Madame Electa, die Karten liegen auf dem Tisch: 150 Tage vor den nationalen Wahlen ist ziemlich klar, wer sich für einen Sitz aus Basel bewirbt. Nun müsste man die Karten nur noch lesen können – aber deshalb sind wir ja hier. Erleuchten Sie uns!

Madame Electa: Gerne. Der Fall ist völlig klar, Eva Herzog wird Ständerätin. Ich habe gewürfelt, ihre Zahlen sind immer die höchsten. Kein Wunder: Ihre Steuereinnahmen sind geradezu astronomisch.

Na, das ist ja nun mal keine Überraschung.

Genau. Als Steinbock hat die SP-Frau ein gutes Händchen mit Geld, das hat ihr als Finanzdirektorin sicher geholfen. Auf sie schwören auch Bürgerliche.

Okay, aber darauf hätten wir jetzt auch getippt. Sie müssen schon etwas mehr bieten.

In meiner Kristallkugel sehe ich einige Mitbewerberinnen, aber sie sind alle nur mit halbem Herzen dabei. Sie wollen die Plattform nur für andere Ziele nutzen. So wird es ihnen nur gelingen, einen zweiten Wahlgang zu erzwingen.

Jetzt wirds spannend: Sie sprechen den heftig umkämpften Nationalrat an. Was bringt die Zukunft?

Eine darf sich ihrer Wiederwahl sicher sein: Sibel Arslan von der Basta.

Tatsächlich? Der mittlere Sitz wechselte in den vergangenen Jahren stets von einem Lager ins andere.

Schon, aber sie ist Krebs. Krebse sind zwar etwas empfindlich, aber auch sehr hilfsbereit und entschlossen. Das wird ihr helfen, auf der nationalen grünen Welle zu surfen. Ein warmer Sommer wird sie beflügeln. Das hat mir der Wind geflüstert.

Danke, aber beim Klima verlassen wir uns lieber auf die Muotathaler Wätterschmöcker.

Arslan bräuchte das Klima nicht einmal. Sie umgibt der Nimbus der Bisherigen, zieht Kraft aus einer starken Unterliste und kann auf die Macht der Weiblichkeit zählen – ein entscheidender Faktor kommenden Herbst.

Okay. Und die SP?

Die SP macht zwei Sitze, das sähe selbst der blinde Teiresias. Sehen Sie! (deutet auf eine knallrot leuchtende Glaskugel) Dass Fortuna auf der Seite von Herzog steht, habe ich ja gesagt. Sie wird die Liste anführen, Beat Jans wird zweiter.

Beide Ämter kann Herzog nicht ausüben. Wer wird ihren Sitz erben?

Es bricht die Zeit an von ihm, der lange warten musste (wedelt geheimnisvoll mit den Armen).

Mustafa Atici?

Ja, genau. Ich habe Blei gegossen, es erschien ein Halbmond. Mit ihm folgt eine diplomatische Waage auf Silvia Schenker, die eher am linken Rand politisierte.

Damit hätten wir drei linke Sitze. Wie siehts bei den Bürgerlichen aus?

Die Zeichen stehen auf Umbruch. Ich habe wieder und wieder Parteiprogramme gedeutelt und Kaffeesatz im Grossratscafé gelesen. Die Sache ist ganz vertrackt, das können Sie mir glauben!

Sprechen Sie die neue bürgerliche Zusammenarbeit an?

Natürlich. Die LDP hat die Gunst der Sterne, in ihrem Abglanz wollen sich auch andere sonnen. Christoph Eymann ist wiedergewählt, keine Frage. Ich habe es in seiner Hand gelesen: Sie war ganz zerfurcht von so vielen Jahren der Erfahrung. Von der Macht der Zusammenarbeit profitieren auch die anderen Parteien. Es winkt ein zweiter Sitz.

Ui. Holt ihn die FDP?

Nein, das Glück ist mit den besonders Tüchtigen. Katja Christ von den Grünliberalen hat bereits an den Gemeinderatswahlen bewiesen, dass Riehen ihr Kraftort ist. Sie wird die CVP überflügeln, deren Stern verblasst, und dank der Unterliste auch die FDP überlisten.

Das würde bedeuten, die SVP verliert den Sitz von Sebastian Frehner. Sind Sie sich da sicher?

Ich mache eine ganz dunkle Aura um die SVP aus. Intrigen und Querelen begleiten die Partei seit Jahren, zuletzt noch mehr. Ich habe mein Pendel über das Sünneli-Logo gehalten. Es drehte sich nur im Kreis. Brauchen Sie ein klareres Signal?

Madame Electa, Sie haben uns überzeugt. Dürften wir uns jetzt noch mit Ihnen über die nächsten Lottozahlen unterhalten?

Das klären wir dann aber besser unter sechs Augen. Sonst lohnt es sich ja nicht.