Darauf hätte wohl kaum jemand viel Geld gewettet: Im Kanton Basel-Stadt jagt Links-Aussen-Frau Sibel Arslan (Basta) Markus Lehmann von der CVP aus dem Nationalrat und Christoph Eymann (LDP) verdrängt mit einem Glanzresultat Daniel Stolz (FDP). Im Kanton Baselland ist die grösste Überraschung das Glanzresultat von Maya Graf: Die Grüne Nationalrätin erzielt nicht nur am meisten Stimmen aller Kandidaten, ihre Partei legt gegenüber 2011 leicht Stimmen zu.

Basel steht gegen den nationalen Trend

Auf den ersten Blick liegen die Wahlresultate beider Basel also verglichen mit der übrigen Schweiz quer in der Landschaft. Die SVP legt in der Stadt 0,9 Prozent Wähleranteile zu, die FDP stürzt gegen den nationalen Trend förmlich ab: Die Partei verliert rund 7000 Stimmen. Umgekehrt legt die SP rund 12 000 Stimmen zu und gewinnt 4,2 Prozent Wähleranteile. Tickt Basel also völlig anders als der Rest der Schweiz?

Auf den zweiten Blick relativieren sich die Ergebnisse etwas. In der Stadt verliert zwar die FDP, dafür legt die LDP 4,2 Prozent zu. National haben FDP und LDP längst fusioniert, in anderen Kantonen käme ein Stimmengewinn der LDP also der FDP zugute. Der Linksrutsch in Basel ist zwar auf kantonaler Ebene gegen den Trend. Die SP hat aber auch in anderen Städten gepunktet und schickt in Zürich mit Daniel Jositsch seit langem wieder einen Vertreter in den Ständerat.

Die Mitte bricht weg

Die Ergebnisse im Baselland entsprechen eher den nationalen Trends: Die FDP gewinnt massiv, die SVP legt ebenfalls zu, die SP verliert an Stimmen. Gemeinsam ist beiden Kantonen, dass die Flügel auf Kosten der Mitte zugelegt haben: BDP und GLP verlieren in beiden Kantonen. In der Stadt versinkt die BDP in der politischen Bedeutungslosigkeit: Sie macht nur noch halb so viele Stimmen wie 2011.

Die vorläufige Schlussfolgerung: Stadt und Land driften in der Schweiz stärker auseinander. Das gilt national – auch in Zürich hat die SP zugelegt – und es gilt regional. Mit dem Unterschied, dass Stadt und Land in unserer Region zwei verschiedene Kantone bilden und entsprechend zwei verschiedene Delegationen nach Bern schicken.

Probleme: Haltung zu AKW und Europa

Materiell wird das vor allem in zwei Themenbereichen zu Problemen führen: in der Migrationspolitik und in der Energiewende. Basel hat die Anti-AKW-Haltung sogar in der Verfassung festgeschrieben und ist wirtschaftlich eng verzahnt mit dem Dreiland und damit mit Europa. Wenn der neue Nationalrat in beiden Themenbereichen einen noch konservativeren Kurs als bisher fährt, könnte das für Basel schwierig werden.

Und nicht nur für Basel. Denn wenn die ländliche Schweiz so entschieden konservativ wählt, dann ist dieses Votum für das Bewahren auch ein Votum gegen die progressiven Städte. Gegen die städtischen Regionen, in denen die Schweiz ihr Geld verdient. Und das ist es, was uns langfristig am meisten Sorgen machen muss. Jenseits von politischen Positionen und Ideologien ist ein Auseinanderdriften von Stadt und Land in der Schweiz gefährlich, weil es ein Auseinanderfallen von Lokomotiven und Wagen ist.

Solidarität und Kompromisse sind in Gefahr

Letztlich gefährdet der Trend zu den Flügeln und das Schwächen der politischen Mitte die Erfolgsrezepte der Schweiz: die Solidarität der Starken mit den Schwachen und den Kompromiss als pragmatischen, politischen Weg. Das wäre schlecht – für die Schweiz, vor allem aber für die Region Basel.