Vortrag

Sterbende Fische, schlaflose Nächte und Kreislaufkollapse – «Klima-Stress» im Naturhistorischen Museum

In der Stadt sorgt die Erwärmung für ganz eigene Probleme.

In der Stadt sorgt die Erwärmung für ganz eigene Probleme.

Am morgigen Vortragstag beleuchten zehn Experten die Auswirkungen klimatischer Veränderungen aus zehn verschiedenen Perspektiven.

Alle zwei Jahre lädt das Naturhistorische Museum Basel zum Vortragstag ein. Dieses Jahr im Zentrum: Klima-Stress. In Basel sorgte das Thema 2019 für ordentlich Schweiss auf der Stirn. Sterbende Fische, schlaflose Nächte und Kreislaufkollapse im Rhein sind nur drei Stichworte unter vielen. An der morgigen Vortragsreihe beleuchten zehn Experten das Thema aus der Sicht ihrer Fachgebiete. Die Einleitung übernimmt Ambros Hänggi unter dem Titel «Hysterie und Fakten». Der Schwarzbubenländer hat vor rund dreissig Jahren Biologie studiert und ist seit 2010 als Kurator im Naturhistorischen Museum tätig.

Ein Spinnenbiss zu Ehren der Wissenschaft

Für Hänggi ist der Klimawandel «ein Thema, zu dem vieles herumgeistert, was nicht Hand und Fuss hat». Damit solle aufgeräumt werden. Gerade auf digitalen Plattformen sei eine riesige Menge an Unwahrheiten anzutreffen. In den Medien werde die Hysterie zusätzlich gepusht, oft aufgrund von Unwissen. Dies erläutert der Biologe an einem Beispiel. Vor rund zehn Jahren sei die Spinne «Zoropsis» in unserer Region angekommen. In Deutschland hat ein regelrechter medialer Aufschrei gefolgt. Die «Zoropsis» wurde als hochgefährlich und blitzschnell zubeissend beschrieben. In der Schweiz haben sich die Medien besser informiert. So liess sich Hänggi damals mit einem Kollegen vor laufender Kamera im Fernsehen von besagter Spinne beissen. Sie wollten beweisen, dass die neu eingewanderte Spinne zwar beisst, aber keineswegs gefährlich ist.

Der Eventtitel «Klima-Stress» bezieht sich ebenfalls auf solche Panikmache. Erstens führt das Thema Klimawandel ständig zu stressigen Diskussionen, die nicht zuletzt durch Unwahrheiten angefeuert werden. Andererseits soll der Titel klarmachen, dass die Klimaerwärmung ein extremer Stressfaktor ist und sein wird: Der Meeresspiegel steigt, die Trockenheit verschärft sich, Migrationen nehmen zu – und der Mensch muss sich damit irgendwie zurechtfinden.

Unter den Referenten befindet sich auch Ueli Meier, Vorsteher des Amtes für Wald beider Basel. Er erklärt, wie «Bäume, die bisher ein Schattendasein fristeten, plötzlich ein Plätzchen an der Sonne bekommen». Und zwar deshalb, weil sie mit der zunehmenden Temperatur und Trockenheit konkurrenzfähiger werden. Dabei habe sich die Natur schon immer verändert. Das Problem sei jedoch, dass sich der Wandel dieses Mal so schnell vollziehe wie noch nie zuvor.

Weshalb sich Stadtplaner mit dem Klima befassen

Auch Martin Sandtner, Leiter des Basler Planungsamtes, ist bei seiner Arbeit von der Erwärmung betroffen. Laut Sandtner sei schon lange bekannt, dass Städte Wärmeinseln sind. Besonders nachts strahlen Baumaterialien Wärme aus, die tagsüber aufgenommen wurde. Der Klimawandel verschärfe das Problem. Es sei mit immer heisseren Nächten zu rechnen, was gesundheitliche Risiken berge. Deshalb müsse sich auch die Stadtplanung anpassen.

Bei Neubauten werde darauf geachtet, dass Luftleitbahnen nicht verbaut würden, um den Durchzug durch die Gassen zu gewährleisten. Zudem werde bei Projekten genügend Grünfläche eingeplant. Diese unterstützen die Abkühlung und die Frischluftzufuhr. Eine klimaangepasste Planung lasse sich aber meist mit anderen Bedürfnissen wie Erholungsgebieten oder Begegnungsorten verbinden.

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