Coroanvirus
Spitäler machen Kapazitäten frei für Corona-Patienten: Nicht zwingenden Eingriffe werden reduziert

Es waren klare Worte, die Bundesrat Alain Berset (SP) am Mittwoch äusserte: Spitäler sollen die nicht zwingenden Eingriffe verschieben, damit genügend Spitalpersonal für Coronapatienten zur Verfügung steht. Doch können sich die Spitäler solche Massnahmen nach der ersten Welle überhaupt leisten?

Kelly Spielmann
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Am Unispital Basel werden ab heute nicht zwingende Operationen runtergefahren. Das Kantonsspital Baselland begann damit letzte Woche.

Am Unispital Basel werden ab heute nicht zwingende Operationen runtergefahren. Das Kantonsspital Baselland begann damit letzte Woche.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

Für Anita Kuoni, Mediensprecherin des Kantonsspitals Baselland (KSBL), ist die Situation klar: «Der finanzielle Schaden ist enorm und für die Spitäler nicht tragbar.» Die Spitäler – besonders die Intensivmedizin – würden die Hauptlast der Coronakrise tragen, auch finanziell. Man vertraue darauf, dass Bund und Kantone dafür sorgen, dass Spitäler als wichtigste Leistungserbringer der Krise am Ende nicht das Nachsehen hätten.

Dennoch: Im Vordergrund stehe die Bewältigung der Krise. Das KSBL hat deswegen gemeinsam mit dem Universitätsspital Basel (USB) und dem privaten Claraspital eine Vereinbarung über die gemeinsame Koordination der intensivmedizinischen Kapazitäten abgeschlossen. Diese Vereinbarung ermögliche es, die Lasten durch Corona so untereinander aufzuteilen, dass ein Elektivbetrieb – die nicht zwingenden Eingriffe – an allen drei Standorten noch aufrecht erhalten werden kann.

Baselland reduziert den Elektivbetrieb seit letzter Woche

Im Baselbiet befanden sich Stand gestern 43 Personen aufgrund einer Coronainfektion in Spitalpflege, drei davon müssen auf der Intensivstation beatmet werden. Der Höchststand von 99 Hospitalisierungen im Frühling ist noch relativ weit weg.

Als einziges Spital im Kanton habe man trotzdem bereits vergangene Woche begonnen, den Elektivbetrieb zu reduzieren. Damit können Anästhesie- und OP-Spezialisten auf den Intensivstationen eingesetzt werden. Sollte die nächste Eskalationsstufe – diese sind in der Vereinbarung definiert – eintreten, würden die Wahleingriffe eingestellt.

Vom Kanton ist derzeit kein Eingreifen durch neue Vorschriften zu erwarten. Rolf Wirz, Sprecher der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt auf Anfrage lediglich: «Im April dieses Jahres haben die Spitäler einem Konzept zugestimmt, das die gegenseitige personelle und materielle Hilfestellung im Falle einer Eskalation der Covid-19 Situation zum Inhalt hat.»

Basel-Stadt nimmt noch Patienten auf

Im Stadtkanton steigt die Zahl der Hospitalisierungen derweil auf ein Niveau, das vom Höchststand im Frühling nicht mehr weit weg ist: Im USB befanden sich damals 63 Personen in Pflege. 53 Corona-Erkrankte waren Stand gestern im Spital, davon 13 auf der Intensivstation.

Alarm schlagen muss man deshalb aber nicht, sagt USB-Mediensprecher Nicolas Drechsler auf Anfrage. Momentan nehme man sogar noch Coronapatienten aus den Kantonen Baselland, Jura und Genf auf. Peter Indra, Leiter der Basler Gesundheitsversorgung, ergänzt: In der gemeinsamen Gesundheitsregion Baselland und Basel-Stadt können 68 Coronapatienten auf den Intensivstationen bei guter Qualität behandelt werden. Dennoch werden die Operationen auch im USB ab heute runtergefahren.

Jeder Eingriff wird beurteilt und analysiert

«Das hat aber nichts mit der Aufforderung Bersets zu tun», betont Drechsler. «Wir wollen einfach jetzt schon handeln, wenn wir noch Spielraum haben.» Jeder Eingriff wird demnach beurteilt und in seiner Dringlichkeit analysiert. Die fehlenden Eingriffe haben zwar schon in der ersten Welle zu Mehraufwand geführt, an den Rand seiner finanziellen Möglichkeiten sei jedoch kein Spital gekommen, so Indra.

Auch das USB ist mit der aktuellen Lösung zufrieden: «Wir sind froh, dass es vom Bundesrat bisher nur eine Empfehlung und keine Anweisung gegeben hat. Es bringt nichts, nicht operieren zu dürfen, wenn man Platz dazu hat», sagt Drechsler.