Verkehr

Ortsbusse: Wenn sie mal fahren, sind sie ein Erfolg

Seit fast 13 Jahren fährt die Linie 59 durch die Bottminger und Oberwiler Wohngebiete.

Seit fast 13 Jahren fährt die Linie 59 durch die Bottminger und Oberwiler Wohngebiete.

In den Wohnquartieren der Agglomeration ertönt oft der Ruf nach Ortsbussen. Doch der Weg dahin ist für die Gemeinden steinig.

Münchenstein

Nur ein Jahr lang, nämlich 2013, betrieb der Kanton die Buslinie 58. Dann strich er sie aus dem Generellen Leistungsplan öffentlicher Verkehr. Die Linie wurde kaum benutzt, oft sass der Fahrer alleine im Bus. Für den Gemeinderat war klar: Es brauchte diesen Bus nicht. Nach einer Petition der SP übernahm die Gemeinde die Linie dann aber doch, es gab einige Anpassungen an der Routenführung –und der 58er wurde bald zum Grosserfolg. Die Linie durchfährt Münchenstein von Ost nach West, quer zu den Tramlinien 10 und 11. 2017 war die Umwandlung der Testphase in einen definitiven Betrieb unbestritten. Und trotzdem erreicht der Bus nur einen Deckungsgrad von rund einem Viertel – was für einen Ortsbus aber vergleichsweise viel ist.

Pratteln

Vor über zehn Jahren forderten Einwohnerräte diverser Parteien einen Ortsbus für Pratteln. Nach einer Volksabstimmung 2012 ging ein dreijähriger Probebetrieb los. Und dann wurde lange diskutiert und geplant, rund um die Linienführung und um die Frage, ob publikumsintensive Einrichtungen wie Ikea und Aquabasilea das Defizit mitfinanzieren sollten. Es gab umfangreiche Studien, unzählige Diskussionen im Einwohnerrat, und der Probebetrieb wurde mit veränderter Routenführung verlängert. Zeitweise gab es sogar zwei Ortsbuslinien. Seit 2018 verbindet auf unbestimmte Zeit die Linie 82 das Gewerbegebiet Grüssen über den Bahnhof mit dem Altersheim. Drei Gewerbebetriebe auf dem Grüssen-Areal sicherten Betriebsbeiträge zu. Der Deckungsgrad betrug zu Beginn des Regelbetriebs auch hier rund 25 Prozent.

Oberwil und Bottmingen

Seit Ende 2007 betreiben die Gemeinden Oberwil und Bottmingen gemeinsam die Linie 59 in den Wohngebieten an der Ostseite des Tals. Bereits nach einem halben Jahr waren die Benutzerzahlen doppelt so hoch wie erwartet. Die Idee war von Oberwiler Bürgern gekommen. Angefragt wurde nebst Bottmingen auch die Gemeinde Therwil, doch diese zeigte kein Interesse und hat bis heute keinen Ortsbus. In Oberwil und Bottmingen war er hingegen niemals bestritten.

Reinach

2011 lehnten die Reinacher Stimmbürger den Probebetrieb für einen Bus klar ab. Er hätte die Westflanke der Gemeinde entlang des Bruderholzes bedienen sollen. Danach war es ruhig um die Idee, bis sie Anfang dieses Jahres wieder auftauchte – an einer Dialogveranstaltung mit Bewohnern des betroffenen Quartiers. Was jetzt anders sein soll als beim 2011 abgelehnten Projekt: Die Linie soll bis zum Bahnhof Münchenstein führen. Dann habe sie Potenzial, sagte neulich Gemeindepräsident Melchior Buchs (FDP). Man erhofft sich dann nämlich Gelder von Münchenstein und allenfalls vom Kanton. Ein konkretes Projekt existiert aber noch nicht.

Arlesheim

Den neusten Anlauf für einen Ortsbus nimmt derzeit Arlesheim. Bedienen soll dieser die oberen Gebiete der Gemeinde. Einige Bürger haben die Idee beim Gemeinderat deponiert. «Die Forderung ist nachvollziehbar», sagt Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP). Denn die Bautätigkeit in den Quartieren am Hang habe angezogen. «Der Gemeinderat wird das Anliegen seriös prüfen», sagt er. Das hatte der Gemeinderat bereits vor rund zehn Jahren getan. Zu einem konkreten Projekt kam es damals nicht. «Es schadet nicht, wenn man das alle paar Jahre wieder anschaut», findet Eigenmann. Er weist aber auch auf die Kosten hin: «Wir wollen keinen teuren, leeren Bus.» Allenfalls wäre ein Zusammenspannen mit Dornach möglich, wo bereits ein Ortsbus verkehrt.

Das rät der Experte

Die Baselland Transport AG (BLT) betreibt die Ortsbusse in Bottmingen-Oberwil und in Münchenstein. Direktor Andreas Büttiker sagt: «Die Erfahrung zeigt, dass man die Linien konsequent nach den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten muss.» Dabei gelte es, Hotspots einzubeziehen, etwa Altersheime. «Und wenn die Nachfrage doch tief bleibt, sollte man den Mut haben, den Betrieb wieder einzustellen, auch wenn die betroffenen Anwohner reklamieren.» Die Nachfrage sei bei Ortsbussen immer gering, aber als Zubringer zu den regionalen Linien seien sie wichtig, betont Büttiker.

Die BLT registriert sofort eine Zunahme der Passagierzahlen, wenn an einer Tramhaltestelle neu ein Ortsbus hält.

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