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Team-Orientierungslauf für Behinderte: So macht er Handicapierte froh

«Karten lesen geht nicht bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung», sagt Beat Trachsler, Bahnleger des Trail-O.

«Karten lesen geht nicht bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung», sagt Beat Trachsler, Bahnleger des Trail-O.

Beat Trachsler verantwortet seit Jahren den Trail-O des Baselbieter Team-Orientierungslaufs.

Er hat ein grosses Herz für behinderte Mitmenschen. Seit über zwei Jahrzehnten engagiert sich Beat Trachsler als Funktionär im Behindertensport. Übermorgen Sonntag amtiert er am Baselbieter Team-Orientierungslauf im Laufental zum 21. Mal als Bahnleger des Trail-O. Dieser Parcours ist konzipiert für geistig und körperlich Beeinträchtigte – wie auch für Familien mit Nachwuchs im Kinderwagen.

Trail-O entstammt den englischen Bezeichnungen für Weg und Orientierung. Hintergrund der Kreation ist: Sollte der Orientierungslauf einmal olympisch werden, hätte man mit dem Trail-O auch eine Variante für die Paralympics. Nicht das Finden der Posten steht im Mittelpunkt, sondern die Postenarbeit; Aufgaben, die mit Sinneswahrnehmung gelöst werden müssen: fühlen, sehen, riechen (seltener) oder hören (im Wald eher schwierig). Schätzen gehört ebenfalls dazu.

«Es kommen meistens immer die gleichen Leute»

Beim Trail-O betreut eine Begleitperson drei Handicapierte. «Karten lesen geht nicht bei Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung», erklärt Beat Trachsler. Dieser muss jeweils eine Route mit befestigten Waldwegen festlegen, dazu Hindernisse und Objekte finden, die sich direkt am Weg befinden und als Postenbeschriebe auch OL-technischen Bezeichnungen standhalten. «Das ist das Schwierigste», sagt der 48-jährige Bahnleger.

Die Strecke darf auch nicht zu stark coupiert sein. Es gebe in jedem Gelände meistens irgendeine Variante für einen Trail-O. Notfalls müsse man sich für einen Dorf-OL entscheiden. Wichtig für Trachsler ist, dass der Zielort des Trail-O stets derselbe ist wie für alle anderen Kategorien. «Das geniessen die Behinderten – dort einzulaufen, wo alle einlaufen. Sie erhalten im Ziel auch eine Medaille.»

Beat Trachsler, ein Softwareingenieur mit eigener Firma, ist überzeugt, dass sich Behinderte am Baselbieter Team-OL wohlfühlen. «Es kommen meistens immer die gleichen Leute.» Gewisse würden jedes Mal fragen: «Wohin gehen wir nächstes Jahr?» Er glaubt auch, dass der Anlass dazu beiträgt, um Hemmschwellen abzubauen, weil Menschen mit einem Handicap und «Normale» daran teilnehmen. Aber die Inklusion habe man schon nicht. Zumal seit ein paar Jahren keine gemeinsame Siegerehrung mehr stattfinde. «Das war immer ein Riesenfest.» Die Zeremonie zog sich zu sehr in die Länge.

Wegen der Coronakrise wird heuer auch auf das Mittagessen, bei dem alle zusammen sind, verzichtet. Das habe den Behinderten ebenfalls stets gefallen, mitten im Kuchen zu sein, erzählt der Gelterkinder. Der Team-OL ist ein Familientreffen, ein grosses soziales Ereignis, mit beeindruckendem Stammpublikum. Da kann der Profiläufer für einmal mit der Partnerin auf Postensuche gehen.

Möglicherweise bald zusätzliche Disziplin an den Sporttagen

Seit gut 20 Jahren organisiert Trachsler zudem den kantonalen Behindertensporttag in Lausen; die 40. Auflage von heuer ist wegen der Pandemie ins Wasser gefallen. Bis letztes Jahr war er Mitglied der Sportkommission von Insieme. Die Sporttage wird er weiterhin veranstalten. Beat Trachsler lobt den «enormen Support» von Gemeinde sowie von Helferinnen und Helfern. Und spricht von einem Luxusproblem: «In den vergangenen Jahren hatte ich immer genügend Helfer. Das gibt ein Polster, um künftig vielleicht eine zusätzliche Disziplin anzubieten.» Er berichtet von einer Helferfamilie, die bereits seit drei Generationen mitwirkt.

Der Ursprung für Trachslers Engagement im Behindertensport liegt vier Jahrzehnte zurück. Als Achtjähriger ging er erstmals mit seinem Vater in ein Skilager, das damals der Lausner Max Frey leitete. Bald gehörte dieser Termin zu Beat Trachslers Jahresprogramm. Später betreute er regelmässig zwei behinderte Personen. Das Schönste, was man als Organisator und Helfer an Behindertenanlässen erleben könne, sei die Freude, Dankbarkeit und Normalität. «Futterneid gibt es nicht. Die Emotionen sind ungefiltert. Es kommt ziemlich genau das heraus, was sie denken – positiv wie negativ», meint der Oberbaselbieter schmunzelnd.

Für grosses Engagement geehrt

Trachsler wurde letzten Dezember mit einem Anerkennungspreis der Regierung ausgezeichnet. Für ihn eine Wertschätzung für seine Arbeit. «Es ist eine grosse Anerkennung, damit ist der Behindertensport wieder einmal aufs Tapet gekommen.» Ansonsten müssten Ehrungen für ihn persönlich nicht unbedingt sein, schiebt er bescheiden nach.

Dass der Name Trachsler dem Behindertensport im Kanton nicht so schnell verloren geht, dafür sorgt Beats 19-jähriger Sohn, der ihn an Veranstaltungen bereits wacker unterstützt.

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