Der Trick ist uralt, doch er wirkt offenbar noch immer, um Langfinger zu überführen: Eine Banknote wird mit Silbernitrat präpariert, und wenn jemand zugreift, sind seine Hände wochenlang dunkel gefärbt.

Die Idee mit dem Silbernitrat kam auch auf, als im Muttenzer Altersheim zum Park immer wieder Diebstahlsvorwürfe erhoben worden sind. Zusammen mit dem Heimleiter und lediglich einem eingeweihten Bewohner setzte die Polizei Anfang letzten Jahres eine 20er-Note als Köder ein.

An einem frühen Morgen im Januar 2013 meldete der Pensionär schliesslich, die präparierte Banknote aus dem Portemonnaie in seiner Schublade sei verschwunden.

Pflegerin wehrt sich gegen Vorwurf, vergeblich

Das Pflegepersonal musste antreten, wurde über den Köder informiert und dann einzeln von der angereisten Kriminaltechnik untersucht: Deutlich verfärbte Hände sowie Spuren der Chemikalie an ihren Arbeitshosen hatte eine 43-jährige Pflegerin, die seit 22 Jahren im Altersheim arbeitete, sie sass danach zwei Tage in Untersuchungshaft.

Gestern vor Gericht betonte die Frau immer wieder, sie habe nie Geld gestohlen. Die Spuren an ihren Händen erklärte sie damit, dass sie wohl die Note auf dem Fussboden aufgehoben und wieder zurück ins Portemonnaie gesteckt hatte.

Einzelrichter Andreas Schröder liess sich davon nicht beeindrucken: Er bestätigte den Strafbefehl der Staatsanwaltschaft und verurteilte sie wegen geringfügigen Diebstahls zu einer Busse von 200 Franken, dazu kommen Verfahrenskosten von rund 2000 Franken.

Die Geschichte mit dem Fund am Boden habe die Frau erst mehrere Wochen nach der Festnahme erzählt, und bei der Kontrolle durch die Kriminaltechnik sei sie durch ihre Nervosität deutlich aufgefallen, so Schröder.

Der Heimleiter hatte gestern vor Gericht angeboten, seine Anzeige zurückzuziehen, wenn die Frau den Diebstahl gestehe – davon wollte sie aber nach kurzer Rücksprache mit ihrer Verteidigerin nichts wissen: Sie könne nicht etwas zugeben, was sie nicht getan habe.

Das Urteil kann sie noch weiterziehen. Da geringfügige Vermögensdelikte aber lediglich als Übertretung gelten, kann die zweite Instanz das Urteil nur auf offensichtliche Fehler überprüfen oder Rechtsfragen korrigieren.

Pflegerin wurde entlassen

Die Banknote wurde später in einem Wäschekorb gefunden – beim Warten auf die Kriminaltechnik ging die Frau entgegen der Weisungen auf die Toilette und wollte dabei möglicherweise die Note entsorgen.

Das Heim hat den Arbeitsvertrag mit der Frau einige Wochen später aufgelöst. Sie arbeitet inzwischen für 4800 Franken brutto pro Monat in einem anderen Altersheim. Ob sie auch für frühere Diebstähle infrage kommt, blieb ungeklärt.