Bewerbungen

Überforderte Basler Contact Tracer: jetzt packt die Bevölkerung beim Tracen mit an

Contact-Tracer beider Basel sind überfordert – nun hilft die Bevölkerung. (Archivbild)

Contact-Tracer beider Basel sind überfordert – nun hilft die Bevölkerung. (Archivbild)

Baselland braucht die Hilfe einer externen Firma, Basel-Stadt hat das flächendeckende Contact Tracing aufgegeben: Die Kantone sind mit den steigenden Fallzahlen überfordert. Beide Basel erhalten daher immer wieder Spontanbewerbungen von Personen, die ihre Unterstützung in den Contact-Tracing-Teams anbieten. Doch nicht alle schaffen es.

Die Contact Tracing Teams beider Basel sind wegen der rasch steigenden Fallzahlen überfordert – und das bereits seit einer Weile. So erzählt beispielsweise ein Leser, dass er das Resultat seines Coronatests auch nach zwei Tagen noch nicht erhalten habe. Erst, als er selber angerufen habe, sei ihm das positive Ergebnis mitgeteilt worden. Doch während seiner Isolation habe sich vom Contact Tracing kein einziges Mal jemand gemeldet. Auch sei sein Hausarzt nicht über die Coronainfektion informiert worden.

Bei Geschichten wie diesen überrascht die Zuschrift eines anderen Lesers aus Basel umso mehr. Der Mann, der nicht namentlich in der Zeitung genannt sein möchte, hat sich Mitte Oktober in einer E-Mail an die beiden Kantone gewendet: Er wollte seine Dienste als Contact Tracer anbieten. Mit einem Biolo-
giestudium und Erfahrung im medizinischen Bereich sowie mit Telefonumfragen sollte er eigentlich der perfekte Kandidat sein. Als Contact Tracer arbeitet der Leser bis heute jedoch nicht. Im Stadtkanton wurde er auf eine Warteliste gesetzt, wie aus dem Mailverkehr hervorgeht, welcher der bz vorliegt. Vom Kanton Baselland habe er nie eine Antwort erhalten.

70 Bewerbungen, 30 Personen rekrutiert

Wie kann es sein, dass solche Bewerber bei der aktuellen Überlastung der Contact Tracer nicht berücksichtigt werden – und die Kantone stattdessen auf externe Call Center zurückgreifen oder das flächendeckende Contact Tracing aufgeben?

Auf die Hilfe werde nicht verzichtet, wie Anne Tschudin, Mediensprecherin des Basler Gesundheitsdepartements, sagt: «Wir haben bisher rund 70 Spontanbewerbungen aus der Bevölkerung erhalten und daraus ungefähr 30 Personen rekrutiert.» Die Personen «jeden Alters und mit verschiedenen Pensen» würden derzeit eingearbeitet und im Kontakt mit den Isolierten eingesetzt.

Die Anforderungen an Bewerbende reichen von  Interesse an epidemiologischen Fragestellungen über gute Kommunikationsfähigkeiten und IT- Kenntnisse bis zur Bereitschaft, abends, an Wochenenden oder im Pikettdienst zu arbeiten. Dass es bei der Rekrutierung bisher nur für 30 Personen gereicht hat, habe nichts mit der Eignung der anderen Bewerber zu tun. «30 Personen zu integrieren, muss erst mal verdaut werden. Man muss dem Team Entwicklungszeit lassen.»

Auch der Kanton Baselland erhält regelmässig Spontanbewerbungen – je nach Medienaktivität seien es zwischen fünf bis zehn Bewerbungen pro Tag und zwei pro Woche, wie Rolf Wirz, Mediensprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt. Vier Personen wurden bisher eingestellt.

Mails landen auch mal am falschen Ort

Die Anforderungen sind im Baselbiet ähnlich: Contact Tracer sollen belastbar, technisch affin, flexibel, selbstständig und empathisch sein – medizinische Kenntnisse sind von Vorteil. Bis gestern teilten sich die 21 Tracer ein Stellenpensum von 1275 Prozent, ab heute sind es 1490. Die beruflichen Hintergründe sind dabei breit gestreut: Neben den medizinischen Berufen wie Praxisassistenten und Krankenschwestern sind Wirtschaftsingenieure, Lehrpersonen, Studierende oder Fotografen im Team.

Dass eine Antwort auf eine Bewerbung ausbleibt, sei keine Absicht, so Wirz. Man beantworte die Mails grundsätzlich immer, aber: «Wir erhalten so viele Anfragen auf verschiedenen Kanälen. Da kann es auch mal vorkommen, dass eine Mail am falschen Ort landet.»

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