«Wo bleibt die Klassik?», fragt sich Maya Wirz im Hinblick auf den heutigen Abend. Dann wird Sven Epiney in die Kameras strahlen und zum ersten Mal zur Castingshow «The Voice Of Switzerland» begrüssen. Samstag für Samstag suchen Stefanie Heinzmann, Stress, Marc Sway und Philipp Fankhauser nach der Stimme der Schweiz. Ein Juror aus der Sparte Klassik fehlt.

«Schade», findet Maya Wirz. Wenn es schon hauptsächlich um die Stimme geht, sollte das ganze Spektrum abgedeckt sein. So könnte sich Wirz gut vorstellen, selbst Jurorin zu sein. «Eine entsprechende Anfrage hätte ich sofort angenommen», sagt Wirz. Die vier Juroren beurteilen nicht nur die Auftritte, sondern führen ihre Kandidatinnen und Kandidaten als Coach durch die Sendung.
Solche Ratschläge hätte die Bus-Chauffeuse aus Kaiseraugst viele, denn in Sachen Castingshow ist

Maya Wirz Insiderin: Vor zwei Jahren hat sie sich den Titel «Das Grösste Schweizer Talent» erkämpft. «Ich habe alles durchlebt und kann mit den Kandidaten mitfühlen», sagt Wirz. Gerne würde sie helfen, «die Nadeln im Heuhaufen zu finden» - sprich: Sängerinnen und Sänger zu suchen -, die mit Qualität bestechen. «So wie ich es gemacht habe», erinnert sich die Siegerin.

Abgestempelt? Sicher nicht!

Damals wurde der klassischen Sängerin der Stempel «Castingshow-Gewinnerin» aufgedrückt. Der Ruf «Nur-berühmt-wegen-Castingshow» eilt Maya Wirz voraus. Ein Nachteil? Gar nicht, findet Wirz. Sie habe allen Mut zusammengenommen und sich gut überlegt, ob sie sich der Öffentlichkeit und Lächerlichkeit stellen möchte, bevor sie sich dazu entschied, an der Show teilzunehmen, erzählt die Sopranistin.«Eine Castingshow ist ein super Anfang.» Ein Sprungbrett. Eine Basis. Und darauf baut Wirz nun schon seit zwei Jahren auf.

Ein Album ist bereits erschienen, ein zweites soll bald realisiert werden. Wirz schwebt vor, ein «Cross-Over» zu machen: Sie will Pop-Balladen klassisch interpretieren. Doch zuerst wird Wirz im April eine Reisegruppe an den Gardasee begleiten. Im Heimatland von Verdi und Puccini gibt sie mit der Pianistin Adeline Marty zwei Konzertabende oder wie es der Flyer verspricht «einen klingenden Melodienstrauss» für die Touristen.

Busfahren? Sicher doch!

Einen grossen Blumenstrauss wird es sicherlich für die Siegerin oder den Sieger von «The Voice Of Switzerland» geben. Schnell ist dieser jedoch verblüht, der erste Medienrummel vorbei. Es wird sich zeigen, ob die Vorschusslorbeeren der Jury und des Fernsehpublikums genügen, um in der Musikwelt Fuss zu fassen. Maya Wirz warnt zukünftige Siegende davon, abzuheben. «Davonfliegen ist nichts.» Träumen sei zwar erlaubt und sogar sehr wichtig. Wer aber nur oben schwebt und vom Leben zurück auf den Boden geholt werden müsse, fällt umso härter. So rät sie, sich selbst und realistisch zu bleiben.

Wirz hat nicht zum Flug angesetzt, sie steht mit beiden Beinen im Leben. Aus finanziellen Gründen fährt sie noch immer Bus bei der Autobus AG Liestal. Im Moment besonders viel. Eine vernünftige Siegerin zu sein, heisst aber nicht, dass ausgeträumt ist.

So singt Wirz in ihren schönsten Träumen auf grossen Bühnen, singt Opern, Operetten und Musicals. Und in einem anderen Traum unterrichtet sie klassische Sängerinnen und Sänger. «Damit die Klassik nicht verloren geht und die Stimme die Seele widerspiegeln kann.»