Lange Erlen
«Vögel des Glücks» kommen zur Unzeit

Der Tierpark Lange Erlen freut sich über zwei neue Graukraniche, der Nachwuchs im Park stockt aber.

Dominique Waldmann
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Getty Images/iStockphoto

Der Tierpark Lange Erlen hat neu zwei Graukraniche, die sich ab nächster Woche im Damhirschgehege befinden. Der Tierpark hat beide Vögel kürzlich vom Zürcher Zoo erhalten. Die Vogelart gelte als speziell schön, «imposant und graziös», sagte Bruno Ris, Tierpark-
leiter, an der Medienkonferenz vom Montag. Deshalb sorgen sie für viel Aufmerksamkeit.

Das Defizit des letzten Jahres seien die Parkleiter allmählich am Aufholen. Carlos Methner, Präsident des Erlen-Vereins, bedauert die kleiner werdende Zahl der Mitglieder und Gönner, die einen wichtigen Beitrag an den Tierpark leisteten. Methner versichert auch, dass die Baubewilligung für die Erweiterung des Spielplatzes «auf gutem Weg» sei. Es gäbe zwar noch Hürden, aber in zwei bis drei Wochen «ist es soweit». Der Regen in den letzten Wochen war auch für die Tiere eine Tortur. Der Park verzeichnet trotz dem Regen einige neue Jungtiere.

Das neue Zuhause der Graukraniche ist ein Freiraumgehege, also ein Gehege ohne Überdachung. Wegfliegen können die Kraniche aber nicht, da ihnen im Babyalter ein Mittelhandknochen amputiert wurde. An dieser Stelle wachsen keine Federn mehr nach, weshalb der Vogel das Gleichgewicht nicht findet. Kurz: Er kann nicht fliegen.

Kraniche sind Zugvögel. Während ihrer Tänze vor dem Beginn des Vogelzugs, während der Balz oder wenn sie Angst haben, springen sie bis zu zwei Meter hoch in die Luft. «Bei unglücklichen Windverhältnissen reicht es dann vielleicht, um über den Gehegezaun zu springen», sagt Ris. Mit den geplanten Erweiterungen des Tierparks werden die beiden Kraniche ein Blickfang in der neuen Elch- und Biberanlage im Tierpark sein. In der japanischen Kultur gelten die Graukraniche als «Vögel des Glücks», wie es Ris sagt. Mit Glück hatten die regnerischen Tage der letzten Wochen aber nichts zu tun.

Der Kampf gegen die Nässe

Aufgrund der Nässe und der hohen Luftfeuchtigkeit seien mehrere Eier gefault und verschiedene Storchenhorste abgestürzt. Der Tierpark verzeichnete insgesamt 24 Jungstörche, davon konnten 18 beringt werden, drei warten noch auf die nötige Grösse, und drei weitere sind abgestürzt. 21 lebendige Jungtiere seien jedoch «besser als erwartet» und stehen für einen erfolgreichen Nachwuchs.

Ein Storchenhorst, der jedes Jahr wächst und neues Gras erhält, kann durch das Regenwasser bis zu einer Tonne schwer werden. Präventive Massnahmen, wie etwa einen 20 Jahre alten Horst zu entfernen, sind laut Ris nicht sinnvoll. «Es ist schwierig einzuschätzen, wie lange sich ein Horst noch halten wird», sagt er. Falls man diesen aber trotzdem entferne, bestehe das Risiko, dass die Störche nach ihrem Zug nicht in den Park zurückkehren und somit neue Jungtiere ausblieben. Lorenz, einer der Jungstörche, ist mit einem «Datenlogger» versehen. Sein Vogelzug in den Süden kann durch dieses Messgerät genau dokumentiert werden.

Auch beim Uhu und bei den Zwergohreulen hat es Nachwuchs gegeben, die Tauben haben ebenfalls erfolgreich gebrütet. Die kleinen Zwergohreulen haben 16 Jungtiere hervorgebracht.

Bei den äusserst seltenen mesopotamischen Damhirschen stolziert nun ein junges Männlein durchs Gehege. Die europäischen Damhirsche waren fleissiger: Ganze fünf Jungtiere sind geboren worden. Durchschnittlich könnte man mit drei bis vier Jungtieren rechnen, sagt Bruno Ris. Die Zucht bei den Rothirschen sei aus mehreren Gründen mit vier Jungtieren ebenso erfolgreich verlaufen. Während der Brunft im Vorjahr hat das Wetter mitgespielt, und der Hirsch ist mittlerweile acht Jahre alt und «weiss deshalb, wie es geht».