Die Titelgeschichte hat im 5500-Einwohner-Städtchen Laufen eingeschlagen wie eine Bombe. In ihrer gestrigen Ausgabe berichtete die Boulevard-Zeitung «Blick» über das Seniorenzentrum Rosengarten. Eine Bewohnerin des Altersheims soll von ihrer Pflegerin um eine grössere Geldsumme betrogen worden sein. Um den Betrug zu vertuschen, soll sie anschliessend gemeinsam mit einer Kollegin versucht haben, die ältere Frau mit Gift zu töten. Für die beiden Pflegerinnen gilt die Unschuldsvermutung.

Zumindest beim Betrug erhärten sich die Indizien, dass es tatsächlich dazu gekommen ist. Eine Person aus dem Umfeld des Seniorenzentrums berichtet gegenüber der bz über die Hintergründe. «Die Bewohnerin wurde von der Altersheim-Angestellten bereits gepflegt, als sie noch nicht im Seniorenzentrum lebte», sagt die Quelle. Schon damals habe die geistig noch fitte Frau der Betreuerin eine Vollmacht für ihr Bankkonto gegeben.

Mittlerweile ins Seniorenzentrum Rosengarten eingetreten, sei die neue Heim-Bewohnerin weiterhin von der Mitarbeiterin des Altersheims betreut worden. Aufgrund von Verdachtsmomenten sei die Bewohnerin misstrauisch geworden und habe deshalb bei ihrer Bank einen Kontoauszug beantragt. «Dabei hat sie festgestellt, dass die Pflegerin sie um 22'000 Franken erleichtert hat.»

Pflegerinnen wurden entlassen

Ob es anschliessend im Laufner Altersheim zu einem Mordversuch gekommen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Der «Blick» beruft sich bei seiner Recherche auf eine Auskunftsperson, die behauptet, dass sich die Pflegerin an eine Arbeitskollegin aus dem Seniorenzentrum gewandt hätte, um mit ihr zusammen die Bewohnerin mit Rizinussamen zu töten. Wie weit dieser angebliche Mordversuch in die Tat umgesetzt wurde, ist nicht klar. Die Bewohnerin lebt noch immer im Altersheim in Laufen und ist unversehrt. Auskunft geben über ihre Geschichte möchte sie nicht.

Die Pflegerin und ihre Kollegin sind hingegen seit der Weihnachtszeit nicht mehr für das Seniorenzentrum tätig. «Wir haben die beiden fristlos entlassen», bestätigt Heimleiter Michael Rosenberg. Zu den Gründen möchte er sich nicht äussern. Er betont jedoch, dass er von der Bewohnerin kontaktiert worden sei. «Ich empfahl ihr, eine Strafanzeige einzureichen.»

Die von Rosenberg festgestellten Verfehlungen der beiden Pflegerinnen waren anscheinend derart gravierend, dass sie eine fristlose Kündigung rechtfertigen. «Ich war schockiert, als ich davon erfuhr», erklärt der Leiter des Altersheims. Die zwei Frauen, die beide seit einigen Jahren im Seniorenzentrum arbeiteten, seien in der Vergangenheit nie negativ aufgefallen. «Sie leisteten gute Arbeit.»

Einzelfall

Nach dem Vorfall habe er mit den anderen Bewohnerinnen und Bewohnern gesprochen. Dabei habe sich herausgestellt, dass es sich um einen Einzelfall handle. Rosenberg hat vor, die Bewohner noch stärker dafür zu sensibilisieren, dem Pflegepersonal keine Kontovollmacht zu erteilen. Den Mitarbeitern sei eine Vollmacht für die Konti ihrer Klienten strengstens untersagt.

Die Seniorin hat den Ratschlag des Heimleiters beherzigt und eine Strafanzeige eingereicht. Michael Lutz, Sprecher der Baselbieter Staatsanwaltschaft, bestätigt den Eingang einer Anzeige. Die Untersuchungen stünden noch ganz am Anfang. Zum Inhalt der Strafanzeige will er sich nicht äussern. Zudem schweigt er sich darüber aus, gegen wie viele Personen sich die Anzeige richtet und ob Verdächtige derzeit in Untersuchungshaft sitzen.