Strengere Richtlinien
Schädlings-Bekämpfung: Basel tötet Ratten mit alten Gift-Beständen

Für die Giftköder, mit denen in Basel Ratten bekämpft werden, gelten seit Januar neue Regeln. An der Zusammensetzung des Produkts hat sich aber nichts geändert.

Noemi Landolt
Merken
Drucken
Teilen
Ein Mitarbeiter des Basler Tiebauamts bindet die Köder für Ratten.

Ein Mitarbeiter des Basler Tiebauamts bindet die Köder für Ratten.

Kenneth Nars

In der Kanalisation unter Basel, zwischen Fäkalien und Speiseresten, haben sich die Ratten eingenistet. Damit sich die Tiere nicht unkontrolliert vermehren und zum Beispiel Krankheiten übertragen, werden sie von Mitarbeitern des Tiefbauamts einmal jährlich mit Giftködern bekämpft. Die blauen Giftköder werden dazu an einem Draht in die Kanalisation gehängt.

Wenn die Ratten das Gift fressen, dauert es noch 3 bis 13 Tage, bis sie sterben. Der Wirkstoff der Gifts, Flocoumafen, hemmt die Blutgerinnung: Die Tiere verbluten also innerlich.

Basler Kanalisation
8 Bilder
Binden der Köder für Ratten im Werkhof
Teamwork: Enore Bezzola unterstützt Amatter von oben.
Einsetzen eines Köders in der Nähe des Birsköflis
Auf dem Rollbrett fährt der Arbeiter durch die Kanalisation.
Ein Strudel aus Fäkalien: Sammelleitung beim St. Albantor.
Die grosse Sammelleitung unter dem St. Albantor.
Die grosse Sammelleitung unter dem St. Albantor.

Basler Kanalisation

Kenneth Nars

Auf der Etikette der Kilopackung mit dem Gift steht: «Storm Ratten- und Mäuseblock». Registrierungsinhaber des Produkts ist das Chemie-Unternehmen BASF, Vertreiber die Leu + Gygax AG, Birmensdorf. Seit Januar 2015 darf dieses Produkt nicht mehr verkauft werden. Das teilt das Bundesamt für Umwelt (Bafu) auf Anfrage mit. «Es ist jedoch möglich, dass Anwender noch früher gekaufte Restbestände aufbrauchen», sagt Henry Wöhrnschimmel vom Bafu.

Das Verkaufsverbot hat mit verschärften Richtlinien zu tun, die im Jahr 2008, als das Gift zugelassen wurde, noch nicht galten. «Storm Ratten- und Mäuseblock» und etliche andere Produkte mussten und müssen deshalb neu beurteilt werden.

Wegen der strengeren Richtlinien haben sich die Anwendungsvoraussetzungen geändert. Deshalb war die BASF gezwungen, eine neue Zulassung für das Produkt zu beantragen. Neu dürfen die Köder nur noch von «professionellen Anwendern mit Fachbewilligung» ausgelegt werden. Das senke das Risiko einer unsachgemässen Anwendung. Zudem muss der Hersteller aufzeigen, dass das Gift bei korrekter Anwendung keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt hat, also die in der EU festgelegten und durch die Schweiz akzeptierten Grenzwerte nicht überschreitet.

Ein Restrisiko bleibt trotz der neuen Richtlinien. Dann zum Beispiel, wenn die Ratten das Gift verschleppen oder das Gift unsachgemäss verwendet wird. «Im Hinblick auf fehlende Alternativen zur Erhaltung der Hygiene und öffentlichen Gesundheit wird das Restrisiko in der Schweiz als tragbar erachtet», heisst es beim Bafu.

Gleicher Inhalt, neuer Name

Die Giftköder werden daher weiterhin hergestellt und verkauft. Anstatt «Storm Ratten- und Mäuseblock» steht auf der neuen Etikette «Storm Secure». Bei der Herstellerfirma BASF heisst es: «Wir haben die Zulassung unter dem neuen Namen beantragt und diese auch erhalten.»

Zusammensetzung und Wirkung der beiden Produkte sind exakt gleich. «Storm Secure» unterscheidet sich jedoch durch die verschärften Anwendungsbestimmungen: «Die Änderungen müssen auf der Etikette und in der Anwendungsanleitung erscheinen», sagt Henry Wöhrnschimmel.