Theater

Vom Schnitzel und vom Tod – jetzt kommen diese «zwei Beize-Teschter»

Was meinen die beiden Beizen-Tester wohl zu diesem Schnitzel? (Symbolbild)

Was meinen die beiden Beizen-Tester wohl zu diesem Schnitzel? (Symbolbild)

Bumann kann einpacken. Die neuen Beizentester heissen Bösel und Fellner. Im Stück des Basalttheaters «Zwei Beize-Teschter» reisen die beiden durch die periphere Schweiz. Bösel und Fellner haben eigentlich einen annehmlichen Job: Sie essen und bewerten, was sie eben gegessen haben. Dumm nur für die beiden, dass sie jeweils von einem ganz anderen Schlag sind.

Bösel (Kurt Wegmüller) ist der Träge, spricht zu Beginn beinahe gar nicht, sitzt am Tisch und isst. Da hat einer sein Hobby zum Beruf gemacht, Essen scheint nämlich seine einzige wirkliche Leidenschaft zu sein. So kann er dann auch beim Frühstück, wo er sich Kaffee und Schnitzelbrot genehmigt, schon von Kutteln und Leber schwärmen. Neben der Fleischliebe («Ich bin kein Beilagenesser») kristallisiert sich bei Bösel im Lauf des Stücks noch ein zweiter Wesenszug heraus: eine ordentliche Portion Unvermögen, wenn es darum geht, von der eigenen Ehefrau zu erzählen.

Fellner (Peter Wyss) ist da anders – oder wäre es zumindest gern. Er kleidet sich mondän, lässt Bösel aussehen, als wäre dieser ein Versicherungsangestellter aus den Sechzigerjahren. Fellner redet gern, erzählt vor allem Halbwahrheiten aus fernen Ländern: «In Indien gibt es eine Sexpraktik, bei der sie sich zwei Stunden gegenüberliegen, ohne einander zu berühren, und dann, irgendwann ...»

Und er weiss auch, dass die Japaner gerne warmes Affenhirn essen. Fellner isst zwar auch gern, jedoch nicht mit Bösels Pathos. Für Fellner ist es ein Beruf, mehr nicht. Er lässt Bösel gerne spüren, dass man doch auf unterschiedlichen Sprossen der Evolutionsleiter stehe.

Reise durch die Irgendwo-im-Nirgendwo-Beizen

Anstoss für die Beizentester gab Regisseur Jörg Jerman die Tragikomödie «Indien» des Österreichers Josef Hader. Während im Original die Figuren durchs österreichische Hinterland ziehen, passen auch Jermans Figuren bestens in die Welt der Schweizer Irgendwo-im-Nirgendwo-Beizen.

Doch plötzlich wird das Duo, Bösel und Fellner auf die Probe gestellt. Denn Fellner erhält eine Krebsdiagnose, er hat noch zwei Wochen zu leben. Dieser Einschnitt im Stück ist wichtig, es gibt ihm die nötige Tiefe. Bösel wird Fellner zum Freund und umgekehrt. Die beiden reden plötzlich nicht mehr über Schnitzel und Absinth, sondern über den Tod, über verpasste Chancen im Leben, über Hoffnung. Und gemeinsam mit einer Beizensängerin (Katja Zurbuchen) und der Wirtin (Annette Dick) singen sie: «I nime no e Campari Soda / Wit unger üs ligt s Näbelmeer/ Dr Ventilator summet liislig / Es isch als gäbs mi nümme me...»

Valerio Meuli
Zwei Beize-Teschter: Bis 21. Januar im «Alten Zoll», Basel und im «Jägerstübli» Allschwil. Tickets unter basalttheater.ch

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