Foto-Ausstellung

Philosophicum: Schwarz, Weiss – und alles dazwischen

Im Basler Philosophicum sind Werke des Solothurner Fotografen Hugo Jaeggi (1936–2018) zu sehen: Sie erzählen von Menschen und ihren Geschichten.

Jaeggi, der zurückgezogen in Burg im Leimental lebte, war kein besonders guter Selbstvermarkter, wie Freunde erzählen. Neben seiner Arbeit im eigenen Basler Fotogeschäft als Lehrer und Lehrmeister beschäftigte er sich gerne mit eigenen Projekten. In seiner zurückhaltenden, doch beharrlichen Art verfolgte er zeitlebens eigene künstlerische Ansprüche. Jaeggis sensible Schwarz-Weiss-Fotos – oft mit harten Hell-dunkel-Kontrasten – wurden vielfach veröffentlicht, ausgestellt und mit Preisen bedacht. Mit seinen Themen, aber auch dank seinem Gespür für Stimmungen und Komposition gehörte er zu den wichtigsten zeitgenössischen Schweizer Fotografen.

Eine, die Jaeggi persönlich gekannt hat, ist Nadine Reinert, Co-Leiterin des Philosophicum im Ackermannshof und Kuratorin der dortigen aktuellen Ausstellung. Der Fotograf war noch selbst beteiligt, als die Idee dazu entstand. Buchstäblich ins Zentrum ihrer Ausstellung stellt Reinert die Formel «Aus dem Leben gegriffen» und gruppiert darum herum, thematisch gegliedert, über 110 analoge Schwarz-Weiss-Fotos aus rund 50 Jahren künstlerischer Arbeit. Ergänzend dazu sind digitale Farbfotografien aus späterer Zeit zu sehen, mit denen Jaeggi experimentierte und dabei zu neuen Bildern fand.

Aussenseiter und Randexistenzen, Kranke und Behinderte

Jaeggi hatte sich nach seiner Fotografenlehre in Solothurn früh mit der Lebenswelt wenig beachteter Zeitgenossen befasst: mit jener von Fabrik- und Landarbeitern in der Schweiz der Nachkriegszeit. Er konnte sich noch genau an sein erstes künstlerisches Foto erinnern, wie Reinert erzählt: ein Arbeiter mit nacktem Oberkörper. Auch später nahm Jaeggi immer wieder Aussenseiter und Randexistenzen, Kranke und Behinderte in den Sucher seiner Leica-Kleinbildkamera. In Porträtserien begleitete er einzelne Menschen gar über Jahre und Jahrzehnte hinweg.

Beizenhocker, Bäuerinnen und extravagante Damen: Vor allem Menschen waren Jaeggis wichtigstes Sujet, und er verstand es, offen und mit Humor auf sie zuzugehen. So wird in den Porträts sein Interesse an ihnen deutlich sichtbar. Und umgekehrt trifft einen auch plötzlich ein unvermittelter Blick eines Dargestellten. Auch in den Landschaftsaufnahmen suchte der Fotograf immer wieder die Realität unter der Oberfläche. Er hatte zudem ein Gespür für Skurriles und Geheimnisvolles – für eine «gewisse Poesie», für «Innenwelten, Träume und Abgründe», sagt die Kuratorin.

Für grössere Reportagen reiste Jaeggi jeweils für längere Zeit ins Ausland, oft begleitet vom Journalisten und Freund Peter Jaeggi. Da schaute er jeweils, dass er neben den Aufträgen auch Eigenes realisieren konnte, was ihm persönlich wichtig war. So sind in der Ausstellung beispielsweise auch Fotos aus Belarus (Weissrussland) zu sehen – Bilder aus dem Alltag, zwölf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl.

 

«Hugo Jaeggi – Fotografie» in der Druckereihalle im Ackermannshof, St.-Johanns-Vorstadt 19–21, Basel
Bis 15. Dezember
Vernissage am 16. November, 17 Uhr
Führungen und Begleitprogramm: www.philosophicum.ch

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