Persönlich
So bleibta Deutscho halte rau

Um die deutsche Sprache etwas weniger hart klingen zu lassen, könnte man doch Buchstaben hinzufügen, etwa Vokale. Oder vielleicht doch lieber nicht?

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
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Der Vorschlag von Friedrich dem Grossen: Allen Zeitwörtern ein a anhängen.

Der Vorschlag von Friedrich dem Grossen: Allen Zeitwörtern ein a anhängen.

19228090,fotolia

Kollege Stefan Strittmatter spielte kürzlich an dieser Stelle mit dem Gedanken, die Vorsilbe «re-» abzuschaffen. Das Buchstabenduo sei eine «nicht versiegende Quelle der Konfusion», klagte er. Es stehe mal für «wieder», mal für «zurück», aber auch für «um-» und nicht selten für «neu-». Kurz: re- könne weg. Doch mein Kollege (re-)vidierte seinen Vorschlag umgehend. Ohne re- entstehen seltsame Wortstrünke: Kruten kehren auf ihrer Ise in ein Staurant ein.

Überhaupt sollte man dem hart klingenden Deutsch keine Buchstaben stehlen – im Gegenteil. Man sollte Buchstaben hinzufügen: Vokale, liebliche Vokale! Schon Friedrich der Grosse habe vorgeschlagen, heisst es in Ludwig Reiners Buch «Deutsche Stilkunst» von 1943, allen Zeitwörtern ein a anzuhängen. Da geht mehr, finde ich: Nomen, die mit einem Konsonanten enden, wird ein o angeklebt, Pronomen ein i, Partikel, Konjunktionen und Präpositionen ein e. Wiri forderna: Nieder mite den Konsonanteno! Aufe dasse Deutscho schöner klingta! Nun ja. Das hört sich an wie ein Finne auf LSD. Oder wie ein Italiener, der sich der deutschen Aussprache nicht beugt.

Und sowieso: Das Unterfangen, Deutsch mit Vokalen zu verschönern, ist aussichtslos. Das habe auch Friedrich der Grosse eingesehen, so Reiners: Eine solche Änderung könne niemand durchsetzen. Nicht mal der Kaiser.

So bleibta Deutscho rau. Schade eigentliche!