In den letzten Jahren hat die Zahl der Firmenansiedlungen in der Schweiz aus dem Ausland drastisch abgenommen, sagte Basel Area-Präsident Walter Ritter an der Jahrestagung. «Wir siedeln zurzeit etwa halb so viel Firmen an wie vor zehn Jahren.» Es sei nicht einfach und es wäre nicht zulässig, die Gründe singulären Ereignissen zuzuordnen.

Ein erheblicher Teil rühre aber sicher daher, dass die Rechts- und Planungssicherheit für die Wirtschaft in unserem Land über die Jahre kleiner geworden ist. Die vielen «himmlischen Initiativen, welche in Realität aus der wirtschaftlichen Hölle» stammten, hätten sicherlich auch dazu beigetragen. Einwanderungs-Initiative, Fragen zur Firmenbesteuerung sowie die generelle Wahrnehmung einer zunehmenden Regulierungs- und Initiativflut, machen auch die Arbeit der Basel Area anspruchsvoller.

Es müsse mehr Überzeugungsarbeit geleistet, mehr Fragen beantwortet und detailliertere Wünsche von Kunden abgeklärt werden. Trotz dieser erschwerenden Umstände habe das Team der BaselArea im 2014 die Erwartungen erfüllt, lobte er.

Ein paar Zahlen: Im 2014 wurden

  • 23 Firmen aus dem Ausland und 5 Firmen aus dem Inland neu angesiedelt und
  • 47 Neugründungen beratend zur Seite gestanden.
  • Dies entspricht rund 200 neuen Arbeitsplätzen mit einem Potenzial von 400 Arbeitsplätzen in ein paar Jahren.
  • Um dies zu erreichen, mussten insgesamt rund 1000 Anfragen bearbeitet werden.

Damit auch in Zukunft solche Erfolge möglich sind, müsse sich die Nordwestschweiz als führende Wirtschaftsregion noch stärker national und vor allem auch international positionieren. Die Bündelung der Kräfte und die Fokussierung auf Innovation sei der logische Schritt. Diesen Monat wurde von den Volkswirtschaftsdirektoren der Kantone Basel-Landschaft, Basel-Stadt und Jura die Absicht mitgeteilt, dass Basel Area, i-net und die China Business Plattform fusionieren (die bz wird darauf zurückkommen) und der Leitung von Domenico Scala unterstellt werden.

Ruth Metzler, Alt Bundesrätin und Präsidentin von Switzerland Global Enterprise (früher Schweizerische Zentrale für Handelsförderung Osec) setzte den Fokus mehr auf die gesamte Schweiz. Seit Jahren erlebe die Schweiz einen Rückgang an Ansiedlungen und Direktinvestitionen aus dem Ausland: die Anzahl der Firmen-Ansiedlungen hat sich seit 2005 fast halbiert. Es wurden 2014 fast 80 Prozent weniger Arbeitsplätze durch Neuansiedlungen geschaffen im Vergleich zu 2005. Dies sei zum Teil darin begründet, dass die Schweizer Standortpromotion seit einigen Jahren mehr auf Qualität anstatt Quantität setzt: Es gehe den Regionen und Kantonen darum, wertschöpfungsstarke Firmen in die Schweiz zu bringen. Steuerliche Vergünstigungen stünden schon lange nicht mehr im Fokus unserer Argumentationsarbeit bei Investoren.

Grund dafür seien die Rahmenbedingungen der Schweiz, die relativ zu anderen aufstrebenden Regionen schlechter geworden seien. So sei die Schweiz seit 2013 nicht mehr unter den Top 25-Destinationen für ausländische Direktinvestitionen. Der Wettbewerb habe sich massiv verschärft, die Standorte bieten Steuervergünstigungen oder –Geschenke. Zu den Hauptkonkurrenten der Schweiz zählten heute Irland, die Niederlande, Luxemburg, Grossbritannien – insbesondere London – und Singapur. Metzler rührte zum Abschluss die Werbetrommel für die Standortpromotion. Gute Vorzeichen gab es keine: Der Bundesrat habe eine Kürzung geplant.