Graffiti
Philipp Tschanz: «Kreativ sein ist kein Verbrechen»

Im Jugendhaus Eglisee sprayen die Teilnehmer diesen Samstag eigene Graffitis an die Wand. Philipp Tschanz, der sich seit Jahren mit der umstrittenen Kunstform auseinandersetzt, gibt den Jugendlichen Starthilfe in einem Workshop.

Michel Zumoberhaus
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Philipp Tschanz alias Dest Jones führt mit Hund durch den Graffiti-Workshop.

Philipp Tschanz alias Dest Jones führt mit Hund durch den Graffiti-Workshop.

Nicole Nars-Zimmer niz

Raus aus dem grauen Alltag und rein in die bunte Welt der Graffitis. Als die erste Hip Hop Welle in den 80er Jahren nach Europa überschwappte, infizierte sich ein gewisser Philipp Tschanz mit dem Graffiti Fieber. Dieser «kreative Virus», habe ihn bis heute nicht verlassen und werde es wohl auch nie.

Tschanz will nun zusammen mit der GGG Stadtbibliothek Schmiedenhof andere mit diesem Virus bewusst anstecken: «Für mich ist wichtig, dass der Mensch aktiv und kreativ bleibt. Graffiti ist eine einfache Form, einen Einstieg in diese Welt zu finden», sagt Philipp Tschanz, besser bekannt unter dem Künstlernamen Dest Jones, der seit 1989 als freiarbeitender Künstler unterwegs ist. Die Graffitikunst sei schon lange nicht mehr ein Trend, sondern habe sich zu einer von vielen gelebten Subkultur in Basel entwickelt, so Tschanz.

Skizzieren, mit Lackstiften ein Graffito oder ein selbst gewähltes Motiv malen und mit der Spraydose die Leinwände grundieren: Diese Etappen werden im Rahmen eines Graffiti-Workshops der GGG Stadtbibliothek den Teilnehmern aufgezeigt. Der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. «Ich kann mit meiner langjährigen Erfahrung Ratschläge geben. Jeder kann aber sprayen, was er möchte», so Tschanz. Diesen Samstag leitet der passionierte Sprayer, der jährlich seine Arbeiten auch an der Art Basel in Miami ausstellt, den Workshop im Jugendhaus Eglisee. Zu seinen Auftraggebern zählt er auch Bäckereien oder Versicherungen, die als Teambildungsmassnahme den Auftragsmaler engagieren. «Unsere Kunst spricht alle Leute an, weil es im öffentlichen Raum stattfindet.»

Digitale Entwicklung

Im Frühling letzten Jahres wurde die Stadtbibliothek renoviert und um rund das doppelte vergrössert. Im 2. Stock entstand ein Jugendraum, wo lange Zeit eine Wand weiss blieb. Diese wurde von Tschanz während dreier Wochen gestaltet. «Literary heroes be digitalized» heisst das Werk und soll auch auf den digitalen Fortschritt in der Stadtbibliothek hinweisen. E-Books fänden zunehmend immer grösserer Beliebtheit.

Anne-Lise Hilty, Kommunikationsverantwortliche und Mitglied der Geschäftsleitung der GGG Stadtbibliothek Schmiedenhof glaubt hingegen nicht, dass die digitalen Bücher die herkömmlichen Papierbücher eines Tages ablösen werden: «Die Besucher nehmen ein E-Book gerne mit in die Ferien. Nach den Ferien greifen die Leute aber dann vermehrt wieder auf Papierbücher zurück.» Nach zehn gelesenen E-Books kämen diese Vielen immer gleich daher.

Die Workshops

An vier Monaten wird je ein Workshop durchgeführt:

Dest Jones
Samstag, 12. März, 13–17 Uhr im Jugendhuus Eglisee

Caso65
Samstag, 30. April, 13– 17 Uhr in der Sekundarschule Leonhard

Timo & Joel
Samstag, 28. Mai, 13–17 Uhr im Jugendzentrum Neubad

Dest Jones & Marvin
Samstag, 13. August, 13–17 Uhr in der GGG Stadtbibliothek Schmiedenhof

Die Graffiti Workshops seien nicht auf einen Besucherschwund zurückzuführen, der zwingend Mitglieder generieren soll. «Wir haben Stand jetzt einen leichten Anstieg an Besuchern. Dies ist lediglich eine Präventivmassnahme», meint Frank Awender, Jugendarbeiter der Stadtbibliothek. Eine Massnahme, die Teenager in die Bibliothek locken soll. Es gibt einige Angebote für Kinder wie «Schirm Scharm» oder das «Värslispiel Aramsamsam». Nun möchte man Jugendliche und junge Erwachsene nicht verlieren.

Seit 2012 arbeitet die GGG mit Jugendarbeitern zusammen, was gemäss Hilty auf grosse Dankbarkeit auch aufseiten der Jugendlichen stösst. Vor Jahren habe man ein ernstes Problem mit den Pubertierenden gehabt, als diese die Filialen zum Teil völlig auf den Kopf gestellt hätten. Die GGG möchte mit Aktionen wie Graffiti-Workshops Jugendliche einladen und nicht mit Hausverboten oder Polizei abschrecken.

Die im Workshop entworfenen Stücke werden für ein paar Wochen in der Stadtbibliothek Schmiedenhof ausgestellt. Dies hat auch einen lesefördernden Hintergrund: «Bilder zu interpretieren gehört zur Leseförderung dazu und mit diesen Angeboten hat die Jugend die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken», so Hilty.

Kunst oder nur Schmiererei?

Die Kunst des Graffiti wird nicht von jedem mit Wohlwollen akzeptiert. Wüste Botschaften oder Motive, welche die eine oder andere verbotene Wand «schmücken», sorgen immer wieder für rote Köpfe. Aktuell ziert unübersehbar der Schriftzug «kids rdm» das ehemalige und abrissbereite Hilton Hotel Gebäude am Aeschengraben. Passanten finden dies entweder «fresh» oder eine «Sauerei». Die Meinungen gehen auseinander.

Sind Graffiti doch nur eine nervende Plage? Und werden nun Teilnehmer an diesem Workshop zu solchen Aktionen noch animiert? Gemäss Street Artist Tschanz soll das nicht passieren: «Kreativ sein ist noch nie ein Verbrechen gewesen. Es ist aber ein Verbrechen, wenn man es an Orten auslebt, wo man es nicht machen sollte. Die Zeit nutzen wir auch als kleine Präventionsarbeit.»