Wortbetrachtung
Re: Keine Kruten in Staurants

Ob in Emails oder im täglichen Sprachgebrauch: Die Vorsilbe «re-» ist ein nicht versiegender Quell der Konfusion.

Stefan Strittmatter
Stefan Strittmatter
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Die Vorsilbe «re-» hat es in Sich.

Die Vorsilbe «re-» hat es in Sich.

Christian Beutler / KEYSTONE

Ich weiss nicht, wann genau die Umstellung passiert ist, aber seit mein Mailprogramm Antworten mit «AW:» einleitet statt wie früher mit «re:», frage ich mich, wofür diese zwei Buchstaben eigentlich standen. Die Onlinewelt ist sich jedenfalls uneins.

Die einen sehen darin eine Verkürzung des englischen «reply» (Antwort), andere jedoch argumentieren, es sei eine Ableitung vom lateinischen «in re» (die Sache betreffend, bezugnehmend auf).

Aber auch ausserhalb des virtuellen Raums ist die Vorsilbe «re-» ein nicht versiegender Quell der Konfusion. So bedeutet sie im einen Fall «wieder-» (z.B reanimieren), dann «fort-» (reproduzieren), darauf «um-» oder «neu-» (restrukturieren) und schliesslich «zurück-» (retournieren).

Wobei sich beim letzten Wort die Frage aufdrängt, inwiefern retournieren, also zurückgeben, mit tournieren (also dem kunstvollen Zurechtschneiden von Obst oder Gemüse) zusammenhängt.

Relativ (die Umkehr des nordostkaukasischen Kasus Lativ?) absurd wird es schliesslich bei Begriffen, die man ohne einleitendes «re-» in der freien Wildbahn nie antrifft.

Oder wann hat Ihnen das letzte Mal jemand Spekt gezollt? Oder eine Ferenz erwiesen? Dass man aktuell keine Kruten in Staurants antrifft, das hängt jedoch nicht nur mit den fehlenden Vorsilben zusammen. Das liegt auch an Corona und den Massnahmen der Gierung.