Tanz
Die Swiss Dance Days stehen an: Die Schweizer Tanzszene gastiert in Basel

Zwölf Choreografien repräsentieren an den Swiss Dance Days den Facettenreichtum des gegenwärtigen Schweizer Tanzschaffens.

Bettina Hägeli
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Disco-Marathon in Pink: «Sorry, do the tour. Again!» von Marco Berrettini.

Disco-Marathon in Pink: «Sorry, do the tour. Again!» von Marco Berrettini.

zvg/Cyril Porchert

Tanz ist ein starker mensch­licher Ausdruck, bei dem sich ein Körper durch Raum und Zeit bewegt. Elementarer kann sich unser Dasein nicht präsentieren. Und wenn sich noch Ästhetik und Intelligenz dazugesellen, wundert es nicht, wenn es Tanzenden gelingt, das Publikum tief zu berühren. Jede Kultur tanzt anders und doch gleich. In wenigen Tagen erobert das Schweizer Tanzschaffen die Basler Bühnen und erzählt Brisantes, Humorvolles und von anatomischer Nacktheit.

Nachdem die 11. Ausgabe der Swiss Dance Days vergangenes Jahr aufgrund von Covid abgesagt werden musste, findet sie nun statt. Alle zwei Jahre ist eine andere Schweizer Stadt Gastgeberin des Festivals, das als wichtigste Promotionsplattform für den Schweizer Tanz aus der freien Szene gilt. «Es ist eine Chance, in regen Austausch zu kommen, sowohl für die Tänzerinnen und Tänzer und Choreografinnen und Choreografen als auch für die Theaterhäuser in der Region Basel», betont Thomas Keller, Geschäftsführer der Kaserne Basel.

Austragungsorte sind das Theater Basel, die Kaserne, das Vorstadttheater, das junge theater, das Roxy Birsfelden und das Neue Theater in Dornach. Das Tanznetzwerk Schweiz, genannt Reso, sorgt für die Durchführung. Finanziert wird der Anlass durch die beiden Basler Kantone, den Kanton Solothurn sowie durch Pro Helvetia. Die Veranstalter sind trotz Pandemie guten Mutes, die Bühnen für das Festival freigeben zu können. Zumal die Verantwortlichen auf coronabedingte Szenarien vorbereitet und entsprechend flexibel sind, um den Spielplan bei Bedarf anzupassen. Gut so, denn die ­selektionierten Choreografien sind vielversprechend.

Newcomer mischen die Szene auf

Die Jury, zu der auch Kaserne-Chef Sandro Lunin gehört, nahm sich zwei Jahre Zeit, um insgesamt 146 Schweizer Tanzstücke anzusehen. Letztlich wurden zwölf für das Finale ­selektioniert. «Wir haben viele gute erste Arbeiten gesehen, die darauf hinweisen, dass Newcomer der älteren Generation in der Qualität und der thematischen Umsetzung in nichts nachstehen», erklärte Jury-Mitglied Foofwa d’Imobilité, Tänzer und Choreograf aus Genf und New York. Das Programm setzt sich aus Solos und Ensemblearbeiten sowie kurzen und abendfüllenden Umsetzungen zusammen. Diese widmen sich Themen wie der Fragilität des Lebens, dem Tod, der Hoffnung oder der politischen Haltungsfindung.

Die Tänzerin Clara Delorme wird sich in ihrer Arbeit «L’albâtre» etwa nackt mit Brille auf ein weisses Quadrat wagen und während 15 Minuten in langsamen Bewegungen einen sich verwandelnden Körper zeigen. Choreograf Marco Berrettini verspricht mit seinem abendfüllenden Programm «Sorry, do the tour. Again!» einen Disco-Tanzmarathon in Pink – mit durchnummerierten Tänzerinnen und Tänzern, die in verführenden Posen um eine Trophäe buhlen. Derweil Choreografin Tabea Martin in ihrer brillanten Performance «Forever» unsere Haltung zum Tod aufs Korn nimmt. Dabei lässt sie immer wieder mal eine Figur sterben, aber auch wiederaufstehen. Allen Stücken gemein ist eine Ästhetik, die neugierig macht.

Foofwa d’Imobilité freut sich auf die repräsentativen Stücke der Schweizer Tanzszene und bedauert zugleich: «Die Auswahl ist uns schwergefallen. Es gäbe noch viel mehr Tanzformationen mit ihrer Präsenz in Basel zu würdigen.» Womit er zum Ausdruck bringt, dass sich erfreulich viele Talente auf den Weg auf die Tanzbühnen machen.

Swiss Dance Days
Diverse Orte in Basel, 2.–6.2.
www.swissdancedays.ch