Basel
Wegen Fehlalarm: Schüler grundlos in Quarantäne geschickt

Etliche Kinder der Tagesstruktur Dreirosen mussten zu Hause bleiben, samt einem Elternteil – später stellte sich heraus: nur ein Fehlalarm.

Benjamin Wieland
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Beim Contact-Tracing kam es zu einer Panne im Dreirosen-Schulhaus.

Beim Contact-Tracing kam es zu einer Panne im Dreirosen-Schulhaus.

Kenneth Nars

Die Regelung ist klar: Hat sich jemand an einer Schule nachweislich mit Covid-19 infiziert, müssen alle engeren Kontaktpersonen vorsorglich in Quarantäne. Genau das geschah an der Primarschule Dreirosen im Kleinbasel. Eine Mitarbeiterin der Tagesstruktur wurde positiv getestet – kurz darauf erhielten die Eltern ein E-Mail von der Schule: Alle Kinder, die sich hätten anstecken können, müssen zu Hause bleiben, ebenso jeweils ein Elternteil, um zu überwachen, dass das Kind die Massnahme einhält. «Sollte dies nicht möglich sein», schreibt die Schulleitung, «muss die ganze Familie isoliert werden.»

Es war ein Fehlalarm. Die Eltern, Erziehungsberechtigten und Kinder wurden grundlos aufgeschreckt. Das E-Mail mit der Quarantäneanordnung wurde am Montag vergangener Woche verschickt. Am Tag darauf erhielten die Eltern ein Schreiben von Markus Ledergerber, Leiter des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes des Gesundheitsdepartements Basel-Stadt. Titel: «Aufhebung der Quarantäneanordnung». Es sei ein «wesentliches Element der Schutzmassnahmen übersehen worden». Für die Kinder und die anderen Mitarbeitenden habe «kein relevant erhöhtes Ansteckungsrisiko bestanden». Ledergerber nimmt die Schulleitung in Schutz. Sie könne nichts dafür, habe lediglich auf Anweisung gehandelt.

Die Tagesstruktur am Dreirosen wurde nach Bekanntwerden des positiven Testresultats sofort dichtgemacht und sollte frühestens heute Montag wieder öffnen – auch diese Massnahme machte Markus Ledergerber umgehend wieder rückgängig.

Behörden: Massnahme war «etwas voreilig»

Das Erziehungsdepartement erklärte in einem eigenen Brief an die Eltern, was falsch gelaufen war. Das Contact-Tracing-Team habe übersehen, dass die positiv getestete Mitarbeiterin «immer eine Schutzmaske» trug. Die Betroffenen dürften somit wieder «das Haus verlassen, die Schule und die Tagesstruktur besuchen und zur Arbeit gehen».

Ledergerber schreibt auf Anfrage der bz, die Kinder seien «etwas voreilig» in Quarantäne geschickt worden. Bei «genauerer Abklärung» habe sich die Massnahme als unnötig erwiesen. Das Dreirosen sei nicht speziell stark von Corona betroffen. Derzeit wisse man, schreibt Ledergerber, von drei positiv getesteten Lehrpersonen.

Als notwendig erwies sich die gleiche Massnahme an einer anderen Schule. Nach zwei Covid-19-Erkrankungen an der Sekundarschule Vogesen mussten insgesamt drei Klassen eine zehntägige Quarantäne antreten. Sie endet per heute Montag.

Der Fehler beim Contact-Tracing kommt zu einem schlechten Zeitpunkt. Das Team ist wegen der steigenden Fallzahlen gefordert – und überlastet. Vergangenen Freitag teilte das Basler Gesundheitsdepartement mit, man müsse beim Contact-Tracing fortan Prioritäten setzen.

Für die Schulen gilt die Parole: Durchhalten!

Bislang galten Schulen nicht als Covid-19-Infektionsherde. Deshalb hält die Politik – im Gegensatz zum Lockdown im Frühling – am Präsenzunterricht fest. Doch die Zahl der Schulkinder, aber auch der Lehrkräfte, die sich in Quarantäne oder Isolation begeben müssen, steigt.

Unter diesen Umständen werde es immer anspruchsvoller, den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagt Simon Thiriet, Sprecher des Erziehungsdepartements: «Wenn zwei Schüler pro Klasse zu Hause bleiben müssen, funktioniert das gut. Dann können ihnen zum Beispiel Mitschüler die Lernmaterialien vorbeibringen. Aber wenn die halbe Klasse in Quarantäne steckt oder Lehrkräfte in grosser Zahl ausfallen, wird es schwierig. Es sind kreative Ansätze gefragt.»