Unirat
Personeller Umbruch im obersten Gremium der Universität Basel

Basel-Stadt bestellt seine Vertreter im Unirat neu: Die Vizepräsidentin Sibylle Schürch tritt Ende Jahr ab, ebenso zwei weitere Vertreter des Stadtkantons. Das wichtigste Entscheidorgan der Uni könnte so gehörig durchgewirbelt werden.

Hans-Martin Jermann
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Bei strategischen Entscheiden der Uni wie etwa über Neubauten (im Bild oben das alte und das neue Biozentrum) hat der Unirat ein gewichtiges Wort mitzureden.

Bei strategischen Entscheiden der Uni wie etwa über Neubauten (im Bild oben das alte und das neue Biozentrum) hat der Unirat ein gewichtiges Wort mitzureden.

Erich Meyer (17. März 2021)

Im elfköpfigen Universitätsrat werden je fünf Mitglieder von den Regierungen der beiden Trägerkantone Basel-Stadt und Baselland gewählt; ein weiteres Mitglied schlägt die Universität vor. Nun steht im obersten Entscheidorgan auf Stadtbasler Seite ein personeller Umbruch an: Mit der ehemaligen SP-Gross­rätin Sibylle Schürch, der Musikerin Daniela Dolci Reidemeister und dem ehemaligen Roche-Chefjuristen Gottlieb A. Keller treten gleich drei langjährige Mitglieder Ende Jahr zurück.

Basel-Stadt schreibt erstmals überhaupt aus

Der Kanton Basel-Stadt sucht nun – erstmals überhaupt – per Inserat Nachfolgerinnen und Nachfolger. Erziehungsdirektor Conradin Cramer (LDP) sitzt von Amtes wegen im Unirat. Als einzige bisherige Vertreterin der Stadt wird Michaela Kneissel, bei Novartis tätige Life-Sciences-Forscherin, im Gremium verbleiben. Das Erziehungsdepartement bestätigt auf Anfrage die genannten Rücktritte.

Die ehemalige SP-Grossrätin Sibylle Schürch (52) ist derzeit mit Abstand die amtsälteste im elfköpfigen Unirat.

Die ehemalige SP-Grossrätin Sibylle Schürch (52) ist derzeit mit Abstand die amtsälteste im elfköpfigen Unirat.

zVg/Nils Fisch

Sibylle Schürch (52) sitzt seit 2004 im Unirat – ist also derzeit die mit Abstand amtsälteste.

«Ich finde die Arbeit im Unirat immer noch sehr spannend, will aber keine Sesselkleberin sein. Es ist nun einfach an der Zeit zu gehen»,

sagt die Juristin. Vor der aktuellen Leistungsperiode 2018 bis 2021 stritten die beiden Trägerkantone über ihre finanzielle Beteiligung an der Uni; Baselland pochte zudem auf mehr Mitsprache und äusserte den Wunsch, erstmals in der Geschichte der Alma Mater den Uniratspräsidenten zu stellen.

Seit Anfang 2020 hält das Präsidium Beat Oberlin, Ex-Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank, inne. Er folgte auf den langjährigen Basler Regierungsrat und Messe-Präsidenten Ueli Vischer. Diese Diskussionen und personellen Wechsel seien für ihren Rücktritt nicht ausschlaggebend, sagt Schürch. «Ich konnte nachvollziehen, dass Baselland auf einen neuen Finanzierungsschlüssel und neue Regeln drängte.»

Ähnlich äussert sich die Cembalistin Daniela Dolci: Die Stimmung im Unirat unter dem neuen Präsidenten bezeichnet sie als offen und konstruktiv und die Zusammenarbeit mit dem Rektorat als ausgezeichnet. Ihr Rücktritt nach acht Jahren habe persönliche Gründe: Das renommierte, von ihr 1990 gegründete Barock-Ensemble Musica Fiorita ist aufgelöst worden. Dolci sieht nun keine Basis mehr für ein weiteres Engagement im Unirat. Sie hat sich im Gremium für eine starke Stellung der Kultur und Geisteswissenschaften sowie für die Kommunikation zwischen der Musikakademie Basel und Uni starkgemacht.»

Wird die Roche künftig im Unirat noch vertreten sein?

Ausscheiden wird Ende Jahr auch Gottlieb A. Keller (66). Das langjährige Mitglied der Roche-Konzernleitung wurde vor Jahresfrist pensioniert. Die beiden grossen Basler Pharmakonzerne sind im Unirat traditionell mit je einem Sitz vertreten. Ob das bei Roche 2022 der Fall sein wird, ist offen. Baselland wirbelte durch die erstmalige Ausschreibung seiner Mitglieder 2017 einiges durcheinander: Seither sitzt kein Baselbieter Vertreter der Life-Sciences mehr im Unirat. Zuvor wurde jener von Novartis vom Land gestellt. Basel-Stadt korrigierte dies, indem er nach dem Rücktritt Vischers Ende 2019 Novartis-Forscherin Kneissel ins strategische Gremium hievte.

Auf Baselbieter Seite zeichnen sich nach dem grossen Umbruch 2017 nun per Ende 2021 keine Rücktritte ab, wie es auf Anfrage bei der Bildungsdirektion heisst. In der Stadt erfolgt die Ausschreibung sehr früh: Die Basler Regierung wird ihre fünf Vertreter im Herbst wählen. Man habe beim Inserat keine Bewerbungsfrist angegeben und wolle sich bei der Besetzung der vakanten Sitze bewusst Zeit nehmen, sagt Ariane Bürgin, Leiterin Hochschulen im Basler Erziehungsdepartement.

Ein Mitglied muss Baufachmann oder -fachfrau sein

Neben den üblichen Anforderungen für eine Kaderfunktion wie ein akademischer Hintergrund oder Führungserfahrung sollte eines der drei neuen Mitglieder über Expertise in Bau-fragen verfügen. Dies hat mit dem revidierten Staatsvertrag zu tun. Darin ist explizit festgehalten, dass der Unirat für die Immobilienstrategie und für die Bauherrenrolle bei Projekten der Universität zuständig ist. Er fällt also wesentliche Entscheide zu Neubauten im Eigentum der Uni wie beispielsweise zu jenem der Biomedizin auf dem Schällemätteli oder zu Planungen wie dem Campus für Wirtschaft und Recht auf Baselbieter Boden.