Wenn das Kunstmuseum Basel am 3. März seine Türen öffnet, dürfte das Besucheraufkommen beachtlich sein. Nicht nur, weil der Eintritt in die Dauerausstellung gratis ist (wie jeden ersten Sonntag im Monat), sondern auch, weil man nur an diesem einen Tag die Gemälde der millionenschweren Schenkung vom Ehepaar Probst anschauen kann. Danach wandern die kapitalen Werke von Picasso, Klee, Giacometti und Co. ins Depot.

Einen solchen Ansturm hätte das Haus auch im 2018 vertragen können. Denn die gestern bekannt gegebenen Zahlen weisen einen Besucherrückgang aus. Mit 238'000 Eintritten verzeichnete das Kunstmuseum 28 Prozent weniger als im Vorjahr – und verfehlte auch die vom Kanton gewünschte Besucherzahl von 300'000 deutlich.

Ist diese Messlatte schlicht zu hoch angesetzt worden? Ist die Euphorie am Neubau verflogen? Oder mangelte es 2018 einfach am Blockbuster? Vor allem letzteres dürfte eine plausible Erklärung sein, hatte das Kunstmuseum doch im Vergleich zum Vorjahr (Chagall-Schau) keinen vergleichbaren Publikumsrenner zu bieten.

Beyeler: minus 42 Prozent

Es ist allerdings nicht jenes Museum, das zahlenmässig den grössten Rückschlag hinnehmen musste. Noch härter hat es 2018 die Fondation Beyeler in Riehen getroffen. Diese blickt auf das besucherschwächste Jahr seit 2004 zurück. 280'000 Eintritte bedeuten einen Einbruch von 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Muss man sich Sorgen machen? Nein, teilt die Fondation Beyeler mit, man habe nach den Grosserfolgen der Ausstellungen zu Monet oder Gauguin nun mit einem ruhigeren Jahr gerechnet und sei deshalb nicht überrascht worden. 2018 habe man investiert, etwa in ein neues Licht- und Sicherheitssystem, zugleich bei den Eintritten vorsichtiger budgetiert, sodass nun auch keine betrieblichen Konsequenzen gezogen, sprich keine Leute entlassen werden müssen.

Ein Übergangsjahr also, was die Fondation auch signalisieren möchte mit ihrer gestrigen Pressemitteilung, wonach die laufende Sonderausstellung der Blauen und Rosa Periode von Pablo Picasso in vier Wochen bereits 50'000 Besucher angelockt habe. Das dürfte tröstlich sein für das erfolgsverwöhnte, meistbesuchte Kunstmuseum der Schweiz.

Dass der Rückgang 2018 kein Basler Phänomen war, zeigt der Blick über die Grenze: In Weil am Rhein zählte das Vitra Design Museum 20 Prozent weniger Besucher und kam somit auf – für seine Verhältnisse immer noch sehr erfreuliche – 142'000 Eintritte. Zu den Verlierern unter den grossen Häusern gehörte 2018 auch das Basler Antikenmuseum, das seit 2016 in einer Abwärtsspirale drinsteckt und zuletzt weniger als 50 000 Besucher anlockte (-8,4%).

Hatten die 24 staatlichen und privaten Museen in Basel-Stadt 2017 ein Rekordjahr verzeichnet, so ist nun insgesamt ein Rückgang von 17,3 Prozent auszumachen. Eine Erklärung dafür sieht das Präsidialdepartement, welches die Statistiken erstellt hat, im «schönen und langen Sommer, den die Menschen vorzugsweise in der Natur und am Wasser verbrachten». Das bestätigt auch das Kunstmuseum. Es hat in den Hitzemonaten Juli bis September einen Besuchereinbruch von rund 50 Prozent erlebt.

Es gab auch Publikumsrekorde

Allerdings könnte man da entgegnen, dass in dem Fall alle Museen gleichermassen Abstriche machen mussten. Dem ist aber nicht so. Das Museum der Kulturen und das Naturhistorische Museum verzeichneten leichten Zuwachs. Und, besonders auffallend in der Gesamtstatistik: Einige kleinere Häuser haben sogar veritablen Grund zur Freude, weil sie ihre bisherigen Rekordmarken knacken konnten.

Die Kunsthalle Basel und das Schweizerische Architekturmuseum etwa steigerte seine gesamthafte Besucherzahl um 22,8 Prozent auf 32 683, das HeK auf dem Dreispitz zählte 18 222 Eintritte (+6,5%) und das Kunsthaus Baselland in Muttenz sogar 8402 (+45%).

Angesichts dessen könnte man die Schlussfolgerung ziehen, dass insbesondere die kleineren Häuser, die sich junger (mitunter auch politischer) zeitgenössischer Kunst verschrieben haben, einen Nerv getroffen und mehr Publikum angezogen haben als in den Vorjahren.