Es sind durchs Band «Good News», die das Sinfonieorchester Basel (SOB) am Montag verkündet hat. Mehr Auslandauftritte, mehr Abonnenten, ja, man könnte sagen: Das Orchester hat derzeit einen Lauf.

Und es ist mit seinem Chefdirigenten, Ivor Bolton so zufrieden, dass es ihm das Vertrauen für die Zukunft ausgesprochen hat. Stiftungsratspräsidentin Barbara Schneider gab bekannt, dass der Vertrag mit Bolton bis 2025 verlängert wird. Sie liess ihn diesen in einem kleinen theatralischen Akt gleich vor den Augen der Fachpresse unterschreiben.
Der Brite begründet sein Commitment damit, dass er mit dem Sinfonieorchester Basel, dieser «exzellenten Formation», weiter arbeiten und auf dem internationalen Parkett mitspielen möchte. Dazu gehören etwa Tonträgerveröffentlichungen: Das SOB spannt seit dieser Saison mit dem Major-Label Sony Classical zusammen und wird in diesem Jahr die dreiteilige Reihe «The Secret Fauré» lancieren.

Der britische Chefdirigent möchte mit seiner zweiten Amtszeit das Orchester, das Musik aus drei Jahrhunderten interpretiert, noch näher an die Komponisten und deren Absichten heranführen. Die historisch-passenden Klangfarben hervorzurufen liegt im am Herzen. Und das gehe bis in die Details, zu Fragen nach dem geeigneten Instrument, dem passenden Geigenbogen. Ziel sei es, dem Orchester ein unverwechselbares Profil zu geben, mit dem es sich im internationalen Feld behaupten will und soll, ohne seine regionale Verankerung zu vernachlässigen.

Sinfonieorchester Basel on tour

Sinfonieorchester Basel on tour

Das Sinfonieorchester Basel tourte im Oktober 2017 sechs Tage lang durch Grossbritannien – mit Beethovens Musik, Sol Gabettas Cello und auch mit Matthias Willis Kamera: Er dokumentiert die Reise filmisch. Tag 5 war das Manchester-Heimspiel von Chefdirigent Ivor Bolton.

Während Boltons Verbleib gesichert ist, steht hingegen noch offen, ob der Vertrag mit dem ersten Gastdirigenten Michał Nesterowicz verlängert wird. Es scheint, als wünsche sich das Orchester was die Gastleitungen angeht, noch mehr Freiheit und Flexibilität.

Mehr Freiheiten geniesst das Orchester, seit es 2012 in die Selbständigkeit entlassen worden ist. Und das zeigt sich in der Zunahme an Tourneen, zuletzt etwa durch Grossbritannien. In der kommenden Saison wird das SOB 17mal ausserhalb von Basel zu erleben sein, ein Rekord, wie Hans-Georg Hofmann, der Leiter der künstlerischen Planung, mitteilt.

Raus aus der Komfortzone

Dass das Orchester in der nächsten Saison mehr auf Reisen gehen wird, hat auch damit zu tun, dass es sich diese zeitlich leisten kann. Warum? Weil das SOB in der kommenden Saison weniger oft in den Diensten des Theater Basel stehen wird. Zwar sei man wieder in sieben Theater-Produktionen involviert, sagt Geschäftsführer Franziskus Theurillat, doch sind weniger Aufführungen vorgesehen. Sitzt das Orchester in der laufenden Saison bei mehr als 100 Einsätzen im Graben, so sind es 2018/19 «nur» rund 88 Theatervorstellungen. Die daraus resultierende ungebundene Zeit kommt dem SOB zupass. Denn die bisherigen Tourneen haben einen positiven Effekt, wie Bolton und Hofmann erwähnen, sie schweissen das Orchester zusammen, sie holen es auch aus der Komfortzone heraus. Und sie tragen die Musikerinnen und Musiker sowie den Namen des Klangkörpers in die Welt hinaus.

Zugkräftiger Solist: Jonas Kaufmann

Dass das Orchester im nächsten Jahr in der Hamburger Elbphilharmonie oder in der Münchner Philharmonie auftritt, hat allerdings auch mit dem zugkräftigen, weltbekannten Solisten zu tun: Der Tenor Jonas Kaufmann wird begleitet von den Basler Sinfonikern Gustav Mahlers «Das Lied von der Erde» singen. Es ist also auch aus Marketingsicht ein cleverer Schachzug der Orchesterleitung, mit diesem Star gemeinsame Sache zu machen.

Doch das Orchester will nicht nur nach aussen strahlen, sondern auch seine regionale Verankerung pflegen. Immerhin stehen Subventionsverhandlungen an, vom Kanton Basel-Stadt möchte man den Status Quo zugesichert bekommen und vom Kanton Baselland, der bisher zwei Millionen Franken an die Subventionen des SOB beigetragen hat, zumindest ein Lebenszeichen erhalten.

Wie aktiv und fleissig es ist, das offenbart sich in der Saison-Statistik, die mehr als 200 Auftritte verzeichnet. Dazu gehören auch Vermittlungsprojekte, wie etwa eine kommende Kooperation mit den Gymnasialchören Baselland oder dem Gymnasialchor Bäumlihof.
Die inhaltlichen Schwerpunkte aus regionaler Sicht sind aber die neun Sinfoniekonzerte, die während des Stadtcasino-Umbaus paritätisch auf die drei Ausweichspielstätten Münster, Theater und Musical Theater verteilt werden. Im Münster setzt das SOB den Bruckner-Zyklus fort. Im Theater beschäftigt es sich mit nationalen Stereotypen in der Musik und nimmt das Publikum mit auf Reisen nach Polen, Finnland oder Russland. Im Musical Theater schliesslich setzt man passend zur Location auf «Entertainment», mit Werken von Leonard Bernstein bis Astor Piazzolla.

Neue Reihe mit Filmmusik

Für Unterhaltung sollen auch zwei neue Reihen sorgen, die das SOB ins Leben ruft: «Ivor lädt ein» steht für Abende mit freiem Eintritt, an denen Ivor Bolton und Hans-Georg Hofmann Kostproben aus dem aktuellen Schaffen des Klangkörpers präsentieren. Neu ist auch «Concert & Cinema». Die populären Filmmusikkonzerte haben also auch das SOB erfasst, das im Musical Theater Livemusik zu Filmklassikern wie «Indiana Jones - Raiders of the Lost Ark» oder «Drei Nüsse für Aschenbrödel» spielen wird.

Womit wir bei der Frage wären, die seit dem Umbau des Stadtcasinos diskutiert wird: Wirkt sich das Ausweichmanöver ins Kleinbasel negativ auf die Abozahlen aus? In Zürich tun sich die Besucher mit der Tonhalle in der Maag schwerer, bemerkt Barbara Schneider. Tatsächlich hätten sich in der laufenden Saison 130 Personen neu für ein Abo entschieden, sagt Franziskus Theurillat. Diesen stehen 44 Abbestellungen gegenüber. Auch unter dem Strich kann man also von einem Aufwärtstrend sprechen.

Und die Vorbehalte gegenüber dem Standort im Kleinbasel? «Die haben sich als Sturm im Wasserglas herausgestellt», sagt Theurillat auf Nachfrage. Zwar ist die Auslastung im Musical Theater nach dem ersten Saisonkonzert mit 65 Prozent weniger gross als in den anderen zwei Sälen Münster und Theater Basel, wo die Auslastung 90 Prozent beträgt. Doch habe man im Musical Theater mit rund 1600 Plätzen auch bedeutend mehr Kapazität als im Stadtcasino mit 1300 Plätzen.