Seit kurzem läuft die neue Casting-Show «The Voice of Germany» im Deutschen Fernsehen. Mit einem neuen Modell wollen die Produzenten das Publikum für sich gewinnen. An Stelle von herzzerreissenden Schicksalen und gut aussehenden Künstlern soll hier der Gesang im Vordergrund stehen.

The Voice Of Germany

Vier Jury-Parteien haben die Organisatoren der Show organisiert. Nena, der Rocker Rea, zwei Jungs von der Countryband «The BossHoss» und Xavier Naidoo. Alle vier werden während den Castings ein Team zu je 16 Teilnehmern zusammenstellen, welches sie im Verlaufe der Show coachen werden.

Während den sogenannten «Blind Auditions», den ersten Ausscheidungsrunden, sitzen alle Jury-Mitglieder mit dem Rücken zur Bühne. Sie sollen die Auftritte nur nach dem Gehörten beurteilen, nicht nach dem Kandidaten. Mit einem Knopf können sie ihren Stuhl zur Bühne drehen. Mit dieser Drehung signalisieren sie dem Kandidaten «I want you». Mit anderen Worten: Sie unterbreiten dem Sänger das Angebot, sie in ihr Team aufzunehmen.

Schweizer Beteiligung

Bei der Casting-Show mischt auch eine Schweizerin aktiv mit. Und wie, das zeigt ihr erster Auftritt.

«Blind Audition»: Wer ist das Schweizer Gesangs-Talent

«Blind Audition»: Wer ist das Schweizer Gesangs-Talent?

Den Vorspann spielt ein Klavier. Dann setzt eine tiefe, soulige Stimme ein. Schon nach wenigen Momenten erkennt man die Melodie als «Listen» von Beyonce wieder. Als sie zum ersten Mal zum Refrain ansetzt, dreht sich der Stuhl von «The BossHoss».

Auf der Bühne steht eine stämmige, rothaarige junge Frau. Sie trägt ein Nasenpiercing und strotzt richtiggehend vor Energie. Die Augen geschlossen singt sie aus voller Power.

Schweizer Sängerin bei The Voice of Germany

Schweizer Sängerin bei The Voice of Germany

Grosse Teile des Publikums stehen begeisternd klatschend auf, worauf sich auch der Stuhl von Nena dreht.

Das sich schon zwei Jurymitglieder dazu entschlossen haben den «I Want You»-Knopf zu drücken, scheint die Sängerin gar nicht zu bemerken. Sie ist vollkommen in ihrer Welt.

Nun hält auch die restlichen Zuschauer nichts mehr auf den Sitzen. Auch die Begleiter der Rothaarigen umarmen sich heftig jubelnd. Nach nur einer Minute und 45 Sekunden ist der Auftritt vorbei. Die «BossHoss»-Jungs heben die Arme zur Jubelpose. Nena wirft Kusshändchen in Richtung Bühne.

Yasmina Hunzinger aus dem Baselbiet

Die Sängerin kommt aus Ettingen im Baselbiet, ist 34 Jahre alt und singt nach eigenen Worten schon seit immer. Schon früh stand sie mit ihrer Mutter, welche Berufssängerin war, auf der Bühne. Mit 13 Jahren sammelt sie erste Erfahrungen im Tonstudio, will sich aber nicht endgültig der Musik hingeben. Deshalb beginnt sie eine Berufslehre als Friseurin in Basel. Ihr grosses Idol ist Pavarotti, den sie gerne heiraten würde.

Yasmina Hunzinger

Yasmina Hunzinger

Vor etwas mehr als zehn Jahren entscheidet sie sich alles auf die Karte «Musik» zu setzten. Sie zieht nach Deutschland: «Weil ich da einfach mehr Arbeit hatte.» Es lief nicht von Anfang an rosig für die junge Sängerin: «Man muss sich bewusst sein, dass es im Verlaufe einer Karriere immer wieder Hügel und Täler geben wird. Dann muss man halt hin und wieder den Robin Hood spielen.»

Im Jahr 2003 gewinnt sie den Newcomer Award von «Promikon» in Giessen. Fünf Jahre später fährt sie für Deutschland an den Internationalen Songcontest in die Türkei und gewinnt diesen prompt. Ihre Karriere hat Aufschwung erhalten.

Auf die Einladung von «The Voice of Germany» reagierte sie zunächst skeptisch. «Ich hielt bis anhin nicht sehr viel von Casting-Shows», sagt sie. Auch habe sie vor ein paar Jahren schlechte Erfahrungen bei «Deutschland sucht den Superstar» machen müssen. Deshalb sei sie froh dass man bei «The Voice of Germany» respektvoller mit den Kandidaten umgehe.

Unglaubliche Quoten

Wie erste Zahlen zeigen, findet diese Form der Casting-Show bei den Zuschauern grossen Anklang. Gestern Abend verfolgten 5,21 Millionen Zuschauer die Show. Das ist ein Marktanteil von 16,8 Prozent. Betrachtet man die angegebene Zielgruppe (Zuschauer zwischen 24 und 49 Jahren) sind die Quoten noch viel beeindruckender. 3,96 Millionen Zuschauer, was genau 30,9 Prozent bedeutet. Mit diesen Werten übertrifft man die herkömmlichen Casting-Shows um Längen.

Yasmina ist «die Lösung»

Yasmina Hunzinger wird von der Jury gelobt. Abgesehen von Xavier Naidoo sind alle begeistert. «Alles Quatsch», kommentieren die «BossHoss»-Jungs die Kritik von Naidoo, Yasmina habe zu viel gepowert. Laut «BossHoss» ist Yasmina «die Lösung». Nun muss sich die 34-jährige Schweizerin für ein Team entscheiden.

Nena ist die glückliche. «Diese Entscheidung habe ich einfach aus dem Bauch heraus getroffen», sagt sie. Zum Schluss kommentiert die «The Voice of Germany»-Stimme: «Von wegen 90-60-90, so viel Talent passt in kein Korsett.» (cht)

Heute Abend, Freitag 9. Dezember 2011 um 20.15 Uhr folgt der letzte Teil der «Blind Auditions» auf Sat. 1. Mit Marijana Vuckovic erneut mit Schweizer Beteiligung.