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Reggae-DJ bricht mit Morgestraich-Tradition – Das sorgt für Krach unter Basler Veranstaltern

Rodigan kehrt zurück – aber im April.

Rodigan kehrt zurück – aber im April.

Der britische Reggae-DJ Sir David Rodigan brachte jahrelang die Massen vor dem Morgestraich zum Toben. In den vergangenen zwei Jahren blieben die Partys jedoch aus. Auch 2018 fehlt sein Name im Basler Vorfasnachtskalender. Das sorgt für Frust.

Er ist der bekannteste Reggae-DJ der Welt: Sir David Rodigan. Jahrelang brachte der Brite vor dem Morgestraich die Fans karibischer Sounds zur Ekstase. Sein Auftritt als Vorfasnachts-Selector wurde zu einer Tradition, die weit über Basel hinaus Fans von Reggae-, Ragga- und Dancehall-Musik anlockte und jeweils die Nacht verkürzte, bis es am Montag vier Uhr schlug.
In den vergangenen zwei Jahren blieben die Morgestraich-Partys mit Rodigan allerdings aus. 2017 promotete er, im Herzen Jamaikaner, im Pass Engländer, stattdessen seine Autobiografie «My Life in Reggae».

Auch 2018 fehlt sein Name im Basler Vorfasnachtskalender. Das erstaunt insofern, als dass Rodigan immer wieder beteuerte, wie sehr ihm die Fasnacht ans Herz gewachsen sei. «Nach dem Auflegen rauszugehen, auf die Strasse ist wunderbar», schwärmte er. Trommeln und Piccolos, die Laternen und die Kostüme, all das würde ihn jedes Jahr aufs Neue faszinieren.

Ostern statt Fasnacht

Nic Plésel wollte die Tradition fortführen. Er hatte Rodigan jahrelang nach Basel geholt, als Booker der Kaserne, später als freier Veranstalter unter anderem im Volkshaus Basel. An die tausend Leute tanzten zu den Songs von Bob Marley oder Peter Tosh und zu Rodigans Anfeuerungsrufen. Mehr Harmonie ging nicht.

Als Plésel im vergangenen Sommer einen neuen Anlauf wagte, erhielt er abschlägigen Bescheid. Rodigans Agentur hatte ein Paket mit DJ Lukie Wyniger und der Kaserne Basel geschnürt. Dabei hätte der Gig vom Tourplan her gut gepasst, könnte man meinen. Rodigan legt morgen Samstag in Berlin auf. Doch seine Agentur hat sich zum Bühnenjubiläum des 66-jährigen DJ (40 Jahre) für ein anderes Gastspiel in Basel entschieden, nach Ostern.

Mit «One Love» ist es vorbei

Warum man sich so entschieden hat und nicht für den Morgestraich-Gig, das mögen weder Rodigans Agent noch das Management mitteilen. Eine Anfrage blieb unbeantwortet. Geld dürfte eine Rolle gespielt haben.

Auch Nic Plésel mag nicht darüber reden. Auf Facebook liess er seinen Frust vor Monaten raus, indem er den Song «Back Stabbers» postete. «Verräter». Da fühlt sich einer hintergangen.

Szene-Insider sprechen von einem Machtkampf innerhalb der Basler Reggae-Szene. In dieser herrscht Beef. Vorbei ist es mit «One Love», und auch Peace und Unity scheint derzeit überhaupt nicht gegeben. Hat die Kaserne Basel Rodigan ausgespannt? Musikchef Sandro Bernasconi verneint: «Für uns zählt, dass das Basler Publikum Rodigan nach drei Jahren überhaupt mal wieder erleben kann.»

Dass die Basler Reggae-Szene, die Drahtzieher im Hintergrund, zerstritten sind, das sei auch in der Kaserne spürbar. Reggae-DJs, die nicht mehr miteinander reden, sorgen für eine Entzweiung einer überschaubaren Szene. Die Veranstaltungen laufen auch nicht mehr so gut wie früher, ganz im Unterschied etwa zur «Step It Up»-Reihe (UK-Dub und Steppers Sound).

«Wir haben Reggae lange gefördert, lenken künftig aber den Fokus auf andere Musikrichtungen», sagt Sandro Bernasconi. Die Konsequenz: Die Reggae-Reihe «Full Attention» läuft aus. Rodigans Auftritt am 7. April und Romain Virgo am 14. April bilden den Abschluss.

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