«Mitenand»
Unbekannter Migranten-Verein will Wahl-Boykott

Ein dubioses Mail macht die Runde. Der Verein «Mitenand» fordert darin Türkischstämmige zum Leerwählen auf. Doch kaum jemand kennt den Mail-Absender.

Benjamin Rosch
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Die Homepage des Vereins Mitenand.

Die Homepage des Vereins Mitenand.

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«Mitenand» heisst der Verein, der für sich reklamiert, für rund 9000 türkisch sprechende Schweizer mit Migrationshintergrund zu sprechen. Die Mitteilung, mit der sich der Migrantenverein an die Medien richtet, ist aber vielmehr ein gegen. Gegen die Linken, bei denen es «Schmarotzer und Parasiten» gäbe, «die sich als Repräsentanten der Migrantengruppen sehen, aber sämtliche Projekte sabotieren.» Gegen die Bürgerlichen: «Die Tatsache, dass die Bürgerlichen mit der SVP zusammenarbeiten, kostet ihnen bei den Migranten viel Sympathie und Stimmen, da die SVP den Fremdenhass schürt.» Und weil da nicht mehr viel übrig bleibt, was man wählen könnte, fordert der Verein zum Wahlboykott auf. Die Basler Politiker sollen die Anwesenheit der Migranten spüren. Der Verein «Mitenand» will so die Wahlen sabotieren und das absolute Mehr in die Höhe treiben. Unterschrieben ist der Brief von Präsident İsmail Algın und Vize Abdulhamid Koca.

Dass sich der gewünschte Effekt einstellen wird, daran zweifeln mehrere Personen, die sich in der türkischen Community gut auskennen. Grossrat Mustafa Atici (SP) gibt an, einmal von diesem Verein gehört zu haben. «Ich kenne aber die Aktivitäten nicht.» Er findet den Aufruf «ein bisschen lächerlich» und sagt: «Ich habe in den letzten Wochen mehrere Migranten-Vereine besucht. Dieser Wahl-Boykott schien nirgendwo Thema zu sein.» Auch sei die Zahl von 9000 türkischstämmigen Baslern etwas hoch gegriffen: «Gut die Hälfte kommt wohl etwa hin.»

Auch FDP-Grossrat Murat Kaya misst dem Verein kleine Bedeutung bei: «Diese Leute kommen wohl aus einer kleinen Nische und wollen sich jetzt hinsichtlich der Wahlen profilieren.» Dennoch schätzt er, dass manche Migranten von der rot-grünen Regierung enttäuscht seien.

Selbst die GGG-Anlaufstelle kennt den Verein nicht

Die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) hat eine eigene Abteilung, die sich um Migrations-Projekte kümmert. Um Migranten Anlaufstellen zu bieten, führt sie eine online einsehbare Liste von Migranten-Organisationen. Über 50 Namen stehen darauf – der Verein «Mitenand» allerdings nicht. «Ich habe noch nie davon gehört», sagt Eleonore Wettstein, die besagte Abteilung leitet.

Dem Verein, oder zumindest den Unterzeichnenden nahe steht offenbar der türkischstämmige Basler Regisseur Hüseyin Akin. Er ist auf sozialen Netzwerken immer wieder im Bild mit Algın zu sehen. Akin teilte den Boykottaufruf auch auf Facebook.

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