Nationalratswahlen

Juso geben den Tarif durch: «Wollen mehr Stimmen als die GU!»

Die Juso-Kandidaten Patrick Feld, Nicolas Chapuis und Désirée Jaun (v. l.) protestieren gegen die rechte Stimmungsmache gegen Asylbewerber.

Die Juso-Kandidaten Patrick Feld, Nicolas Chapuis und Désirée Jaun (v. l.) protestieren gegen die rechte Stimmungsmache gegen Asylbewerber.

Die Baselbieter Jungsozialisten kämpfen für eine gerechte, solidarische Welt. Im Wahlkampf wollen sie aber vor allem eines: für Aufsehen sorgen und mit möglichst vielen Stimmen den dritten rot-grünen Baselbieter Sitz im Nationalrat sichern.

Für die Wahlen im Herbst haben sich die Baselbieter Jungsozialisten ein ganz besonderes Ziel gesteckt: Mit ihrer Liste 22 wollen die sieben Juso-Kandidaten mehr Stimmen machen als die Grünen-Unabhängigen. Die Verärgerung über Jürg Wiedemanns Splitterpartei und deren rechtslastige Wahlempfehlungen ist den beiden Co-Präsidenten Joël Bühler und Julia Baumgartner deutlich anzumerken. «Wir möchten deshalb diejenigen Stimmen, die die Grünen-Unabhängigen unserem Bündnis wegnehmen, kompensieren.» 2011 erreichten die Juso als zweitstärkste Jungpartei hinter dem Grünen Bündnis 0,77 Prozent. Das Ziel ist also hoch gesteckt.

Für den angestrebten Stimmenzuwachs über die 1-Prozent-Marke setzen die Juso im Wahlkampf auf viele persönliche Kontakte zu Wählerinnen und Wählern, Telefonaktionen unter Sympathisanten, Unterschriftensammlungen für die beiden Demokratieinitiativen und ausgedehnte Social-Media-Aktivitäten. «Als Jungpartei haben wir kein Budget für Inserate, riesige Plakatkampagnen und sonstige Werbung», stellt Baumgartner fest, die im Gegensatz zu ihrem Co-Präsidenten selber für den Nationalrat kandidiert: «Die Juso müssen zur logischen Wahl für gleichaltrige Lernende, Schülerinnen und Schüler und Studierende werden.»

Protest vor dem geplanten Asylzentrum-Standort

Den Ort für ihren Wahlkampfauftakt am Montagvormittag haben die Jungsozialisten ganz bewusst ausgesucht. Vor dem Ex-Zeughaus-Areal an der Oristalstrasse 100, also dem Ort, der als Standort für das neue Bundesasylzentrum im Gespräch ist, präsentieren sie ihren Wahlslogan «Ändern was Dich stört». Das fehlende Komma im Slogan kompensieren sie durch Engagement für eine gerechtere, solidarische Welt. Insbesondere der herrschende Umgangston in der Asyldebatte beelendet sie: «Ausgerechnet jene Kreise, die sich für eine verschärfte Asylgesetzgebung eingesetzt haben, sind jetzt gegen diesen Standort für das neue Bundeszentrum», schimpft Bühler vor dem Eingang zum kantonseigenen Areal.

Die Erlaubnis, den Wahlkampfauftakt innerhalb der Arealzäune durchführen zu können, ist den Juso laut eigener Darstellung vom Kanton verwehrt worden. Für Bühler steht der Ort sinnbildlich für die Frage, die alle Stimmberechtigten an den Wahlen im Herbst beantworten müssen: Wollen sie eine Schweiz der Verantwortungslosigkeit und scharfer Rhetorik gegen die Schwächsten, oder eine Schweiz der Solidarität und des Mitgefühls gegenüber den Flüchtlingen?

Mehr Rechte und Lohn in der Berufslehre

Als konkrete Wahlkampfthemen nehmen sich die Baselbieter Juso unter anderem die Besserstellung der Lernenden in der Ausbildung vor (mehr Lohn, mehr Mitspracherecht, keine berufsfremden Arbeiten), das Stimmrecht für niedergelassene Ausländer, Stimmrechtsalter 16 sowie einen fixen Wechselkurs des Franken von 1.15 gegenüber dem Euro. Die beiden Stimmrecht-Forderung gehen auf die beiden im März lancierten Demokratieinitiativen zurück.

Das Durchschnittsalter der sieben Kandidatinnen und Kandidaten auf der Juso-Liste beträgt 21 Jahre. Die «prominentesten» Kandidaten neben Co-Präsidentin Baumgartner sind der Allschwiler Einwohnerrat Nicolas Chapuis und die Liestaler Gymnasiastin Anna Toebak, die Tochter der nicht gewählten SP-Regierungskandidatin Regula Nebiker.

Juso-Liste 22. Die Kandidaten: Anna Toebak, Liestal, 19 Jahre alt. Daniel Gmür, Oberwil, 21. Désirée Jaun, Birsfelden, 27. Nicolas Chapuis, Allschwil, 30. Julia Baumgartner, Füllinsdorf, 20. Patrick Feld, Zwingen, 21. Mira Gemperle, Münchenstein, 20.

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