Kombinat ihn danach weiter verpflichtete, und er gleichzeitig das Amt als Frauen-Nationaltrainer übernahm. Da Lippuner in mehreren Sprachen kommunizieren kann und er während seiner Trainertätigkeit in der ganzen Welt herumkam, ist er im Volleyballsport ausgezeichnet vernetzt.

Erfolge regelrecht angezogen

Und genau diese Beziehungen und das rigorose Umdenken in der Vereinsleitung von Sm’Aesch Pfeffingen brachten die Mannschaft in die Erfolgsspur. In der letzten Saison wurden gleich neun (!) Spielerinnen ausgetauscht, in der laufenden dann noch vier weitere, ohne aber jemals die Nachwuchsförderung aus den Augen zu verlieren.

Im aktuellen 13er-Kader stehen mit Maja Storck, Madlaina Matter, Jana Koch, Laura Künzler, Thays Deprati, Lisa Leu und Lena Sacher gleich sieben junge Schweizerinnen. Und dieses mit guten Ausländerinnen gespickte Team sorgt zusammen mit seinem Erfolgscoach derzeit für Furore. In der Meisterschaft bereits vier Runden vor Abschluss für die Playoffs qualifiziert, hat das auch neben dem Platz ausgezeichnet harmonierende Team im CEV-Europacup auf sich aufmerksam gemacht und steht kurz vor dem Einzug in die Viertelfinals.

Ein Sieg heute Abend um 20 Uhr in der Aescher Löhrenackerhalle (Gratiseintritt) gegen das israelische Team von Hapoel Kfar Saba, und die spektakuläre Qualifikation wird Tatsache.

Lange Arbeitstage sind die Regel

Wie viel Arbeit allerdings hinter diesen Erfolgen steht, zeigt ein Tag im Leben des volleyballverrückten Sm’Aesch Pfeffingen-Trainers: «Um 7.30 Uhr gehe ich eine Stunde joggen, dann folgt um 10 Uhr das zweistündige Morgentraining mit dem Team. Nach einer kleinen Mittagspause habe ich den Kopf frei für die Zusammenstellung der Videosequenzen für die Spielerinnen, welche dann gegen 18 Uhr zum zweiten gemeinsamen Training erscheinen. Danach analysiere ich unser letztes Spiel und studiere den nächsten Gegner.»

Dass Lippuner selten vor 2 Uhr ins Bett kommt, muss an dieser Stelle auch noch erwähnt werden. Ausserdem hat er das Wort «Ferien» seit 2008 aus seinem Vokabular gestrichen, findet jedoch an freien Tagen auf seinen Bergtouren auf den Pilatus, Säntis oder das Stockhorn die notwendige Ruhe und einen wichtigen Ausgleich zu seiner täglichen Volleyballarbeit.

Wie die zu erklimmenden Berge nach Ablauf seines Vertrages im Jahr 2018 heissen werden, weiss noch niemand. Doch Lippuners Trainer-Wunschdestination heissen ganz klar deutsche Bundesliga oder die höchste Volleyball-Liga in Polen.

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