«Die Kultur braucht dringend eine Legitimation»

Die Kulturverantwortlichen sollten gegen ihre üblichen Empörungs-Reflexe ankämpfen – zu ihrem eigenen Vorteil.

Die Abwehrhaltung der Kultur-Schaffenden gegenüber angedachten Reformen in der Vergabe von Steuergeldern ist verständlich. Überall herrscht gegenwärtig eine Kultur der Un-Kultur. Beispielsweise, wenn es um den Kulturvertrag der beiden Basel geht. Eine Bewegung des Sparens und eine Argumentation, dass man sich Kultur nicht leisten wolle. Allzu natürlich ist deshalb die Reaktion von Theater-Intendant Andreas Beck, wenn er sich vom chancenreichsten Bewerber auf den Job als oberster Kulturchef bedrängt fühlt. Bloss: Vom Sparen hat hier niemand gesprochen. Vielleicht von neuen Wegen der Verteilung. Vielleicht gar von Umverteilung. Der zugrunde liegende Hauptgedanke ist jedoch ein ganz anderer: Baschi Dürr will den Sinn der Kulturförderung erkennen. Er will, dass der Staat konkrete Ziele verfolgt, wenn er die Kulturschaffenden an die Honigtöpfe lässt. Dieser Grundgedanke ist richtig. Er schafft Transparenz, weil der Steuerzahler so erkennen kann, was mit seinem Geld geschieht, und warum Papa Staat Veranstaltungen unterstützt – oder eben nicht. Und dies wiederum kommt den Kulturschaffenden und -geniessenden zugute, denn sie erhalten dadurch mehr Legitimation, nicht zuletzt vor jenen, welche die immens wichtige Funktion der Kultur noch immer nicht erkannt haben. Diese Legitimation – oder auch Akzeptanz – wiederum gibt den Kulturschaffenden jene Sicherheit, die ihnen offensichtlich im Moment so sehr fehlt.

«Die Kulturinstitutionen selbst haben die grösste Kompetenz»

Der gute Ruf Basels ist auch den Kulturschaffenden zu verdanken. Und die Steuerzahler sitzen zahlreich im Publikum. Was braucht es mehr?

Baschi Dürr fragt: «Soll der Staat Institutionen fördern oder Programme?» Hier beisst sich die Katze in den Schwanz: Die bislang staatlich geförderten Kulturinstitutionen entscheiden täglich über Programme. Das gehört zu ihrem Kerngeschäft. Über den Zuschauerzulauf bekommen sie direkte Rückmeldungen. Und die brauchen sie per se: Kein Künstler tritt gerne vor leeren Rängen auf. Wird der Geldhahn nun zugedreht und ein Wettbewerb inszeniert, dann wirft dies Fragen auf:

1. Steht es schlecht um Basels Kultur? Haben die Kulturinstitutionen das mit den Subventionen verbundene Vertrauen in ihre Arbeit missbraucht?

2. Wenn sich Kulturinstitutionen etwa einem Fachgremium zur Vergabe der Gelder in einer speziellen Antragssprache vorstellen müssen: Wie viel kann ein Antrag über das künstlerische Endergebnis aussagen? Und auf welcher Seite liegt mehr Fachkompetenz, mehr Erfahrung, mehr Herzblut? Auch Jurymitglieder hatten ein Leben vor ihrem meist kurzen Einsatz im Entscheidungsgremium; sie sind oft verbandelt mit dem Kulturleben. Hier können alte Rechnungen beglichen werden. Der Kanton Basel-Stadt hat ein gutes Image. Firmen investieren hier, weil sich die Mitarbeiter nicht zuletzt wegen des reichhaltigen Kulturangebots wohlfühlen. Wenn der Kanton dies durch unsichere Subventionen infrage stellt, sägt er an dem Ast, auf dem er sitzt. Denn nur in einer guten Wirtschaftslage können Kulturinstitutionen Sponsorengelder generieren und so die Staatskasse entlasten.