Rheinfelden (D)

Meter für Meter frisst sich die A98 weiter

..

An der inoffiziellen Nordumfahrung von Basel wird wieder gebaut. Aber nur ein paar Kilometer weit.

Hubertus Grafes Sattelschlepper wackelt wie bei einem Erdbeben. Tatsächlich bewegt sich die Erde: Allerdings wird sie von einer Baggerschaufel auf die Ladefläche des LKW geladen. 25 Tonnen pro Fuhre ungefähr, schätzt Grafe. Er fährt einen der 24 gelben Kipplaster der Firma Schmitt, die je nach Witterung jeweils 15 bis 20 Runden pro Tag machen: vom Erdlos 5.2 der A 98-Baustelle oberhalb des Badisch-Rheinfelder Stadtteils Minseln über die Autobahn auf die Deponie unterhalb des Waidhofs bei Inzlingen, wo die Erdmassen aufgeschichtet werden.

Wer dieser Tage vom Ergolztal über Rheinfelden nach Lörrach fährt, begegnet den Lastern auf der A 98 im Minutentakt: Insgesamt müssen rund 1,5 Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden; 900 000 davon landen auf der Waidhof-Deponie, die von der Autobahn in Fahrtrichtung Lörrach linkerhand ebenfalls sehr gut sichtbar ist.

Wieder drei Kilometer mehr

Die Lastwagen kommen im Minutentakt zum Auffüllen wie in einem Drive-in. Zeitweise begegnet Grafe bis zu drei seiner Kollegen in ihren knallgelben Lastern, wenn er aus dem Baustellenbereich im Dreieck Hochrhein auf die A 98 geht: Seine Firma Schmitt habe von ihren drei Standorten in Deutschland alle Fahrzeuge in Minseln zusammengezogen, erzählt Grafe. Inzwischen will das für den Bau zuständige Regierungspräsidium Freiburg die Zahl der Laster sogar auf 32 erhöhen.

Der Erdaushub modelliert den grossen Hang im Erdlos 5.2 in Minseln bis zu einer Bautiefe von 30 Metern so, dass bis Ende 2018 die gleichnamige Anschlussstelle darauf gebaut werden kann. Die unendliche Geschichte des Weiterbaus der A 98 Richtung Schaffhausen wird nun tatsächlich um rund drei Kilometer weitergeschrieben: 15 Millionen Euro kostet alleine die Anschlussstelle. Wie es danach aber auf dem nächsten Abschnitt von Minseln nach Wehr weitergehen soll, steht derzeit noch in den Sternen.

Anschluss an Schweizer Netz?

Die Fortführung der Autobahn für die kurze Strecke nütze aber nicht nur den Minslern, erklärt Baudirektor Dieter Bollinger vom Regierungspräsidium. Der ganze Verkehr Richtung Bad Säckingen werde nach Fertigstellung im Jahre 2020 auf diese Art um Rheinfelden herumgeleitet. Ob auch die Schweizer Auto- und Lastwagenfahrer von der A 3 her in diese Richtung durch den Nollinger Bergtunnel und dann im Autobahndreieck Hochrhein Richtung Minseln um Badisch-Rheinfelden herumgeleitet werden, ist noch offen.

Von all dem weiss Grafe nichts. Die Baulaster-Chauffeure verbringen ihren ganzen Arbeitstag in ihrem Fahrzeug und fahren es von Minseln zum Waidhof und wieder zurück: Nichts also, was dagegen spricht, sein Tagewerk in Hausschlappen zu verrichten. «Die Schaukelei nervt schon ziemlich», sagt Grafe, während ihn die Pfützen und Fahrrillen auf dem aufgeweichten Boden auf dem Fahrersitz nach links und rechts werfen. Noch schlimmer sei allerdings der eintönige Weg über die Autobahn, den es neun Stunden an fünf Tagen die Woche im Kreis zu fahren gelte. Immerhin darf Grafe jedes Wochenende in seine Heimat ins nördliche Rheinland-Pfalz bei Koblenz.

Von der Erdaushubstelle fährt Grafe seinen Laster vorbei an der Kaltluftbrücke im Tal vor dem zukünftigen Herrschaftsbucktunnel. Die Bauzeit für den Tunnel ist zwischen Ende 2016 und 2019 vorgesehen: Hier werden erneut 150 000 Kubikmeter Erde anfallen. Auf dem Herrschaftsbuck muss Grafe ein viel befahrenes Nebensträsschen, ein so genanntes «Promillesträsschen», im Wald kreuzen. Obwohl er Grün hat, fährt er langsam an die Kreuzung heran: «Viele Autofahrer scheren sich nicht darum, wenn sie Rot haben», sagt er. Eine Ampel mitten im Wald ist allerdings auch etwas Gewöhnungsbedürftiges. Inzwischen haben das Regierungspräsidium und die Stadt Rheinfelden auch beschlossen, das Promillesträsschen bis Jahresende für den Privatverkehr zu schliessen.

Auf der Deponie Waidhof lädt Grafe seine Erde per Kipper ab. Laut Bollinger steht schon genau fest, wie die Topologie der Deponie später aussehen soll. Doch darüber kann sich Grafe keine Gedanken machen. Er muss seine 12. oder 13. Runde drehen: Vier weitere knallgelbe Sattelschlepper sind bereits auf dem Waidhof angekommen.

Meistgesehen

Artboard 1