Zoo Basel
Mehrere 10'000 Eier am Tag: Ein Blick ins Innere des Termitenhügels bringt spannende Details ans Licht

Termiten gehören nicht zu den Tieren im Basler Zolli, die am meisten Aufmerksamkeit erhalten. Das Schattendasein macht die Tierchen aber nicht minder interessant.

Lea Meister
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Geschlechtstiere und Arbeiter bereiten sich auf den jährlichen Hochzeitsflug vor.

Geschlechtstiere und Arbeiter bereiten sich auf den jährlichen Hochzeitsflug vor.

Zoo Basel

Im Haus Gamgoas im Zoo Basel bewohnen die Termiten einen grossen Hügel – selbst gebaut aus Lehm und Speichel. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Termiten seien ausgewandert, doch sie verstecken sich nur in einem hochkomplexen Tunnelsystem unter der Erde. Nach draussen kommen sie nur, wenn der Hunger ruft.

Der Basler Zolli gewährte am Mittwoch in einer Medienmitteilung Einblick ins Innenleben des Termitenhügels. So sei der Termitenstaat unheimlich gut organisiert. Er besteht aus männlichen und weiblichen Tieren, die in drei Gruppen unterteilt werden und entsprechend verschiedene Aufgaben haben: Es gibt Soldaten, Arbeiter und Geschlechtstiere.

Der Termitenhügel im Zolli.

Der Termitenhügel im Zolli.

Zoo Basel

Das Königspaar lebt in einer eigenen Kammer des Termitenhügels und ist für die Eierproduktion zuständig. In einem grossen Hügel können es mehrere 10'000 Eier am Tag sein. Die einzige Aufgabe des Königs ist es wiederum, seine Königin zu begatten. Die Kammer verlassen werden die beiden nie.

Die Gattung der Soldaten erkennt man an ihrem grossen Kopf und den starken Mundwerkzeugen. Sie bewachen den Hügel in der Wildnis gegen Feinde wie Ameisen oder Erdferkel. Im Zoo sind sie etwas weniger gefordert, da sie sich keinen Feinden stellen müssen.

Keine Augen und keine Flügel

Die Arbeiter-Termiten bauen Gänge, stocken den Hügel auf und sind für die Fütterung des Königspaars zuständig. Sie sammeln Blätter und Äste, fressen das Futter und scheiden es wieder aus, damit sie einen Pilz daraus züchten können, der für alle anderen Termiten im Stock als Nahrung dient.

Auch kümmern sich die Arbeiter um die Aufzucht der Jungen. Weder die Arbeiter noch die Soldaten besitzen Augenpaare und sind somit blind. Die Geschlechtstiere wiederum, die sowohl weiblich wie auch männlich sein können, besitzen Flügel und Augen.

Viele schaffen es nicht

Wenn die klimatischen Bedingungen in der Natur stimmen, fliegen die Termiten gemeinsam aus, um sich ihre Geschlechtspartner zu suchen. Die Geschlechtstiere verlassen zu Tausenden den Hügel –genannt wird diese Prozedur auch «Hochzeitsflug». Das Ziel: Das Gründen eines neuen Termitenstaats. Selbstverständlich gelingt dies aber nur einem Bruchteil der ausgeflogenen Tiere.

Der Hochzeitstanz der Termiten im Zoo Basel.

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Ein Grossteil der Ausgeflogenen landet als Mahlzeit im Maul vieler Tiere. Im Zolli findet der Hochzeitsflug ohne Zuschauende über eine Woche verteilt in der Nacht statt. Nach dem Hochzeitsflug ist der Hügel jeweils zum Bersten voll mit geflügeltem Termiten.

Die abgelegten Flügel der Geschlechtstiere.

Die abgelegten Flügel der Geschlechtstiere.

Zoo Basel

Schon bevor es losgeht, können aufmerksame Beobachtende erste Hinweise auf einen baldigen Hochzeitsflug erkennen. So bauen die Tierchen kleine Abflugrampen, um sich auf das grosse Ereignis vorzubereiten. Die Geschlechtstiere werden anschliessend von den Tierpflegern eingesammelt und nach ihrem Geschlecht getrennt. In einer grossen Arena treffen die Weibchen dann wieder auf die Männchen.

Hat sich ein Pärchen gefunden, beginnt es einen sogenannten Tandemlauf mit dem Ziel, einen geeigneten Neststandort zu finden. Die Paare werden dann eingesammelt und in Behälter mit Lehm gesetzt, damit sie sich paaren und in die Erde eingraben. Bevor sie im Boden verschwinden, werfen sie ihre Flügel wieder ab.

Wer es schafft, führt seinen Staat für etwa 20 Jahre

Die erfolgreichen Paare bauen sich eine Hochzeitskammer und werden zu Königin und König, um ihren eigenen Termitenstaat zu gründen. Ein Termitenstaat lebt nur so lange, wie das Königspaar überlebt. In der Regel sind das aber um die 20 Jahre. Stirbt ein Staat aus, wird der Hügel von Tieren wie Erdferkeln oder Zwergmangusten bevölkert.

Termiten zu züchten sei eine sehr heikle Aufgabe, so der Zoo Basel. Es brauche viel Fingerspitzengefühl und eine gute Datengrundlage. Der Termitenhügel im Zolli Basel besteht seit 20 Jahren und die gesammelten Daten helfen, jedes Jahr mit der Zucht voranzukommen. Ziel sei es, einen funktionierenden Staat zu erhalten, der den alten Hügel ersetzen kann.

Das Schwierigste dabei: Den Pilz zu erhalten, der dem Volk als Nahrung dient.