Wahlen Basel-Stadt
So setzt sich der Grosse Rat neu zusammen

Wer sind die 19 neu Gewählten? Und welche sechs schaffen es nach den Wahlen am Sonntag nicht mehr in den grossen Rat? Das sind die Veränderungen im Basler Parlament.

Samuel Hufschmid
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So sähe die Smartspider des Grossen Rats aus, wenn er eine Einzelperson wäre.

So sähe die Smartspider des Grossen Rats aus, wenn er eine Einzelperson wäre.

bz

Im Jahr 2000 gewann sie an den Olympischen Spielen in Sydney Silber im Degenfechten, am Sonntag gelang ihr für die SVP der Sprung in den Grossen Rat: Gianna Hablützel-Bürki ist die vielleicht prominenteste Neo-Grossrätin – aber nicht die einzige. Auch FCB-Reporter René Häfliger ist stadtbekannt und wird ab Februar 2017 für die LDP politisieren. Die SP verstärkt sich mit zwei Polit-Grössen: Parteipräsidentin Brigitte Hollinger kehrt nach sechs Jahren Pause in den Rat zurück, und Kaspar Sutter, der intern bereits als möglicher künftiger Regierungskandidat gilt, startet seine Legislativ-Karriere. Sutter wird seinen aktuellen Job als Generalsekretär von Finanzdirektorin Eva Herzog an den Nagel hängen. Claudio Miozzari und Sebastian Kölliker sind zwei weitere Neo-SP-Grossräte, beide sind im Verein Kulturstadt engagiert, Miozzari sogar als dessen Präsident. Kölliker ist übrigens der jüngste aller Grossräte und der erste in den Neunzigerjahren geborene Volksvertreter Basels.

Prominente Rückkehrer gibts nicht nur in der SP, sondern mit Stephan Schiesser (LDP), Jürg Stöcklin (GB) und Balz Herter (CVP) auch in anderen Parteien. Schiesser ist Inhaber der gleichnamigen Confiserie am Marktplatz, Stöcklin ist Biologie-Professor und ehemaliger Parteipräsident der Grünen.

Während sich die Neugewählten über ihren Erfolg freuen können, dürfen sechs amtierende Ratsmitglieder ab Februar 2017 nur noch auf der Zuschauertribüne des Grossratssaals Platz nehmen. Der bekannteste unter ihnen ist Polit-Querulant Eric Weber, dessen rechtspopulistische Partei die Wiederwahl nicht schaffte. Verwaltungsintern wird bereits von einem Stellenabbau im zweistelligen Bereich gemunkelt – weil so viel Personal mit der Beantwortung von Webers sinnfreien Anfragen beschäftigt war. Politisch bedeutender ist die Nicht-Wahl von Dieter Werthemann (GLP), denn sie kostet die Kleinstpartei die Fraktionsgrösse.

Wegen des schlechten Abschneidens der CVP wird die Familie Gallacchi nur noch mit einem Mitglied vertreten sein – Pasqualine Gallacchi wurde nach fünf Jahren im Grossen Rat abgewählt; ihr Cousin Remo hat die Wiederwahl hingegen geschafft. Mit der Abwahl von Michel Rusterholz hat auch das kurze Intermezzo der Basler BDP im Grossen Rat ein abruptes Ende gefunden. Der ehemalige SVP-Grossrat trat erst im Mai dieses Jahres aus der Partei aus und zur BDP über, als er für die Wiederwahl nicht nominiert worden war.

Junge Frauen, alte Männer

Mit 52,3 Jahren im Schnitt sind die männlichen Grossräte fast fünf Jahre älter als ihre Kolleginnen. Das Durchschnittsalter aller 763 Kandidatinnen und Kandidaten war mit 46 Jahren hingegen tiefer; bevorzugt gewählt wurden demnach eher die älteren Parteivertreter. Der Älteste unter den Gewählten ist SVP-Politiker Roland Lindner mit Jahrgang 1937.

Frauen sind im Grossen Rat weiterhin in Unterzahl. Sie besetzen – wie bereits 2012 – 31 der 100 Sitze, stellten jedoch mit 35,1 Prozent einen leicht höheren Anteil im Kandidatenfeld. Mit zwei zusätzlichen Sitzen für Rot-Grün dürfte sich das Parlament leicht nach links bewegen. Zu diesem Schluss kommt auch das Forschungsinstitut Vimentis, das die politischen Profile der neu gewählten mit den bisherigen Parlamentariern verglich. Dabei ergab sich, dass sich der neue Grossrat vor allem für mehr Umweltschutz, eine weniger strikte Ausländerpolitik und ein weniger strenges Rechtssystem einsetzen wird.

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