Pratteln

Gerechtigkeit auf der Autobahn: Ein neues Ausfahrtsschild soll her

Die Ausfahrt befindet sich auf Prattler Boden, ist aber nur mit Liestal und Augst angeschrieben.

Die Ausfahrt befindet sich auf Prattler Boden, ist aber nur mit Liestal und Augst angeschrieben.

Die Autobahnausfahrt Liestal/Augst befindet sich auf Prattler Boden - nun soll sie um Pratteln-Ost ergänzt werden.

Auf dem Boden der Gemeinde Pratteln befinden sich zwei Autobahnausfahrten. Doch nur die westliche ist mit «Pratteln» angeschrieben. Diejenige im Osten heisst «Liestal/Augst» – obwohl sie für einen beträchtlichen Teil Prattelns die Nächstgelegene ist. Darauf weist FDP- Einwohnerrat Didier Pfirter in einem Vorstoss hin. Er verlangt, dass sich der Gemeinderat für eine Umbenennung der Ausfahrt in «Liestal Augst Pratteln Ost» einsetzen soll. Ortsunkundigen könne mit der Umbenennung ein Umweg über die Salinenstrasse und quer durch die Gemeinde erspart werden, so seine Hoffnung. «Die Erwähnung Prattelns bei dieser Ausfahrt ist auch ein Anliegen der Integration der Quartiere im Osten und Nordosten unserer Gemeinde», schreibt er. Dabei meint er die bereits bestehende Längi, aber auch das zukünftige Quartier Salina Raurica.

Zudem gibt es auch im Osten Prattelns viel verkehrsintensives Gewerbe. Für dieses wäre eine Umbenennung «nicht gerade ein Riesennutzen, aber natürlich eine Vereinfachung», sagt Urs Schneider, SVP-Einwohnerrat und Vorstandsmitglied des Gewerbeverbands. Man höre ab und zu, dass Externe über die falsche Ausfahrt grosse Umwege fahren würden. «Aber vor allem ist es eine grundsätzliche Frage, wie eine Ausfahrt auf Prattler Boden benannt werden soll», findet er. Pfirter spricht in diesem Zusammenhang von «Selbstachtung» für Pratteln, weil man der Gemeinde schon vieles zugeschoben habe, das die anderen nicht wollten – etwa die Bahngefahrentransporte oder die ewige Baustelle vor dem Adlertunnel. Zudem entziehe die Autobahnausfahrt der Gemeinde mehrere Hektaren Boden an bester Lage einer produktiven Nutzung. «Das kostet Pratteln auch Steuersub­strat», so Pfirter.

Schild könnte bei nächster Strassensanierung wechseln

Allerdings muss die Standortgemeinde nicht zwingend im Namen einer Ausfahrt auftauchen. Das Bundesamt für Strassen (Astra) nennt auf Nachfrage zahlreiche solcher Beispiele, etwa bei der Ausfahrt Kilchberg BE die kleine Gemeinde Aefligen. Und vor allem erinnert das Amt daran, dass der Kanton nicht ganz unschuldig ist an der Benachteiligung Prattelns. Als nämlich vor Jahrzehnten die Ausfahrt im Osten der Gemeinde geplant wurde, geschah das noch unter der Regie des Baselbiets. Die Verantwortung änderte erst 2008, als der Bund die Nationalstrassen übernahm.

Trotzdem dürfen die Prattler hoffen. Kommt es zu Sanierungsarbeiten, würde das Astra zusammen mit dem Kanton das Signalisationskonzept anschauen und allenfalls anpassen. Das letzte Wort hat zwar das Bundesamt, aber «in Absprache und in Anhörung mit den Kantonen, welche das Verkehrskonzept auf ihrem Strassennetz verantworten», so der Astra-Mediensprecher. Und noch eine andere Aussage spricht für Pratteln: «Sinnvollerweise nennt man Anschlüsse nach der nächstgrösseren Ortschaft.» Pfirter trocken: «Schon nur die Längi hat doppelt so viele Einwohner wie Augst.»

Bei seinen Überlegungen hat er aber auch das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest (ESAF) vor Augen, das 2022 bei der heutigen Ausfahrt «Liestal Augst» auf Prattler Boden stattfinden wird. Sein Anliegen habe deswegen «besondere Relevanz und Dringlichkeit». Doch beim ESAF sieht man die Namensfrage ganz emotionslos, wie Sprecherin Marion Tarrach erklärt: «Uns ist vor allem wichtig, dass wir für die Anfahrt klare Angaben machen können. Wie die Ausfahrt heisst, ist nicht relevant.»

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