Wahlen Basel-Stadt
SP-Wähler verhindern Frauen-Rekord im Grossen Rat

Die SP-Wähler hieven mit ihren Panaschierstimmen drei Grüne Männer in den Grossen Rat. Ohne die SP-Zusatzstimmen wären es drei Frauen gewesen.

Samuel Hufschmid
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bz

Zufall oder nicht? In allen drei Basler Wahlkreisen verhelfen Panaschier-Stimmen von SP-Wählern männlichen Kandidaten des Grünen Bündnisses zum Einzug in den Grossen Rat – jeweils auf Kosten von Frauen. Wäre es nach dem Willen des Grünen Bündnisses gegangen, hätte es im Kleinbasel ein Comeback von Rita Schiavi Schäppi im Grossen Rat gegeben. Die Basta-Politikerin war in den 90er-Jahren für zwei Legislaturen im Basler Parlament und wird im Januar pensioniert. Mit 1373 Stimmen hat sie bei ihrer Partei das fünftbeste Resultat gemacht und wäre, auf Kosten des Bisherigen Talha Camlibel, gewählt worden. Die 388 Panaschierstimmen von SP-Wählern für Camlibel gaben jedoch den Ausschlag, sodass der Bisherige weiterhin im Parlament sitzen und sich die Bald-Pensionärin «anderen, schöneren Dingen zuwenden kann als Kommissionsarbeit», wie sie sagt.

Die wählerstärkste Partei im Kanton ist nicht nur im Kleinbasel Königsmacherin – auch in den beiden anderen Basler Wahlkreisen kippten die Panaschierstimmen der Genossen Politikerinnen des Grünen Bündnisses vom Thron und hievten männliche Kandidaten in den Rat. So im Fall von Jürg Stöcklin. Auf der Liste des Grünen Bündnisses machte der ehemalige Grossratspräsident mit Jahrgang 1951 knapp weniger Stimmen als seine 36 Jahre jüngere Parteikollegin Lea Steinle. Doch die 327 Stimmen der Genossen machten Stöcklin zum Grossrat. Steinle sagt, es sei schön, als noch ziemlich unbekannte Politikerin so viel Vertrauen der Wähler zu spüren. «Ich denke, dass die Wähler schon bereit sind, der jüngeren Generation eine Stimme zu geben.»

Ackermann sei Dank

Die dritte, durch SP-Stimmen überflügelte GB-Politikerin ist Barbara Wegmann im Wahlkreis Grossbasel Ost. Bei ihr ist der Verlust jedoch kleiner, da sie dadurch zwar in den Wahlresultaten auf dem Platz der ersten Nachrückenden landet, das Nachrücken aber sogleich vollziehen kann, weil ein Platz durch die Wahl von Elisabeth Ackermann in den Regierungsrat frei wird.

Nebst den drei (respektive faktisch zwei) durch SP-Panaschierstimmen verhinderten Frauen im Grossen Rat gibt es weitere knappe Entscheide, die zuungunsten von Politikerinnen ausgegangen sind. So wäre für SP-Kandidatin Alexandra Dill in Grossbasel West ein zusätzlicher Sitz auf Kosten von FDP-Grossrat Christian Moesch drin gewesen. Dies, wenn die SP weniger Fremd-Kandidaten gewählt hätte. Und im Kleinbasel hat mit Michaela Seggiani ebenfalls eine Frau knappstmöglich ein Restmandat verpasst – und auch davon hat mit Peter Bochsler ein männlicher FDP-Grossrat profitiert.

Die fünfte Beinahe-Grossrätin ist Jo Vergeat vom Grünen Bündnis. Ihrer Partei fehlten im Grossbasel Ost 444 Stimmen, um Jeremy Stephenson (LDP) das letzte Restmandat streitig zu machen. Und mit CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi wäre auch eine sechste zusätzliche Frau im Parlament vertreten, wenn es nach dem Willen der CVP-Wähler ginge. Gallacchi ist nämlich von den Wählern ihrer eigenen Partei gewählt, jedoch durch Stimmen von LDP-Wählern für Balz Herter von diesem überflügelt worden.

Alles zusammengezählt wären dies sechs zusätzliche Frauen im Grossen Rat und damit die Egalisierung der Rekord-Frauenquote von 37 Prozent aus dem Jahr 2008. Bei der gegebenen Ausgangslage ist durchaus möglich, dass der Frauenanteil im Rat durch Rücktritte und Nachrücken steigen wird. Rita Schiavi Schäppi hingegen wird sicher nicht nachrücken. Im Falle, dass in ihrem Wahlkreis ein Sitz frei wird, wird sie diesen dem Jungpolitiker und Nächst-Nachrückenden Nicolas Goepfert überlassen.

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