Theater Basel

Schauspielhaus Basel: Dieser Hitchcock geht baden

«Hitchcock im Pyjama» im Schauspielhaus des Theater Basel ist ein Traumspiel, leider zum Wegdämmern

Wenn einem zu diesen Zeiten Vorstellungsabsagen mitgeteilt werden, denkt man natürlich an Corona. Am vergangenen Freitag verkündete das Theater Basel, dass die auf Samstag angesetzte Premiere von «Hitchcock im Pyjama» nicht stattfinden werde. Dieses Mal aber nicht wegen Corona, sondern weil man für diese Uraufführung noch drei weitere Tage Probenzeit benötige.

Es wäre wohl besser gewesen, die Produktion gleich ganz abzusagen. Da hätten wohl auch drei weitere Wochen Probenzeit nicht mehr gereicht, um einen Theaterabend zustande zu bekommen, der irgend so etwas wie Hand und Fuss hat.

Der Titel «Hitchcock im Pyjama» ist Programm. Zumindest, was den Pyjama angeht, den alle auf der Bühne tragen: die vier Protagonisten und das gute Dutzend hübscher Jungs, mit Schutzmasken versehen, die im Verlauf des einstündigen Abends aus welchem Grund auch immer auch mal zu Meerjungmännern werden.

Suggerierte Traumwelt, schwer nachzuvollziehen

Zu Beginn sitzen sie auf einem übergrossen ovalen Bett um einen langhaarigen Guru (Edgar Eckert) herum, der sich, ans Publikum gerichtet, als Alfred Hitchcock vorstellt. Er sei nicht am Inhalt, sondern vor allem am Suspense interessiert, sagt er. Die Schlafanzüge und das Bett suggerieren, dass man hier in die Traumwelten des grossen Meisters eintauchen wird, dass hier also ein traumwandlerisches Psychogramm der Titelfigur ausgebreitet werden soll.

Um das einigermassen verstehen zu können, muss man im Programmzettel nachlesen, dass (Alp-)Träume in Hitchcocks Werk eine wichtige Rolle gespielt hätten. Dass der Master of Suspense ein Blondinen-Quäler gewesen sei. Und dass er hier seiner verstorbenen Muse Tippi Hedren (Elmira Bahrami) – das ist die Blondine aus seinem Horror-Klassiker «Die Vögel» – in die für sie bereitete Unterwelt nachsteigen muss.

Die weibliche Quelle seiner Inspiration

Wie einst Orpheus seiner Geliebten Eurydike in den Hades folgen musste, um als Prototyp des Männlichen irgend so etwas wie die weibliche Quelle seiner Inspiration wieder zu finden. So also ist es im Programmzettel zu lesen.

Man muss sich grosse Mühe geben, auf der von Aleksandra Pavlović aufwändig eingerichteten Bühne etwas davon nachzuvollziehen. Hitchcock beginnt mit einem fahrigen Diskurs über das Wesen des Suspense, schwafelt etwas von Frauen, die von Dächern fallen und aus dem Bild verschwinden, was von zwei Figuren mit den Namen von Hitchcocks Frau Alma (Rosa Lembeck) und einer seiner Filmfiguren aus «Cocktail für eine Leiche» mit Namen Brandon (Fabian Dämmich) chargierend nachgespielt wird.

Uninspiriertes Ensemble, uninspirierter Text

Für den Rest hat die Regisseurin symbolbeladene, mehr oder weniger aber willkürlich hingerotzte Szenen-Versatzstücke aneinandergereiht, in denen die Darsteller niemals Halt finden. Aus dem Bett wird in der Unterwelt, sofern sie denn eine ist, eine Art Pool, in den es am Schluss – «Psycho» lässt grüssen – auf den nackten Hitchcock herunter regnet.

An der Rampe wird chargiert, im Pool herumgewälzt. Dabei wirkt das neue Ensemble, das sich in den ersten beiden Produktionen der noch jungen Saison so spielfreudig präsentiert hatte, so uninspiriert wie der Text, den es offenbar selber verfasst hat.

Einziger Lichtblick ist ein Vorhang, der sich wiederholt in virtuosen Volten über die Bühne schlängelt. Aber das ist dann nun doch etwas gar wenig für einen ganzen Theaterabend, wenn er auch nur eine Stunde kurz ist.

Hitchcock im Pyjama
Bis 27. Januar. Schauspielhaus Theater Basel. www.theaterbasel.ch.

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