Stationenweg
Auf Oster-Schnitzeljagd durch Liestal

Sieben Kirchen haben sich zusammengeschlossen, um einen ökumenischen Stationenweg zu kreieren. Auf der zweistündigen Schnitzeljagd wird die Geschichte erzählt, die sich in der Woche vor Ostern zugetragen haben soll.

Kelly Spielmann
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Posten drei: die evangelisch-methodistische Kirche.

Posten drei: die evangelisch-methodistische Kirche.

Bild: ksp

Ostern – für viele eine Zeit, sich mit der Kirche, einem Glauben und der Geschichte des Fests zu beschäftigen. Für viele bedeuten die Ostertage jedoch hauptsächlich etwas anderes: ein verlängertes Wochenende. Freie Zeit, Familienbrunchs, vielleicht eine Reise ins Tessin. Und in der Folgewoche gibt's in Lebensmittelläden Schokolade zum halben Preis. Die Ostergeschichte hat man letztmals im Religionsunterricht in der Primarschule gehört.

Menschen, die zu letzterer Gruppe gehören, kennen wahrscheinlich die Umrisse der Ostergeschichte, sind bei Details aber schnell verloren. Weshalb der Stationenweg in Liestal, der seit vergangenem Palmsonntag und noch bis zum Ostermontag geöffnet ist, im ersten Moment etwas abschreckend wirkt: Eine Schnitzeljagd durch die Stadt ist angekündigt, garniert mit Quizfragen und Wettbewerb. Dennoch wagen wir den Versuch.

Auch ohne viel Osterwissen klappt die Schnitzeljagd

Der erste Posten ist nicht allzu schwer zu finden. Auf den Websites der Reformierten, der Römisch-katholischen sowie denjenigen der Freikirchen, die den Spaziergang gemeinsam organisiert haben, ist der Startpunkt gekennzeichnet: die Bruder-Klaus-Kirche in Liestal. Hier wird der Beginn der Geschichte erzählt, die sich in der Woche vor Ostern zugetragen haben soll. Die App Actionbound zeigt jeweils die Aufgaben an – Videos, Lieder, Texte, Quizfragen. Mit Letzteren kann man Punkte für den Wettbewerb sammeln, muss sie aber nicht richtig beantworten, um den nächsten Posten zu finden – Glück gehabt.

Denn die Smartphone-App, die den Standort der Nutzer mitverfolgt, zeigt den Weg zum nächsten Halt jeweils auf einfache Weise an: Ein sich mit dem Nutzer bewegender Pfeil und eine Distanzangabe in Metern führen schnell zum nächsten Standort. Auf sieben Posten durch die Stadt wird so die Geschichte erzählt – und sogar diejenigen, die letztmals zur Konfirmation in der Kirche waren, lernen etwas dazu.

Die App hilft beim Finden des nächsten Postens.

Die App hilft beim Finden des nächsten Postens.

Screenshot

Für andere, die sich mit der Ostergeschichte bereits bestens auskennen, ist der Stationenweg dennoch ein schöner Spaziergang durch die Stadt Liestal – er führt sieben Kirchen der Stadt vorbei – und gibt Anregungen, sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen.

Ob gläubig oder nicht, spielt keine Rolle

Ob für Gläubige oder Nichtgläubige – das Ziel des Projekts bleibt dasselbe: «Wir sind überzeugt, dass in der Osterbotschaft eine grosse Kraft wirkt, die gerade auch in der Coronazeit besonders wertvoll ist», sagt Andreas Stooss, Pfarrer der Reformierten Kirchgemeinde Liestal-Seltisberg. «Bei den verschiedenen Stationen sollen die Menschen mit allen Sinnen zum Nachdenken angeregt und inspiriert werden.»

«Es würde uns sehr freuen, wenn sich auch Personen, die sich selbst als nicht gläubig oder zweifelnd beschreiben würden, auf den Stationenweg begeben», ergänzt Stephan Gassler, Pfarrer der Methodistischen Kirche Liestal. An den verschiedenen Stationen kämen die Besucherinnen und Besucher in Kontakt mit Lebensthemen, bei denen sich eine Auseinandersetzung immer wieder lohne.

Entstanden ist die Idee des Spaziergangs am runden Tisch der sieben Kirchen. Da sie gut in die aktuelle Zeit mit Corona-Einschränkungen hineinpasst, sei sie sofort auf offene Ohren gestossen. Der Spaziergang funktioniert übrigens auch ohne Smartphone und dauert rund zwei Stunden.