Doppelmord
Wo war der Breite-Mörder zwischen den Taten?

Der Doppelmord im Breite-Quartier schockt die ganze Schweiz. Was bewegt einen 22-Jährigen dazu zwei ihm wohl unbekannte Frauen zu töten? Ermittlungen zeigen, dass er zwischen den Bluttaten in der Breite in weitere Wohnungen eingedrungen ist.

Martina Rutschmann
Drucken
Teilen
Das Haus, in dem eine alte Frau getötet und ein alter Mann schwer verletzt wurden, wird derzeit renoviert.
3 Bilder
Die Mietwohnung der erstochenen Deutschen am Nasenweg ist seit der Tat versiegelt.
Bluttat im Breite-Quartier

Das Haus, in dem eine alte Frau getötet und ein alter Mann schwer verletzt wurden, wird derzeit renoviert.

Juri Junkov

Warum tötet ein junger Mann eine 46-jährige deutsche Yogalehrerin und eine 76-jährige Frau, die in seiner Nähe leben, sonst aber nichts mit ihm zu tun haben? Kannte der 22-jährige R. F.* seine Opfer wirklich nicht – oder was meint die Staatsanwaltschaft, wenn sie mitteilt, es seien keine Beziehungsdelikte gewesen? Das seien Delikte zwischen Menschen, «die sich näher kennen», präzisiert Peter Gill von der Staatsanwaltschaft. Warum die Ermittler ein näheres Kennen von Täter und Opfern ausschliessen, sagt er nicht. Es handle sich um laufende Ermittlungen, der mutmassliche Täter müsse erst befragt werden. Das war gestern. Inzwischen dürfte die Befragung vorbei sein.

Der mutmassliche Täter konnte gestellt werden.
7 Bilder
Tatortreiniger vor Ort.
Die Einsatzkräfte bei der Arbeit.
Spurensicherung im Haus.
Die beiden Tatorte sind nur wenige hundert Meter voneinander entfernt.
Im Breite-Quartier wurden in zwei verschiedenen Mehrfamilienhäusern zwei Frauen getötet und ein Mann schwer verletzt.
Tötungsdelikte im Breite-Quartier in Basel

Der mutmassliche Täter konnte gestellt werden.

Newspictures

Was R. F. allenfalls gesagt hat, wird die Öffentlichkeit erst erfahren, wenn der Fall irgendwann vor Gericht verhandelt wird. Das Interesse an dem Fall dürfte durch das Schweigen jedoch nicht kleiner werden: Anders als bei anderen Tötungsdelikten ist hier so gut wie nichts klar. Das Einzige, was man sicher weiss: Der Täter hat am Montag um 13.30 Uhr mit einer Stichwaffe auf eine Yogalehrerin eingestochen, worauf diese starb. Die Tat ereignete sich in einem Mietshaus der Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) am Nasenweg im Breite-Quartier. Hier lebte die Frau erst seit kurzem, weshalb man sie im Quartier kaum kannte.

Zweieinhalbstündiges Vakuum

Die Bluttat muss im Treppenhaus begonnen haben, dort kleben seit Montag lauter nummerierte Zettel der Kriminaltechnik. Die Polizei fand die Frau jedoch in deren Wohnung im obersten Stock, nachdem eine Nachbarin wegen Hilfeschreien Alarm geschlagen hatte. Hier hört es auf mit den gesicherten Informationen. Und hier hört auch die Geschichte für eine Weile auf. Denn der junge Mann kommt erst zweieinhalb Stunden später wieder ins Spiel.

Um etwa 16 Uhr ersticht er eine weitere Frau. Es handelt sich um eine
76-jährige Bewohnerin eines Genossenschaftshauses an der Wildensteinerstrasse. Diese befindet sich wenige Minuten vom ersten Tatort entfernt. An der Wildensteinerstrasse verletzte R. F. zudem eine dritte Person. Ein 87-jähriger Nachbar der Frau wollte ihr helfen, als er mitbekam, wie der Täter im Treppenhaus auf sie losging. Doch R. F. stach auch auf den alten Mann ein und verletzte diesen lebensbedrohlich. Inzwischen ist er ausser Lebensgefahr.

Täter ist «anständig, aber ernst»

Was der Täter in der Zwischenzeit machte und wo er sich von 13.30 bis 16 Uhr aufhielt, ist unklar. «Wir ermitteln, ob er vorher oder zwischen den Taten in weitere Wohnungen eingedrungen ist», sagt Peter Gill. Weitere Opfer seien bisher allerdings keine gefunden worden. Eine Zeugin erzählt der bz, das Ganze sei ihr unheimlich. Und suspekt: «Die Polizei hat mich nach der ersten Tat gefragt, ob ich einen barfüssigen jungen Mann davonrennen gesehen hätte.» Gill bestätigt das nicht. Auch eine Nachbarin des Täters weiss nichts dergleichen zu berichten, unauffällig sehe er aus, langes Haar, weite Hosen.

Und «anständig» sei er, «aber ernst». Sie habe ihn kaum lachen gesehen, einmal habe er grundlos mit dem Fuss gegen die Wand getreten. Dieselbe Nachbarin hatte am Montag mitbekommen, wie die Polizei R.F. verhaftet hatte.

Unmittelbar nach der zweiten Bluttat muss er kurz nach 16 Uhr nach Hause gegangen sein. Weit hatte er nicht: Der zweite Tatort befindet sich eine Gehminute vom Wohnhaus des Täters an der Farnsburgerstrasse entfernt. Dort lebt R. F. seit der Kindheit mit seiner Mutter und inzwischen dem Stiefvater. Bevor er wegen «entsprechenden Hinweisen» in der eigenen Wohnung festgenommen wurde, versteckte er sich offenbar in einer leerstehenden Nachbarswohnung. Die Polizei hatte zuerst versehentlich zwei Arbeiter festgenommen.

*Name der Redaktion bekannt

Aktuelle Nachrichten