Öffentlicher Verkehr
Weil Bewilligungen fehlen: Passagiere müssen in der 3er-Wendeschlaufe aussteigen

Kurz fährt der 3er von der Endhaltestelle Burgfelderhof durch die neue Wendeschlaufe über französischen Boden, ehe es von der zweiten Haltestelle beim Zoll wieder nach Basel geht. Den Ausflug nach Frankreich muss der Tramchauffeur aber alleine machen.

Peter Schenk
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Rund 50 Meter lang ist die Wendeschlaufe am Zoll Basel Burgfelderstrasse.

Rund 50 Meter lang ist die Wendeschlaufe am Zoll Basel Burgfelderstrasse.

Kenneth Nars

«Eine Durchfahrt der Wendeschlaufe mit Fahrgästen ist aufgrund betrieblicher Vorgaben nicht gestattet», schrieben die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) kürzlich in einer gemeinsamen Medienmitteilung mit dem Grenzwachtkommando Basel. Seit dem 31. Juli befindet sich die neue Endhaltestelle direkt am Grenzübergang. Bis zur Eröffnung des französischen Abschnitts am 10. Dezember wendet jeder Kurs der Linie 3 neu in der Schlaufe. Ende Jahr wird dann jeder zweite Kurs weiter bis zum Bahnhof von Saint-Louis fahren.

Testfahrten

Am Anfang nur ganz langsam

Noch bis zum 16. August laufen im Elsass Testfahrten auf der 2,6 Kilometer langen französischen Neubaustrecke der 3er-Tramverlängerung. Sie begannen am 2. August mit der Überprüfung der Gleisanlagen und Fahrleitungen. Die Trams fuhren zuerst nur 5 km/h. Seit Donnerstagmittag fahren sie mit normaler Geschwindigkeit – maximal erlaubt sind 50 km/h. Diese dürfte allerdings kaum erreicht werden. Hubert Vaxelaire, Direktor öffentlicher Verkehr beim zuständigen südelsässischen Zweckverband, geht von 45 km/h aus.

Getestet werden auch die Weichen und Ampeln. Der Schneepflug und das Fahrzeug für die Enteisung der Fahrleitungen haben die Strecke bereits befahren. Die Ausbildung der Tramchauffeure beginnt im September. Jeder soll die neue Strecke mindestens einmal abgefahren haben. Der Französischunterricht für das Fahrpersonal läuft seit Anfang Jahr. In Frankreich sind in Zusammenarbeit mit Schulen bereits Sensibilisierungskampagnen zum Thema Tram angelaufen.

Bewilligung nur für Flexity

Hintergrund des Mitfahrverbots in der Wendeschlaufe ist, dass die BVB in Frankreich nur für die neuen Flexity-Trams «eine Bewilligung für den Fahrgasttransport» haben, wie Mediensprecher Benjamin Schmid erklärt. Bedeutet das nicht, dass man mit diesem Flexity den Wendeschlaufen-Ausflug machen darf?

«Theoretisch ja», räumt Schmid ein, aber: «Zwischen Birsfelden Hard und Burgfelderhof fahren weiterhin auch Trams des Typs Combino oder als Verstärkungsfahrten Motorwagen des Typs Cornichon mit Anhänger.» Die Fahrgäste müssten also selber wissen, in was für einem Typ Tram sie sitzen. «Das finden wir nicht sinnvoll.»

Im Tram meldet sich deshalb am Zoll eine freundliche Frauenstimme: «Burgfelderhof. Endstation. Bitte alle aussteigen.» Was passiert, wenn sich jemand weigert und sitzen bleibt? «Wir gehen davon aus, dass sich die wenigen Fahrgäste, die von dieser Ausnahmesituation betroffen sind, an unsere Bitte halten. Dies zeigen auch die bisher gemachten Erfahrungen vor Ort.»

Mit den Zoll- und Grenzkontrollen habe das Mitfahrverbot nichts zu tun. Aber: «Generell gilt, wenn ein Wagenführer der BVB eine Hilfeleistung braucht und sich an einen Schweizer Grenzwächter wendet, sind wir verpflichtet zu reagieren», schreibt Patrick Gantenbein, Mediensprecher der Grenzwachtregion Basel.

Die alte Wendeschlaufe Burgfelden Grenze wurde durch die Haltestelle Waldighoferstrasse ersetzt. Hier gebe es eine Möglichkeit, sich unterzustellen betont Schmid. Er begegnet so dem Argument, der eine oder andere Fahrgast könnte sich vor schlechtem Wetter ins Tram flüchten und den Umweg über die Wendeschlaufe in Kauf nehmen.

Kontrollen überall möglich

In der zitierten Medienmitteilung wies das Grenzwachtkommando auf die Möglichkeit von Zoll- und Grenzkontrollen beim Zoll, bei den Haltestellen, aber auch im fahrenden Tram hin.

Neu ist Letzteres nicht. Grenzwächter dürfen generell in der ganzen Schweiz Personen anhalten. «Bereits an der alten Tramschlaufe der Linie 3, welche doch einige Hundert Meter im Inland lag, haben wir sporadisch Kontrollen durchgeführt», so Gantenbein.