Coronavirus

Soldaten in der Covid-Pflege werden «befördert»: In der ersten Welle auf der Teststation, jetzt im Notfall

46 Betten gibt es auf der Intensivstation des Unispitals Basel. 20 sind derzeit von Covid-Patienten belegt.

46 Betten gibt es auf der Intensivstation des Unispitals Basel. 20 sind derzeit von Covid-Patienten belegt.

Im Frühjahr durften Armeeangehörige in Basel bei den Patientinnen und Patienten nur Abstriche machen. Nun müssen sie im Notfall mithelfen.

Die zweite Covid-Welle macht sich jetzt auch auf den Intensivstationen der regionalen Spitäler bemerkbar. Das Basler Unispital (USB), das Claraspital und das Kantonsspital Baselland (KSBL) erhöhen die Kapazitäten auf den Intensivstationen von heute 33 auf 64. «Wir lösen nun die nächste Stufe unseres Konzeptes Basel-Stadt/Baselland mit dem Bereitstellen weiterer Intensivbetten aus, sind aber nicht im Krisenmodus», sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Basler Gesundheitsdepartements.

Dass es auch in der Region allmählich ernst wird, zeigt die Tatsache, dass das Unispital erneut auf die Unterstützung von Armeeangehörigen zurückgreifen wird. Bereits während der ersten Welle half die Armee aus – damals kamen die Militärangehörigen aber vor allem im Testzentrum und in den mobilen Abstrichteams zum Einsatz. «Jetzt werden wir sie im Notfallzentrum und vor allem in den Bettenstationen einsetzen», sagt USB-Sprecher Thomas Pfluger. Konkret bedeute dies, dass sie bei der Grundpflege oder bei der Mobilisation der Patientinnen und Patienten unterstützten.

Situation in Baselland ist etwas entspannter als in Basel-Stadt

Verhältnismässig ruhig gibt sich derzeit Hans Pargger, Leiter der Intensivstation am Unispital. Der Druck sei am USB wesentlich tiefer als beispielsweise in der Westschweiz. «Knapp die Hälfte der Patienten haben wir aus anderen Kantonen übernommen, etwa aus der Romandie», sagt er. Auf die Frage, wie viele Betten auf der Intensivabteilung des Unispital frei seien, antwortet er: «Das bewegt die Medien offenbar sehr. Ich muss allerdings sagen, dass die Intensivstationen am Abend oft gefüllt sind mit Patienten, auch in Nicht-Corona-Zeiten.» Momentan seien zwischen 36 und 42 der 46 zertifizierten Betten der Intensivstation belegt – die Hälfte der Patienten sei coronabedingt in der Intensivpflege.

Insgesamt waren es in Basel-Stadt gestern 26 coronainfizierte Personen, die auf der Intensivabteilung der Spitäler lagen. Etwas weniger ausgelastet ist das KSBL. Auf Anfrage heisst es: «Die Auslastung liegt bei zirka 70 Prozent, das ändert sich aber fast stündlich.»

Pargger bestätigt die wissenschaftliche Erkenntnis, wonach vor allem Ältere und Vorerkrankte von einem schweren Verlauf betroffen seien. «Das gibt es schon, dass ein unter 60-Jähriger ohne Vorerkrankung auf der Intensivstation gelandet ist. Aber das ist selten.» Ausser man leide unter Bluthochdruck, Diabetes, Übergewicht oder Erkrankungen der Lunge.

Viele der über 90-Jährigen wollen keine Behandlung

Am Anschlag seien seine Mitarbeitenden nicht, sagt Pargger. Er betont, dass diese ihre Ferien und freien Tage beziehen könnten und nicht in verlängerten Schichten arbeiten müssten. Gleichwohl seien es «intensive» Zeiten fürs Personal, die Covid-Patientinnen und -Patienten seien «medizinisch und pflegerisch sehr anspruchsvoll», da diese wegen der Lungenfunktion regelmässig vom Rücken auf den Bauch und wieder zurückgedreht werden müssten.

Der Chef der Intensivabteilung sagt, er rechne mit einer deutlich stärkeren Belastung in den nächsten Wochen. Corona werde uns bis weit ins 2021 beschäftigen. «Wir brauchen also einen langen Schnuuf», meint er.

Von einer Triage angesichts der vollen Intensivstation sei das Unispital aber weit entfernt. «Auch ein 100-Jähriger Covid-Erkrankter bekommt eine Behandlung, solange es medizinisch sinnvoll ist», stellt Pargger klar. Meist sei es aber so, dass sich die Corona-Erkrankten in diesem Alter nicht mehr in Behandlung begeben. Viele über 90-Jährige verzichteten auf eine Therapie. Und einige im Bereich zwischen 80 und 90 Jahren entschieden sich, die Behandlung abzubrechen und zu sterben, «weil sie eben so hart ist», wie Pargger sagt.

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